An verschiedenen Stellen soll in Blumberg für mehr Lärmschutz gesorgt werden, so wie hier am Randen. Im Gespräch sind Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen, eine Verkehrsinsel oder die Beseitigung des Pflasterbelags an einer Bushaltestelle. Foto: Hahn

Für viele Anwohner ist Straßenlärm ein ständiges Ärgernis. Der Blumberger Gemeinderat hatte im Januar 2017 den ersten kommunalen Lärmaktionsplan beschlossen.

Blumberg - Die Stadt ist nun nach Veröffentlichung der landesweiten Lärmkartierung Stufe drei (Dezember 2018) verpflichtet, ihren kommunalen Lärmaktionsplan zu überprüfen und fortzuschreiben. Die Verwaltung mache sich viele Gedanken über das Thema, erklärte Bürgermeister Markus Keller in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Oft seien die Vorschläge an der Verkehrsbehörde gescheitert.

Tempo 30 als Ziel

Einige Zuhörer aus Zollhaus folgten interessiert den Ausführungen des Referenten Wolfgang Wahl vom Verkehrsplanungsbüro aus Freiburg. Bislang hatten die Bemühungen um die Einführung von Tempo 30 fast keinen Erfolg, sagte Wahl. Für eine Umsetzung sei eine lärmbedingte Gefahrenlage erforderlich. Der bisherige Lärmaktionsplan Stufe zwei entspräche in fachlicher Hinsicht nicht den Erfordernissen. Ein neues Rechtsurteil würde mehr Handlungsspielraum geben. Ab einem Lärmpegel von 65 oder 70 Dezibel müsse etwas geschehen. Viele Straßen in Blumberg liegen deutlich über den Grenzwerten. Ortsdurchfahrten auf 30 Stundenkilometer zu beschränken sei ein nützliches Ziel. Die Fortschreibung des aktuellen Lärmaktionsplanes erfolge wahrscheinlich Mitte 2022. Die Rahmenbedingungen seien im Fluss, ergänzte Markus Keller. Das Regierungspräsidium solle trotz Personalmangel die Randenumgehung mit Hochdruck angehen. Die Planung für die Zollhausumgehung müsse endlich anlaufen. Vertreter des Regierungspräsidiums sollen in den Gemeinderat eingeladen werden.

Horst Fürderer (CDU) möchte den Hebel zur Lärmbekämpfung bei den Lastwagen-Motoren ansetzen, da er mit zunehmender E-Mobilität rechne. Der Lärm sei bei Elektroautos ab Tempo 30 wegen der Fahrgeräusche gleich wie bei den anderen Fahrzeugen, erwiderte Wahl. Werner Waimer (FDP) beklagte, dass die Anwohner der Bundesstraße 27 in der Frühe vom Verkehrslärm geweckt würden. Die Tatsache, dass keine messbaren Verbesserungen zu erkennen seien, führe zur Resignation. Christof Rösch (CDU) sagte, ohne Überwachung nützten die Geschwindigkeitsbeschränkungen nichts. Bei den Lärmberechnungen würden die illegalen Auspuffanlagen an manchen Fahrzeugen nicht auffallen.

Für Stadtrat Hermann Zorbach sind Kontrollen ebenfalls wichtig. Die aufgestellten Smiley-Anlagen würden helfen. Uschi Pfeiffer (SPD) brachte die Umweltbelastung durch längere Staus ins Spiel.

Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit

Der Rat nahm den Bericht zur Kenntnis und beauftragte die Verwaltung mit der Rapp Trans AG, das vereinfachte Verfahren (Stufe drei) des Lärmaktionsplanes zu bearbeiten. Lärmminderungsmaßnahmen aus dem Plan sind die Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit 500 Meter außerhalb der Ortschaften auf 70/50 Kilometer pro Stunde, Tempo 30 in der Hauptstraße auf der gesamten Länge, in der Schaffhauser Straße (Teilabschnitt), in der Höhenstraße (Randen) und in der Ortsdurchfahrt Kommingen. Dazu kommen die Anpassung des Straßenquerschnittes im Bereich der Ortseinfahrt von Kommingen, etwa durch eine Verkehrsinsel, die Beseitigung des Pflasterbelags an der Bushaltestelle in Epfenhofenm sowie die Überprüfung und Versetzung der Ortseingangsschilder nach außen zur Temporeduzierung der Autos.

Die Anzahl der Betroffenheit oberhalb der Auslösewerte 65/55 Dezibel und der Pflichtwerte 70/60 Dezibel ganztags/nachts ist hoch, sodass Lärmminderungsmaßnahmen dringend notwendig sind. Die Umsetzung der im ersten Lärmaktionsplan der Stadt Blumberg beschlossenen Maßnahmen wird grundsätzlich weiterhin angestrebt. Einzelne Maßnahmen aus verkehrsrechtlicher Sicht sind nicht umsetzbar. Die Bearbeitung eines qualifizierten Lärmaktionsplans einschließlich der gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung der Öffentlichkeit dauert rund eineinhalb Jahre. Im Sommer 2022 soll die landesweite Lärmkartierung der Stufe vier vorliegen. Dann sind die Kommunen zur Fortschreibung ihrer Lärmaktionspläne verpflichtet.