Kein Bordell, sondern erotische Massagen: Beides ist in Straßberg nicht gestattet. (Symbolfoto) Foto: Boyloso/ Shutterstock

Bürgermeister und Staatsanwaltschaft erklären, wie es zur Aufdeckung der illegalen Prostitution kam.

Straßberg - Nachdem in Straßberg eine Wohnung durchsucht wurde, stand die Frage im Raum, ob ein illegales Bordell enttarnt wurde. Bürgermeister Markus Zeiser sagt nein - es habe sich jedoch um "erotische Massagen" gehandelt.

Im Gespräch mit schwarzwaelder-bote.de erklärt Bürgermeister Markus Zeiser: "Das betroffene Gebäude wurde vor etwa zwei Monaten verkauft." Etwa zwei Wochen, nachdem die neuen Eigentümer eingezogen waren, hätten sich Nachbarn beschwert: "Autos mit fremden Kennzeichen und meistens Männer" machten vor dem Gebäude Halt  - zu jeder Tageszeit. Bei der Gemeindeverwaltung sei man daraufhin hellhörig geworden: Nachdem mehrere Nachbarn gegenüber dem Schultes die Befürchtung geäußert hatten, dass es sich um illegalen Rotlichtmilieus handeln könnte, hatte sich Zeiser an die Polizei gewandt. 

Nach längeren Ermittlungen und Observationen vor Ort ging die Polizei  von einem gewerblichen Betrieb aus, in dem sich drei Frauen aus Osteuropa prostituierten. In Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei und in Anwesenheit des Bürgermeisters war das Gebäude Mitte Mai durchsucht worden. Vier Personen befanden sich zu dem Zeitpunkt darin: die drei Frauen sowie ein Deutscher. Wie Staatsanwalt Markus Engel bestätigt, wird gegen die drei Frauen wegen Ausübung verbotener Prostitution, gegen den Mann wegen Beihilfe ermittelt. 

Warum ist Prostitution in Straßberg verboten?

Zeiser weiß, was die vier zu erwarten haben: Bisher sei die Rede von "180 Tagessätzen, je nach Einkommen" gewesen. Laut Polizeipräsidium Tuttlingen ist auch eine Freiheitsstrafe möglich: Gemäß Paragraf 184f StGB - Ausübung verbotener Prostitution - seien bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe möglich. Laut Zeiser steht außerdem eine Abschiebung der drei Frauen im Raum. Ob es wirklich dazu kommt, hänge an der Ausländerbehörde des Landratsamtes, erklärt Engel. 

Warum ist Prostitution in Straßberg verboten? Im Prostituiertenschutzgesetz wird genau geregelt, wer einen Betrieb in diesem Gewerbe aufmachen darf und wo. Städte und Gemeinden mit weniger als 35.000 Einwohnern sind generell Sperrbezirk  - "und davon sind wir weit weg", erklärt Zeiser. Straßberg hat aktuell rund 2500 Einwohner. In kleinen Dörfern oder Gemeinden sei es aber deutlich schwerer, mit einem solchen Betrieb Fuß zu fassen, weiß der Schultes. Dennoch hätten in Straßberg nur eine Handvoll Bürger etwas davon gewusst. Diese habe die Gemeindeverwaltung ausdrücklich um Diskretion gebeten - auch aufgrund der laufenden Ermittlungen. 

Via Internet Werbung machen für einen illegalen Betrieb im Rotlichtmilieu ist dementsprechend nicht einfach: Die Bande habe eine Internetseite erstellt, auf der sie für erotische Massagen in Bad Saulgau und Albstadt geworben habe, erklät der Bürgermeister. In beiden Städten dürfe jedoch kein Bordell oder dergleichen betrieben werden: Bad Saulgau liegt ebenfalls weit unter der Einwohnermarke und Albstadt wurde vor einigen Jahren vom Regierungspräsidium zum Sperrbezirk erklärt. Wer sich für das Angebot interessierte, wurde nach Straßberg gelotst. Bisher habe es das "zum Glück noch nie in Straßberg gegeben", so Zeiser.
 

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