Ein mobiles Klohäuschen dient dem Theater Lokstoff als Bühne in „Ich bin dein Labyrinth“. Foto: Lokstoff

Das Theater Lokstoff hat „Ich bin dein Labyrinth“ aufgeführt, eine „promenadologischen Theaterperformance“ im Stuttgarter Gerichtsviertel.

Man stelle sich vor: Da steht eine Dame mit Brautkleid im Dixieklo, nippt am Prosecco aus der Dose und erzählt vom Bräutigam, der ihr fehlt, den sie sucht, der nichts als ein Traum ist, ein Versprechen. So gerne, sagt sie, hätte sie einen Astronauten geheiratet, denn Astronauten sind feine Menschen. Und prompt kommt ein Astronaut um die Ecke, in voller Montur, mit Helm und Anzug, schwitzt dabei mutmaßlich sehr in der Sonne, die am frühen Freitagabend aufs Stuttgarter Gerichtsviertel fällt.

 

„Follow the Astronaut“ – dieser Anweisung folgt das Publikum beim Auftritt der freien Theatergruppe Lokstoff. „Ich bin dein Labyrinth“ heißt die „promenadologische Theaterperformance“. Sie führt in den „Weltenraum der Stadt“, sie zeigt den Menschen, labyrinthisch in sich selbst, verloren in einem größeren Labyrinth.

Eine Braut und ein Mörder auf dem stillen Örtchen

In der Moserstraße werden rund 40 Zuschauer von Theatermachern ausgerüstet mit Kopfhörern und, für alle Fälle, Regencapes. Nun geht es los. Man steuert über wenige hundert Meter hinweg Zeitgenossen an, die, in der Stadt und in sich versponnen, auf dem transportablen stillen Örtchen sitzen und monologisieren. Da ist die Braut, traurig und enthusiastisch; da ist der Familienvater, der die Toilette als Rückzugsort so nötig hat; da ist die Managerin, die nicht mehr managen will; da ist der ältere Herr, der über seinen früheren Partner nachdenkt, den er mittels eines vergifteten Kuchens ins Jenseits beförderte. Stadtschicksale, wirr und hoffnungsvoll, aber kaum glücklich.

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Unter der Regie von Wilhelm Schneck spielen Hannah Jasna Hess, Kathrin Hildebrand, Nathanael Lienhard, Bernardo San Rafael und Sebastian Schäfer die Verlorenen und den Astronauten. Dieser, Metapher für Befremden, Neugier und Distanz, vervielfältigt sich am Ende dieses anregenden Spaziergangs: Vor der Staatsgalerie, mit Blick auf die Oper, strömen plötzlich aus allen Richtungen Raumfahrer zusammen und stehen rätselhaft in der Sonne.

Weitere Termine: 1., 2., 23., 24. Juni, 15., 16. Juli, 16., 17. September. Jeweils 19 Uhr.