Kaum ein Thema wurde so emotional und ausführlich behandelt wie die künftige Nutzung des Strasser-Areals an der Eyach. Wir fassen zusammen, was geschehen ist.
Das Strasser-Areal – auch bekannt als Plaza – war während der Gartenschau ein beliebter und belebter Standort, den die Balinger in Herz geschlossen haben. Nach der Gartenschau wurde dann überlegt, was man aus dem Gelände machen könnte. Aus dieser Überlegung entwickelte sich ein Kapitel, das die Balinger über das gesamte laufende Jahr in Atem gehalten hat und auch noch weiter beschäftigen wird. Wir nutzen den Sommer, um einmal in einer Art Chronik auf die gesamte Thematik zu blicken und den Sachverhalt gebündelt wiederzugeben.
Gartenschau 2023
Im Hinblick auf die Gartenschau hatte der Balinger Gemeinderat 2019 beschlossen, das Areal in die Ausstellungskonzeption der Gartenschau miteinzubeziehen und es dann im Nachgang baulich zu entwickeln. Während des Sommers 2023 was das Strasser-Areal Austragungsort vieler Veranstaltungen der Gartenschau.
Die Konzeptausschreibung startet
Nach dem Ende der Gartenschau wurde dann überlegt, wie das Gelände künftig genutzt werden soll. Nachdem in der Gemeinderatssitzung im März 2024 entschieden wurde, bisherige Entwürfe für das Strasser-Areal noch mal zu überdenken, startete man im April 2024 eine Konzeptausschreibung. Damit gab die Stadt Investoren die Gelegenheit sich zu bewerben und Ideen einzubringen. Dieses Verfahren wurde zweiphasig konzipiert, nach der Bewerbungsphase schloss die eigentliche Bearbeitungsphase von Juni bis Oktober 2024 an.
Jury gibt Sieger des Investoren- und Architektenauswahlverfahrens bekannt
Lange Zeit war es ruhig um die Thematik Strasser-Areal – bis die Stadtverwaltung im Februar 2025 den Siegerentwurf bekanntgab. 13 von 14 Stimmen der Bewertungsjury fielen auf den Entwurf der Balinger Wohnbaugenossenschaft. Das Konzept sieht einen dreiteiligen L-Bau auf dem Gelände vor mit einer Freifläche. Das Erdgeschoss soll für Gewerbe zur Verfügung stehen, darüber sollen 36 Wohnungen entstehen. Beim Material setzt man auf einen hybriden Bau aus Holz und Beton. Fensterfronten sollen an allen Häuserfronten entstehen. Womöglich war zu diesem Zeitpunkt noch keinem der Beteiligten bewusst, welche Wellen das Projekt in den nächsten Monaten noch schlagen wird.
Präsentation der vier bestbewerteten Konzepte
Eine Woche lang im März, direkt nach der Fasnet, konnten die Balinger Bürger im Foyer des Rathauses nicht nur den Entwurf der Wohnbaugenossenschaft betrachten, sondern zusätzlich drei weitere Konzepte, die von der Jury bewertet wurden. Diese kamen von der Geislinger Firma Bauprojekta aus Binsdorf, von der Denkinger Gmbh aus Jungingen und von der Jetter Gebäudebau GmbH aus Rosenfeld. Einige Interessierte waren im Rathaus, um sich ein Bild der verschiedenen Modelle zu machen.
Meinungsbild: Das sagen die Gemeinderatsfraktionen zum Siegerentwurf
Letztlich entscheidet der Gemeinderat über die Bebauung des Strasser-Areals. Deswegen fragten wir im Frühjahr die Fraktionen an, wie sie eigentlich zu den Bebauungsplänen stehen. Die Antworten zeigten, dass das Projekt durchaus umstritten ist unter den Ratsmitgliedern. Aus unserer Umfrage und weiteren Diskussionsrunden in Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen wurde deutlich, dass Grüne, Freie Wähler, CDU und AfD den Siegerentwurf grundsätzlich befürworten.
SPD und vor allem die FDP hingegen positionieren sich klar gegen diese Art Bebauung. Vor allem der FDP-Fraktionschef Dietmar Foth wurde in den vergangenen Monaten nicht müde, seine ablehnenden Haltung kundzutun und sprach unter anderem von einem „völlig enttäuschenden Vorschlag“.
Informationsabend in der Stadthalle
Ende April lud die Stadtverwaltung alle Bürger in die Stadthalle zu einem Informationsabend ein, um noch mal über die Bebauungspläne zu informieren. OB Dirk Abel, der sich klar für das Projekt ausspricht, saß mit weiteren Verwaltungsmitarbeitern auf dem Podium und hörte sich die Sorgen und Anmerkungen einiger Bürger an. Unter anderem äußerten sich Ex-Stadtrat Werner Erbe und TSG-Vorstandsmitglied Werner Jessen.
Auswertung der Bürgerumfrage
Die Bürger in Balingen konnten an einer Umfrage mitmachen und sich zur Bebauung des Strasser-Areals äußern. Das Ergebnis wurde Ende Mai vorgestellt. Zu dieser Zeit hatten sich 455 Personen beteiligt. 243 Personen hielten damals eine Bebauung des Areals nicht für angemessen. Demnach sei es vielen Bürgern wichtig, den Platz weiterhin für kulturelle Veranstaltungen, Märkte, Feste und Treffen nutzen zu können. Viele äußerten Zweifel, dass dies mit einer teilweisen Bebauung noch gewährleistet werden kann.
Entscheidung des Gemeinderats und Ausblick
In der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause im Juli wurde über die weitere Vorgehensweise abgestimmt. Fest steht: Der Siegerentwurf der Balinger Wohnbaugenossenschaft wird weiterverfolgt. Von der Wohnbaugenossenschaft wird erwartet, dass das geplante Nutzungskonzept für die beabsichtigten gewerblichen Nutzungen in der Erdgeschosszone weitergehend konkretisiert und deren Umsetzbarkeit verlässlich nachgewiesen wird. Die Wohnbaugenossenschaft hat nun Zeit bis Jahresende, dem Gremium weitere Ergebnisse und Konkretisierungen zu liefern. Bis dahin wird dem Investor die Option zum Erwerb der Baufläche an der Eyach offengehalten. Kostenpunkt 1,6 Millionen Euro. Bis dahin dürfte in der Causa Plaza erst einmal wieder Ruhe einkehren.