VW setzt auf E-Mobilität, wie hier beim Elektrobus ID.Buzz. Bis 2040 sollen fast 100 Prozent der neuen Konzernfahrzeuge in den Hauptmärkten emissionsfrei sein. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Volkswagen treibt den Umbau des Konzerns massiv voran und will bis 2025 rund 73 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien investieren. Bis 2030 soll jedes zweite Fahrzeug aus dem Konzern ein Elektroauto sein.

Wolfsburg - Europas größter Autobauer setzt sich ehrgeizige Ziele auf dem Weg zum softwaregetriebnen Mobilitätsunternehmen. „Wir haben uns das strategische Ziel gesetzt, Weltmarktführer für Elektrofahrzeuge zu werden – und wir sind auf einem guten Weg“, sagte der VW-Konzernchef Herbert Diess bei der Vorstellung der Konzernstrategie bis 2030, die den Titel „New Auto“ trägt. Neu dabei ist etwa, dass der Konzern auch mit Software-Updates und Zusatzdiensten Geld verdienen will und auf weitere auf Partnerschaften setzt.

Der Konzern will im Vergleich zu 2018 seinen CO2-Fußabdruck pro Auto über den gesamten Lebenszyklus bis 2030 um 30 Prozent reduzieren, im gleichen Zeitraum soll der Anteil der Verkäufe von E-Autos auf rund 50 Prozent steigen, bis 2040 sollen nahezu 100 Prozent der neuen Fahrzeuge aus dem VW-Konzern in den Hauptmärkten emissionsfrei sein. Spätestens im Jahr 2050 will der Konzern dann vollständig klimaneutral sein.

Die Prioritäten verschieben sich laut Diess, denn „Technologie, Geschwindigkeit und Skalierung werden eine zentralere Rolle spielen als heute“. Das margenstarke Geschäft mit Verbrennungsmotoren soll die Umstellung auf E-Mobilität finanzieren und beschleunigen, wobei die Margen von Elektroautos durch niedrigere Batterie-, Produktionskosten und steigende Stückzahlen verbessert werden sollen. In den nächsten zwei, drei Jahren dürften sie sich angleichen, so Diess.

E-Autos als Puffer für stabile Stromnetze

Der Wolfsburger Konzern will mit vier einheitlichen Plattformen, aus denen sich die Töchter bedienen können, künftig über alle Marken hinweg seine Größenvorteile verstärkt ausschöpfen. Dabei geht es um die technische Grundarchitektur von E-Autos, den zunehmenden Einsatz eigener Software in den Fahrzeugen, die eigene Batteriezellfertigung und Mobilitätsdienste. Bis 2030 dürfte der Markt für Mobilitätsdienstleistungen von heute unter zehn Milliarden Dollar auf über 100 Milliarden Dollar (knapp 85 Milliarden Euro) anwachsen, sagte Diess. Angetrieben von fahrerlosen Robo-Taxis, die sich durch Städte und Vororte bewegten.

Der VW-Chef sieht Elektroautos gar als Teil der öffentlichen Stromversorgung. Sie sorgten als Puffer für stabile Netze. „Sie werden das Überangebot – mehrere 100 Stunden im Jahr in vielen Netzen der Welt – reduzieren, bei steigendem Anteil erneuerbarer Energien.“

Chinesischer Partner für Batteriezellfabrik

VW kündigte zudem an, seine in Salzgitter geplante Fabrik für Batteriezellen zusammen mit dem chinesischen Partner Gotion High-Tech zu bauen. Produktionsstart soll im Jahr 2025 sein. VW hatte sich im Mai 2020 an dem chinesischen Batteriehersteller beteiligt. „Wir freuen uns, unsere Partnerschaft mit Gotion High-Tech als etabliertem hochkarätigen Batterieunternehmen auszubauen, um zusammen die Batteriezelltechnologie voranzutreiben. Dabei handelt es sich um den ersten Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel, gemeinsam mit Partnern einer der drei größten Batteriezellhersteller weltweit zu werden“, so Diess. Gemeinsam würden beide Partner das Volumensegment der Einheitszelle in dem Werk entwickeln und industrialisieren.

Allein in Europa wird der VW-Konzern gemeinsam mit Partnern sechs Gigafabriken mit einer Produktionskapazität von insgesamt 240 Gigawattstunden bis 2030 errichten, um die Batterieversorgung zu sichern. In Schweden arbeitet man mit dem Partner Northvolt auf einen Produktionsstart im Jahr 2023 hin. Als dritten Standort will VW Spanien zu einer strategischen Säule seiner Elektro-Offensive machen. Dort will der Konzern die Fertigung der geplanten Elektro-Kleinwagenserie („Small BEV“) ab dem Jahr 2025 ansiedeln. Eine Investitionsentscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Neue Geschäftspotenziale

Zudem will der Autobauer seinen Kunden „eine umfassende Lösung aus einer Hand anbieten, von den für den Ladevorgang benötigten Produkten bis hin zu Energiemanagement-Dienstleistungen“. Damit werde Volkswagen letztlich ein komplettes Energie-Ökosystem rund um das Fahrzeug und die Ladeinfrastruktur aufbauen, das den Kunden ein komfortables Laden ermögliche und weitere Geschäftspotenziale eröffne.

Von 2021 bis 2025 investiert Volkswagen rund 73 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien, was etwa 50 Prozent der Gesamtinvestitionen entspricht. Der Anteil der Investitionen in Elektrifizierung und Digitalisierung soll künftig weiter erhöht werden. Ambitioniert sind auch die Pläne für die Belegschaft: Derzeit ist rund die Hälfte der 660 000 Beschäftigten in der traditionellen Autoproduktion tätig. In den kommenden zehn Jahren werde VW ein „massives Transformationsprogramm“ umsetzen. An den Standorten in Deutschland sind die Jobs bis 2029 gesichert.

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