Vor allem in Straßberg und Veringenstadt war die Lage am Wochenende richtig ernst.
Straßberg/Obernheim/Veringenstadt - Nicht mal die Älteren können sich erinnern, ein derartiges Hochwasser erlebt zu haben, wie es am Wochenende mehrere Orte rund um Albstadt getroffen hat. Besonders schlimm war die Lage in Veringenstadt – dort wurden Häuser evakuiert.
War der Freitag schon heftig, so legte das Hochwasser am Samstag erst richtig los. Ab 16 Uhr stieg der Wasserpegel in Straßberg ununterbrochen und mit einer Geschwindigkeit, die vor allem die Anlieger der Schmeie in Angst und Schrecken versetzte. Die Straßberger Feuerwehr leistete Übermenschliches, konnte der Lage aber nicht alleine Herr werden. So waren die Feuerwehren aus Winterlingen, Heinstetten, Benzingen und sogar eine Abteilung aus Konstanz wertvolle Helfer im Kampf gegen die Wassermassen.
Mit Dämmen aus Sandsäcken, zuletzt verstärkt mit Schotter, versuchten die Retter, das Wasser von den Häusern fernzuhalten. Trotzdem mussten viele Keller leer gepumpt werden. Dramatisch war die Lage an der Straßberger Sonnen- und der Leiboldsbrücke, die fast gänzlich unterspült waren. Erst ab 4 Uhr am Sonntagmorgen gab es leichte Entwarnung.
Das Rückhaltebecken Nummer eins ist voll
Der kleine Kohlstattbrunnenbach auf dem Heuberg lieferte am Wochenende jede Menge Wasser in das Hochwasserrückhaltebecken Nummer eins, den Oberdigisheimer Stausee, der bis fast zum Rand gefüllt ist. Auch dort waren die Feuerwehrleute ständig in Alarmbereitschaft, denn der Abfluss wurde zwar fachmännisch geregelt, doch das Wasser konnte zu jeder Zeit über die Ufer des Kohlstattbrunnenbachs treten.
Auch der künstlich angelegte Harras-See zwischen Obernheim und dem Wehinger Ortsteil Harras war gefüllt und trug zu Überflutungen der Wiesen zwischen Reichenbach und Egesheim bei.
Dramatisch war die Lage im Laucherttal bei Veringenstadt, wo etwa 420 Rettungskräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DRK und Polizei seit den frühen Morgenstunden des Samstags im Hochwassereinsatz waren. Weil sich gegen Mittag abzeichnete, dass die Lauchert die Altstadt überfluten wird, wurden im Gemeindesaal des flussabwärts gelegenen Ortsteils Veringendorf etwa 70 Notunterkünfte eingerichtet. Gegen 14 Uhr informierte die Polizei die Anwohner mit Lautsprecherdurchsagen über die Möglichkeit einer Evakuierung, und ab 15 Uhr suchten Polizeibeamte in Begleitung von Notfallseelsorgern die Anwohner der Altstadt auf, um sie über die Lage zu informieren. Nach Polizeiangaben erklärten alle Anwohner zunächst, dass sie ihre Häuser nicht verlassen wollen. Weil der Pegel weiter stieg, verließen sechs Personen schließlich doch ihre Häuser.
Bis zu 15 Personen suchten die Notunterkunft in Veringendorf auf, wo sie von den Hilfskräften mit warmem Essen und Getränken versorgt wurden.
Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW füllten auch gestern noch pausenlos Sandsäcke ab und stellten sie Bewohnern im gefährdeten Gebiet zur Verfügung. Zahlreiche Gebäudekeller wurden komplett überflutet. Das THW sicherte gefährdete Heilöltanks und pumpte Wasser aus den Kellern. Ein 26-jähriger Mann wurde durch einen Stromschlag verletzt, als er eine Wasserpumpe in Betrieb nehmen wollte. Er wurde ins Krankenhaus Sigmaringen eingeliefert.
Das Wasser floss freilich nur langsam ab, denn die Lauchert konnte die Massen nicht mehr aufnehmen. "Das ist das schlimmste Hochwasser, das die Stadt je getroffen hat", kommentierte ein Feuerwehrmann die Fluten, und auch Kreisbrandmeister Michael Hack sprach von einem Jahrhunderthochwasser. u Zollernalb-Bote u Hintergrund