Dass sie während des Besuchs der Vesperkirche am Sonntag von der Stadt Strafzettel bekamen, ärgert Autofahrer. Die Kirche gewährt während der Sozialaktion Park-Asyl.
Seit dem 1. Januar gelten in Rottenburg neue Regeln für das Parken. Noch ungewohnt dürfte für viele Rottenburger sein, dass sie samstags und sonntags nicht mehr kostenlos in der Stadt parken dürfen.
Stattdessen gilt etwa in der Zone B, die sich in der Innenstadt beispielsweise entlang des Neckars erstreckt: Täglich zwischen 8 und 19 Uhr werden für 6 Minuten Parkzeit 10 Cent fällig, ab der zweiten Stunde sind es sogar 20 Cent. Länger als zwei Stunden darf gar nicht mehr geparkt werden.
Dass das Ordnungsamt die neuen Parkregeln auch streng kontrolliert, haben Autofahrer erfahren, die am Sonntag die Vesperkirche im evangelischen Gemeindezentrum, das direkt am Neckar liegt, besucht haben.
Autofahrer schildert Erlebnis
Ein Autofahrer berichtet auf dem Facebook-Portal Dein Rottenburg: „Heute parkte ich zur Vesperkirche an den städtischen Parkplätzen gegenüber der evangelischen Kirche. Die kosten jetzt auch sonntags, und das Ordnungsamt ist schon unterwegs zum Strafzettel verteilen. Ich hatte davon nichts mitbekommen und habe, wie viele andere offensichtlich auch, im guten Glauben an das kostenlose Sonntagsparken einen Strafzettel kassiert.
Bis auf das Kleingedruckte auf dem Kassenautomat ist kein Hinweis angebracht, der mich aufmerksam gemacht hätte, dass ab nun Zahlen angesagt ist. Sehr schade, vor allem, weil viele ehrenamtlich engagierte Bürger und Besucher der Vesperkirche jetzt zahlen dürfen.“
Kaum Beschwerden beim Ordnungsamt
Die Stadt bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass an Wochenenden Mitarbeiter des Ordnungsamts unterwegs sind. Birgit Reinke, Amtsleiterin des Amts für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerengagement, sagt: „Wenn man eine Parkgebühr am Sonntag einführt, macht es nur Sinn, diese auch sonntags zu kontrollieren.“ Beschwerden zur neuen Parkordnung seien beim Ordnungsamt bislang kaum eingegangen.
Ein großes Aufkommen an parkenden Autos ist in der Kirchgasse während der drei Wochen der Vesperkirche täglich um die Mittagszeit zu beobachten. Außer auf den städtisch kontrollierten Parkplätzen nutzen Besucher der Sozialaktion jeden freien Quadratmeter auf dem Grundstück der Kirchengemeinde, um ihr Auto während des Mittagessens abzustellen. Dass einige Autos dort auch außerhalb der vorgesehenen Parkplätze stehen, stört die Kirchengemeinde nicht.
Diakonin Barbara Zaiser sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Während der Vesperkirche kann neben dem Kircheneingang geparkt werden. Wir kontrollieren nicht.“ Einzige Voraussetzung sei, dass niemand zugeparkt wird. Es seien hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter der Vesperkirche, die im Hof parken, zudem aber auch einige Besucher.
Die dreiwöchige Vesperkirche in Rottenburg setzt sich noch bis einschließlich Freitag, 13. Februar, fort.