Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare will 2026 für strategische Planungen nutzen. Foto: Köhler

Welche Themen beschäftigen die Gemeinden im Jahr 2026? Unsere Redaktion hakt bei Bürgermeistern nach. Kai-Achim Klare will seinen Ort für die Zukunft sicher aufstellen.

„Es wird kein Jahr der Banddurchschneidungen“, sagt Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare. Mit diesem Satz verdeutlicht er: Viele Großprojekte sind in der Europa-Park-Gemeinde inzwischen abgeschlossen. „Wir haben das Rathaus saniert, das alte Rathaus saniert, haben die Schulmensa neu gebaut, haben die Halle neu gebaut, haben Wohnraum geschaffen und Straßen saniert.“ Mit anderen Worten: Die Infrastruktur wurde auf Vordermann gebracht und auch im sozialen Bereich sieht Klare seine Gemeinde gut aufgestellt. Denn für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung habe man bereits alle Voraussetzungen geschaffen.

 

Das alles sei Rust gelungen, „weil es uns wirtschaftlich sehr gut ging“, erläutert der Bürgermeister, der seit 2014 im Amt ist. Um das Niveau zu halten, schaut der Rathauschef bereits in die Zukunft und stellt 2026 daher unter das Motto „strategische Planungen“.

Schwierige Wirtschaftslage lässt den Tourismus noch nicht einbrechen

Klares erster Blick geht dabei in Richtung der Finanzen. „Der Haushalt ist verabschiedet“, freut er sich, das 6,2-Millionen-Euro-Minus bereitet ihm keine Bauchschmerzen. Es liegt nämlich überwiegend in den hohen Abgaben im Finanzausgleich begründet, die wiederum zustande kommen, weil Rusts Gewerbesteuereinnahmen vor zwei Jahren für die Gemeinde erfreulich hoch ausfielen. „Im Mittel der Jahre bekommen wir den Haushaltsausgleich hin“, erklärt Klare.

Auch er weiß aber, dass dies viele andere Kommunen nicht von sich behaupten können: „Die Wirtschaftssituation ist schwierig.“ Aktuell wirke sich das noch nicht auf den Tourismus in Rust aus – im Gegenteil. Klare sieht, dass einige Menschen auf die Fernreise verzichten und sich lieber einige Tage im Europa-Park-Resort „gönnen“. Jedoch: „Wir müssen uns aber darauf vorbereiten, dass es schwieriger werden könnte.“ Es sei im Moment nicht abzusehen, ob das Geld der Menschen auch in Zukunft für den Urlaub in Rust reicht.

Klare: „Es braucht das Wachstum des Parks“

Wie will der Bürgermeister also sicherstellen, dass es Rust auch in Zukunft gut geht? „Es braucht das Wachstum des Parks, um das Niveau zu halten“, macht Klare deutlich. Mehrfach betont er im Gespräch die Vorteile, ein so großes Unternehmen im Ort zu haben. Den kostenlosen Rust-Bus, der im Halbstundentakt fährt, nutzten im vergangenen Jahr mehr als 100 000 Menschen – auch viele Einheimische. Der Regelbeitrag für Kitas ist in Rust kostenlos. Auf der anderen Seite gibt es Klagen über Lärm- oder Verkehrsbelastung. Zudem sorge der Europa-Park auch für Herausforderungen, binde die natürlichen Ressourcen einer Verwaltung. „In diesem Spannungsfeld – Wachstum ermöglichen, Akzeptanz erreichen, natürliche Ressourcen – arbeiten wir täglich.“ In den vergangenen Jahren „war der Druck oft groß“, man habe „unter laufendem Rad“ Lösungen finden müssen, sagt Klare.

Dem will er nun vorbeugen und langfristig strategisch planen. Das ist von Bedeutung, denn „es muss alles abgestimmt aufeinander passieren“. Beispiel: Die Gemeinde entwickelt mit dem zweiten Teil des Masterplans Verkehr ein neues Konzept, wie die Besucher zum Park kommen. Gleichzeitig steht aktuell das Trinkwassernetz auf dem Prüfstand. Das hat auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun, „doch wenn wir den Verkehr planen, brauchen wir vielleicht neue Parkplätze. Dann braucht es da wieder Sanitäreinrichtungen und damit Wasser“, gibt Klare einen Einblick.

Und wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Park und Familie Mack? „Der Europa-Park hat Erwartungen. Die sind legitim“, sagt Klare. Die Verantwortlichen des Freizeitparks und die Gemeinde hätten allerdings oft unterschiedliche Lösungsvorstellungen. „Dann setzen wir uns zusammen. Wir haben ein sehr gutes Miteinander, um Konflikte zu lösen.“

Arbeitsgruppen sollen für höchstmögliche Akzeptanz des Parks sorgen

Der Rathauschef berichtet, dass es – je nach Thema – Arbeitsgruppen gibt, in denen die Fachleute des Parks, Gemeindemitarbeiter und auch Gemeinderäte sitzen. Die (nichtöffentlichen) Besprechungen mit den Räten, verrät Klare, dauern oft bis in die Nacht hinein, weil auch über Details diskutiert werde. Beim Masterplan Verkehr etwa habe man genau bedacht, wer wann wo langfahren muss und die Wege entsprechend festgelegt. „Das alles hat das Ziel, die größtmögliche Akzeptanz zu schaffen“, fasst es der Rathauschef zusammen.

Klares Worte machen deutlich: Gemeinde und Park arbeiten keineswegs gegeneinander, sondern Hand in Hand. Oder, wie es der Bürgermeister ausdrückt: „Wir sind täglich in einem unaufgeregten Austausch.“ Das Ziel: „Wachstum ermöglichen bei hoher Akzeptanz“. Und darauf liege eben auch in diesem Jahr der Fokus.

Info – Zur Person

Sozialdemokrat Kai-Achim Klare ist seit 2014 Bürgermeister von Rust, 2022 wurde er mit 97 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Immer wieder wurde Klare in der Vergangenheit mit anderen Posten in Verbindung gebracht, auch die Nachfolge von Frank Scherer als Landrat hätten ihm einige zugetraut. „Ich fühle mich sehr wohl, ich kann hier meine Tochter aufwachsen sehen“, dementiert er etwaige Gerüchten, Rust zu verlassen. Ende 2024 wurde Klare zum Vorsitzenden des Regionalverbands Südlicher Oberrhein gewählt. „Da kann ich auch einen Blick über Rust hinaus werfen“, freut sich der 43-Jährige über diesen Posten.