Am Schwarzwald-Baar-Klinikum in VS wurde ein Erweiterungsbau eingeweiht. Drin steht der nunmehr dritte Linearbeschleuniger, der für die Bestrahlung zum Einsatz kommt.
„Die Erfolgsstory“ – so nennt Stephan Mose jene Geschichte der Radiotherapie im Schwarzwald-Baar-Klinikum, die als tragende Säule in der Tumortherapie gilt. Sie wurde bereits in den 1980er-Jahren begonnen und seither kontinuierlich fortgesetzt.
Der Professor, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie und Facharzt für Strahlentherapie, ist sich sicher: Mit der jetzigen Neuerung, die unmittelbar vor dem Patientenbetrieb steht, wurde das nächste erfolgreiche Kapitel aufgeschlagen.
Damit der nun dritte Linearbeschleuniger zum Einsatz kommen kann, wurde ein Erweiterungsbau erstellt. Vor 16 Monaten erlebte dieser seinen Spatenstich. Gebaut wurde er von der oberpfälzischen Fachfirma Pravida, die sich auf die Planung und Errichtung von Strahlenschutzbauten für medizinische und industrielle Anwendungen spezialisiert hat.
Im September 2025 wurde dann der Beschleuniger mittels mehrerer großer Lastwagen angeliefert.
Ein tonnenschweres Gerät
Über zwei Tage hinweg luden Experten die empfindlichen Teile des Linearbeschleunigers aus und installierten das tonnenschwere Gerät in den Räumlichkeiten des zusätzlichen Strahlenbunkers. Seither wurde die Apparatur startklar gemacht.
Zwölf Millionen investiert
„Jetzt freuen wir uns, dass wir starten können“, sagte Klinik-Geschäftsführer Matthias Geiser bei der Einweihung.
In der kommenden oder spätestens nächsten Woche soll der Patientenbetrieb starten. In den nun eingeweihten Neubau investierte das Klinikum 4,5 Millionen Euro und für den Beschleuniger und zwei weitere Ersatzgeräte werden zusammen weitere circa 7,5 Millionen Euro fällig. Dass das Geld gut angelegt ist, darüber sind sich alle Beteiligten einig.
Sicherheit und Komfort
Schließlich sollen dadurch Patientensicherheit und der -komfort maßgeblich verbessert werden, etwa durch ein Gerät, das die Sicherheit bei der Patientenidentifikation erhöhen soll, eine verstärkte Schonung von Risikoorganen, die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Kontrolle des Bestrahlungsvolumens oder eine reduzierte Liegezeit auf dem Bestrahlungstisch.
Dass Bedarf besteht, zeigt die Entwicklung der Patientenzahlen: So gab es 1987, als das radioonkologische Zentrum am Klinikum als eines der ersten seiner Art eröffnet wurde, 450 Neu- oder Wiederzugänge in der Ambulanz – 2025 waren es 2227.
Die Fachleute sind zudem überzeugt: Aufgrund der Demografie, optimierter Diagnostik und zunehmend besser werdender Therapieoptionen ist in den kommenden zehn bis 20 Jahren mit einer weiteren Zunahme zu rechnen.
Die Anzahl der Patienten, die mit einer Strahlentherapie geheilt werden können, steigt nach Angaben des Klinikums. Die Methode, die selbst als vergleichsweise schonend, effizient und nebenwirkungsarm gelte, kann mit chirurgischen oder medikamentösen Verfahren kombiniert werden.
Landrat: „Wir sind schon mächtig stolz“
Laut Professor Mose sei man mit den bisher bestehenden Anlagen „an die Kapazitätsgrenze gestoßen“. Mit der jetzt implementierten neuen Technik, das betonte auch der leitende Medizinphysiker Manfred Alraun, sei man nun auf dem neuesten Stand.
Landrat Sven Hinterseh betonte seitens des Trägers und Aufsichtsrats: Angesichts der medizinischen Leistungsfähigkeit sei man „schon mächtig stolz.“
Das Onkologische Zentrum und die Fachklinik
Ein Schwerpunkt
Das Onkologische Zentrum versorgt die Landkreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen mit einer Bevölkerung von insgesamt etwa 500 000 Menschen. Die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen ist ein bedeutender Schwerpunkt im Leistungsangebot des Schwarzwald-Baar Klinikums. Die Fachklinik
Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie ist integraler Bestandteil des Zentrums. Ihre Experten bringen ihre Erfahrung in die interdisziplinären Tumorkonferenzen ein. Neben den Linearbeschleunigern verfügt die Klinik auch noch über andere, wichtige Gerätschaften wie einen Computertomographen für die Bestrahlungsplanung, ein sogenanntes Cyber Knife und etliches mehr. Die Historie
1987 wurde der erste Linearbeschleuniger installiert, 1997 folgte der zweite. 2004/2005 wurden sie durch neue Geräte ersetzt. 2013 erfolgte der Umzug in den Klinikneubau, in dem fortan zwei neue Geräte zum Einsatz kamen, die nun im Laufe des Jahres wiederum – ohne Kapazitätsverlust, weil es nun auch Gerät Nummer drei gibt -, ersetzt werden sollen, so dass dann drei neue Geräte zur Verfügung stehen, die allesamt mit neuer, optimierter Software ausgestattet sind.