Altensteig feierte sein 22. Internationales Straßenfest – ein Tag voller Musik, Düfte und Begegnungen. Ein Fest, das zeigte, wie nah die Ferne sein kann.
Wer am Sonntag über den Altensteiger Marktplatz lief, spürte sofort den Pulsschlag: Um 11 Uhr eröffneten Glocken und ein ökumenischer Gottesdienst den Tag, das deutsch-französische Blasorchester aus Bourg-Saint-Maurice setzte den feierlichen Rahmen.
Ab 12.30 Uhr wurde der Rathausplatz zur Bühne der Kontinente: Kolumbianische Röcke wirbelten, koreanische Rhythmen bebten, albanische und rumänische Tänze spannten Bögen von Balkan bis Karpaten. Irische Stepptänzer stampften den Takt, Chöre ließen Stimmen fliegen, die Fire Hearts heizten mit glühenden Moves ein. Höhepunkt: die Trommler von Akarranga aus Burundi, deren Rhythmus selbst durch den Regen drang – kraftvoll, ungebrochen, voller Leidenschaft.
Düfte wie eine Weltreise
Zwischen Bühne und Rathaus spannte sich ein Teppich aus Aromen: schwäbische Maultaschen neben Roter und Currywurst, orientalische Pfannen neben Steak und Kartoffeln. Am Stand des Kultur- und Bildungsvereins stapelten sich Tantuni. „Wir haben 20 Kilo Fleisch verkauft – das zeigt, wie sehr Essen verbindet“, freute sich Selahattin Bilgen, während er Schwarztee einschenkte. „Genau dafür sind wir hier: Kulturen begegnen sich am Tisch, im Gespräch, im Genießen.“Und rundherum: libanesische Falafel, griechisches Souvlaki, portugiesische Sardinen, südamerikanische Empanadas, spanische Churros – ein Schlemmerbogen von der Alb bis an die Anden.
Auch Kunst fand ihren Platz: Am Stand von Marisol Ipaz funkelten Ketten, Federn und Traumfänger – Naturmaterialien aus Ecuador, Nepal und Peru, zu Schmuck verwoben. „Ich verband Kulturen in meinen Stücken. Viele nahmen ein kleines Andenken mit“, erzählte sie zufrieden.
Familienfest mit Herz
Für Familien war es ein Paradies: Das Karussell der Schausteller Schubert drehte Runden, die „Süße Hütte“ lockte mit Mandeln und Zuckerwatte. Kinder schminkten Gesichter bunt, bastelten Buttons, malten T-Shirts. Wer Ruhe suchte, fand sie in der Fotoausstellung im Alten Schloss oder in der Kunsthalle. Und weil verkaufsoffener Sonntag war, luden Geschäfte mit Rabatten, Weinproben und kleinen Aktionen zum Bummeln.
Nicht alles blieb sonnig: Am Nachmittag kühlte Regen den Platz herab, viele gingen, doch die, die blieben, erlebten viel. Bauchtänzerinnen ließen Perlen auf Kostümen funkeln, die Trommler von Akarranga spielten sich gegen das Grau frei. „Das war das Schöne“, sagte INKA-Gründungsmitglied Martin Spreng. „Alle freuten sich miteinander – auch im Regen.“
Im Hintergrund koordinierte das Kulturamt mit Christa Haizmann, Mitorganisator war der Internationale Arbeitskreis INKA, der Getränke verkaufte und Brücken schlug. „Dieses Fest zeigt, dass Altensteiger und Menschen mit Migrationsgeschichte gemeinsam feiern, lachen und ihre Heimat vorstellen dürfen“, so Jutta Herzog-Brake. Bernhard Utters zog trotz Schauer ein positives Fazit: „Ich hatte sogar den Eindruck, dass diesmal mehr Besucher da waren als früher – vielleicht auch durch unsere Gäste aus Frankreich.“
Am Ende blieb ein Gefühl, das größer war als jede Regenwolke: Altensteig konnte Welt im Kleinen. Ein Marktplatz, der roch wie ein Basar, klang wie ein Festival und aussah wie ein Regenbogen. Ein Fest, das Brücken schlug – von Teller zu Teller, von Takt zu Takt, von Mensch zu Mensch.