Die Panoramastraße: Der brandneu verlegte Asphalt ist schon wieder aufgerissen. Die Anwohner spekulieren über Baupfusch. Dabei ist die Telekom verantwortlich. Foto: Schülke

OB Peter Rosenberger (CDU) kündigt Regressforderung an: Die Telekom hat ohne Genehmigung den neuen Asphalt wieder aufgerissen. Ging es nur um Reparaturen am veralteten Kupfernetz für das Internet?

Das ist gar nicht (tele)-komisch. Die Telekom hat einfach die fertige Panoramastraße ohne Genehmigung wieder aufreißen lassen.

 

Ende September wurde die fertige Panoramastraße wieder für den Anliegerverkehr freigegeben, schreibt das Rathaus. Sprecherin Inge Weber: „Leider musste die Stadtverwaltung kurz darauf feststellen, dass die Straße keine zwei Wochen später durch eine ungenehmigte Aufgrabung der Deutschen Telekom Technik in einem Randbereich der Straße wieder aufgerissen wurde. Diese Maßnahme erfolgte ohne Genehmigung und ohne Wissen der Stadt Horb am Neckar.“

OB Peter Rosenberger (CDU): „Es kann nicht sein, das eine neu gebaute Straße wieder aufgemacht wird.“

Grund war wohl eine Störung im Netz der Telekom, so die Pressemitteilung: „Die Störung, die zu dieser Aufgrabung führte, konnte noch am selben Tag behoben werden. Die Neuasphaltierung steht jedoch noch aus, ebenso wie die Reparatur einer Stelle im Gehweg, die bereits vor Abschluss der Bauarbeiten behoben wurde. Die Stadtverwaltung hat das von der Telekom beauftragte Unternehmern angewiesen, den Straßenaufbau kurzfristig und fachgerecht wiederherzustellen.“

Auch der Gehweg wurde aufgerissen. Foto: Schülke

Verklagt das Rathaus jetzt die Telekom?

Rathaussprecherin Weber: „Die Stadt Horb prüft derzeit Regressansprüche gegen die Deutsche Telekom Technik wegen der ungenehmigten Grabungsarbeiten.“

Die Straße ist wohl noch offen, so schreibt das Rathaus: „Die Neuasphaltierung steht jedoch noch aus, ebenso wie die Reparatur einer Stelle im Gehweg, die bereits vor Abschluss der Bauarbeiten behoben wurde. Die Stadtverwaltung hat das von der Telekom beauftragte Unternehmern angewiesen, den Straßenaufbau kurzfristig und fachgerecht wiederherzustellen.“

Diese Redaktion hat die Deutsche Telekom um Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss kam keine Antwort.

Anwohner der Panoramastraße glaubten an Baupfusch

Das Aufreißen der Straße nach der Fertigstellung führte dazu, dass die Anwohner offenbar Baupfusch befürchten. Das Rathaus schreibt: „Bei der Firma Lupold Straßen- und Tiefbau GmbH, die den Ausbau der Panoramastraße durchführt, sind mehrfach Beschwerden eingegangen, weil fälschlicherweise angenommen wurde, dass die derzeitigen Aufgrabungen auf angebliche „Schlechtleistungen“ dieser Firma zurückzuführen seien.“ Das stimmt nicht.

Alles nur wegen veralteter Kupferkabel?

Kurios: Während Horber mit einem Vorvertrag bei der Deutschen Glasfaser darauf hoffen, dass diese Firma ihr Versprechen einlöst, hat die Telekom offenbar fast nur ihre alten Kupferleitungen in der Panoramastraße repariert.

Das Rathaus schreibt: „Beim Ausbau der Panoramastraße wurde die Deutsche Telekom angefragt und hatte die Möglichkeit, ihre alten technischen Standards zu erneuern. Die Telekom entschied sich jedoch, den Ausbau nur in Teilbereichen durchzuführen. Ein Großteil der vorhandenen Kupferleitungen verblieb im Bestand unter dem neuen Straßenaufbau. Trotz mehrfacher Störungen während der Bauzeit und der Feststellung von Minderüberdeckungen beschränkte sich die Deutsche Telekom auf punktuelle Reparaturen, anstatt die alten Leitungen flächendeckend auszutauschen. Es ist bekannt, dass es Pläne der EU-Kommission gibt, Kupfernetze bis 2030 europaweit abzuschalten. Die Umstellung auf Glasfaserkabel ist jedoch derzeit im Telekommunikationsgesetz nicht vorgeschrieben.“

Rathaus hat Glasfaser-Leerrohre verlegt

Die Stadtwerke dagegen haben bei den Bauarbeiten an der Panoramastraße gleich Leerrohre für Glasfaser verlegt. Sprecherin Weber: „Die Stadt Horb hat im Rahmen des Vollausbaus eine moderne Glasfaserinfrastruktur mitverlegt. Ziel ist es, einen Provider zu finden, der die Glasfaserleitungen mit aktiver Technik versorgt.“

Das könnte die Deutsche Glasfaser sein. Die hatte zuletzt verkündet, mit der Stadt Horb über eine Kooperation zu sprechen, damit der eigenwirtschaftliche Ausbau der Firma durchgeführt werden kann.

Wo liegt sonst noch Glasfaser für schnelles Internet in Horb?

Rathaussprecherin Weber: „Die Stadt Horb hat im Rahmen von Sanierungs- oder Erschließungsmaßnahmen in einigen Straßen und Baugebieten der Horber Stadtteile Breitbandinfrastruktur (Leerrohre, POPs) verlegen lassen und verpachtet diese an Anbieter wie HorbNet/brain4Kkom (jetzt Stiegeler). Brain4kom/Stiegeler hatte im Rahmen des Markterkundungsverfahrens Interesse für die Stadtteile von Horb bekundet, in denen das Unternehmen bereits vertreten ist, was auch wirtschaftlich nachvollziehbar ist.“

Glasfaser-Ausbau Mühlen startet im neuen Jahr

Stiegeler hatte angekündigt, in Mühlen im Oktober mit dem Glasfaserausbau zu starten. Ortsvorsteher Michael Eitelbuß: „Das Projekt wurde im Ortschaftsrat vorgestellt – mit Details zur Baustelleneinrichtung. Der eigentliche Ausbau soll wohl jetzt im Frühjahr starten.“

Die Deutsche Glasfaser hatte intensiv geworben, aber ihr selbst gesetztes Ziel von 33 Prozent an Vorverträgen mit Eigentümern in Altheim, Bildechingen, Dettensee, Dettingen, Grünmettstetten, Horb, Ihlingen, Nordstetten und Rexingen verfehlt. Zuletzt hatte die Firma angekündigt, Kooperationsgespräche mit der Stadt zu führen.

Rathaussprecherin Weber: „ Selbstverständlich ist die Stadt daran interessiert, die vorhandene städtische Infrastruktur auch tatsächlich dem Markt für mögliche Betreiber zur Verfügung zu stellen.“ In der Panoramastraße liegen dafür jetzt schon die Leerrohre.