Gemeckert über Zustände, die nicht gefallen, ist schnell getan. Doch wenn es darum geht, etwas zu verbessern, ziehen sich viele zurück. Nicht so vier Marbacher Bürger.
Sie setzen sich dafür ein, den Verkehr im Ort mit Tempo 30-Zonen für alle erträglicher zu machen, um Gefährdung, Lärmbelästigung und Emissionen zu reduzieren.
Ulrich Förderer, Walter Schütz und das Ehepaar Kirstin Holst und David Krügel-Holst haben sich intensiv mit dem stark zunehmenden Straßenverkehr beschäftigt, der täglich durch Marbach rollt. Ihnen liegt sehr am Herzen, dass durchgehende Tempo-30-Zonen eingeführt werden für eine spürbare Verbesserung, für vor allem Fußgänger und Radfahrer.
Ulrich Förderer, passionierter Radfahrer, blickt zurück: 2017 wurden in der Ortsmitte die beiden Kreisverkehre eingerichtet. „Die Realität wurde ausgeblendet, es kam anders als erwartet“, so sieht es Förderer. Der Platz sei zu klein, zu schnell fahren die Autos von Brigachtal kommend in den Ort.
Weil Lastwagen wegen ihrer Länge über die Kreisel fahren müssen, wurden diese recht niedrig gehalten. Immer wieder werde beobachtet, dass auch Autos über die Kreisel fahren, vermutlich um Zeit einzusparen.
Für Radfahrer gefährlich
Besonders für Radfahrer habe es zahlreiche brenzliche Situationen gegeben. „Ich lag mit meinem Fahrrad auch schon vor einem Auto“, berichtet Förderer. Ihm sei nichts passiert, doch ein Bekannter, dem es vor einigen Jahren ebenso erging, leide heute noch unter körperlicher Behinderung.
Eine kurze Zeitspanne lang habe Förderer notiert, wie oft Radlern an den Kreiseln die Vorfahrt genommen wurden, nach zehn Fällen habe er aufgehört zu zählen, er ist jedoch sicher, dass es 20 bis 30 waren, denn es würden täglich einige Hundert Personen durch Marbach radeln. „Nichts zu machen“ sei die Antwort zu seiner Anregung zu einer Tempo-30-Zone gewesen.
„300 Meter sollten es sein“
Das Ergebnis einer kleinen Verkehrskommission sei niederschmetternd. Die geplante Tempo-30-Zone mit einer Länge von 100 Metern sei keine Lösung, so sind sich die Befürworter einig. Es sollten mindestens 300 Meter sein, was an dieser Stelle durchaus machbar sei. Möglich müsse es auch sein, in allen Durchgangsstraßen jeweils bis zum Ortsausgang Tempo 30 einzurichten.
Ein Zeitverlust durch Tempo 30 sei nur minimal. Selbst ein Bus des öffentlichen Personennahverkehrs würde bei seiner Fahrt durch den Ort 30 Sekunden später an sein geplantes Ziel gelangen.
Kirstin Holst hat sich mit den entsprechenden Statistiken beschäftigt. Bei reduzierter Geschwindigkeit habe es bei Autos 40 Prozent weniger Unfälle gegeben, bei Radlern und Fußgängern 60 Prozent weniger. Bei Tempo 30 würde sich der Lärmpegel um 50 bis 60 Prozent verringern, auch etwas geringer sogar bei Elektro-Autos.
„Ellenbogen-Mentalität“
„Die Ellenbogen-Mentalität sowie die Rücksichtslosigkeit haben zugenommen, aber auch bei manchen Radfahrern“, so die Erfahrung der vier Initiatoren. Ihr nächstes Ziel ist es nun, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger auf die prekäre Verkehrssituation aufmerksam zu machen. Gehofft wird, ebenso die Mitglieder des Ortschaftsrates zu überzeugen, damit das Thema Verkehr demnächst auf die Tagesordnung der Ortschaftsratssitzung kommt. So bestehe die Hoffnung, dass die 2028 geplante Große Kommission früher stattfinden wird.
Termin am Donnerstag
Zur Gründung einer Interessengemeinschaft zwecks Verkehrsberuhigung auf Marbachs Durchfahrtsstraße wird am Donnerstag, 16. April, eingeladen. Beginn ist um 19 Uhr im Rathaussaal in Marbach.