Nicolai Jahn, Revierleiter in Calw, stellt im Gemeinderat die Kriminal- und Unfallstatistik 2023 für Schömberg vor.
Viel zu meckern hatte Nicolai Jahn nicht: Als der Leiter des Calwer Polizeireviers die Kriminalstatistik 2023 für Schömberg vorstellte, sprach er mal von einem deutlichen Rückgang, mal von einer sehr positiven Entwicklung. Ein für die Gemeinde weniger erfreuliches Thema sprachen die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung allerdings ebenfalls an: den nicht besetzten Polizeiposten.
Überblick Zunächst gab Jahn einen Überblick. 594 657 Straftaten hat die Polizei in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr verzeichnet. Das bedeutet laut dem Revierleiter einen Anstieg von 8,1 Prozent im Vergleich zu 2022. Anders im Kreis Calw: Dort sank die Zahl der Straftaten um 1,6 Prozent auf 4795. Der Landkreis sei der drittsicherste im Südwesten.
2020 und 2021 kommt es zu besonders vielen Straftaten
In Schömberg ist die Zahl der Straftaten indes noch deutlicher gefallen: um 9,2 Prozent auf 178. Die Aufklärungsquote liegt bei 62,4 Prozent. Das bedeutet im Vergleich zu 2022 einen Rückgang um 4,5 Prozent. Landkreisweit beträgt die Aufklärungsquote 66,1 Prozent (plus 1,5 Prozent im Vergleich zu 2022) und in ganz Baden-Württemberg gelang es der Polizei, 63,5 Prozent (plus 2,1) aller begangenen Straftaten aufzuklären.
Ein Blick auf die Kriminalitätsentwicklung zwischen 2014 und 2023 zeigt, dass es 2020 und 2021 in der Glücksgemeinde zu besonders vielen Straftaten gekommen ist. 2020 waren es 234, 2021 sogar 259. Immerhin: Die Aufklärungsquote lag 2021 bei 76,4 Prozent, das entspricht 198 Fällen. Besonders wenige, nämlich 107, hat die Polizei für das Jahr 2017 in ihrer Statistik erfasst. Damals wurden 79 aufgeklärt (73,8 Prozent).
Delikte Voriges Jahr ist es in Schömberg zu 26 Körperverletzungen, die der Polizei bekannt sind, gekommen. 2022 waren es lediglich 20. Allerdings zeigt der Fünf-Jahres-Vergleich, dass die Zahl der Delikte 2020 mit 36 besonders hoch war.
40 Diebstähle wurden 2023 in Schömberg begangen, im Jahr vorher waren es noch 48. Nicolai Jahn nannte dies einen deutlichen Rückgang. Außerdem berichtete er von zwei Fällen von „Wohnungseinbruchsdiebstahl“ (2022: 3, am meisten waren es im Fünf-Jahres-Vergleich 2021 mit fünf). „Auch da ist die Entwicklung sehr positiv.“
Schaden bei Enkeltrick ist groß
Dagegen wurden für 2023 39 Vermögens- und Fälschungsdelikte verzeichnet (2022: 49; 2021: 75). Dazu gehören unter anderem Straftaten wie der sogenannte Enkeltrick. „Da werden wir immer einen Fokus drauf legen, weil der Schaden so groß ist“, erklärte der Polizist.
Zuletzt waren es neun Fälle von Computerkriminalität (2022: 4), also etwa Taten, bei denen Kriminelle online Daten ausspähen. Das ist der höchste Wert seit fünf Jahren und eine Deliktsart, die landesweit stark zunahm. Unterdessen ist die Zahl der Sachbeschädigungen in der Gemeinde 2023 von zuvor 26 auf 18 gesunken (2021: 32). Die Zahl der Rauschgiftdelikte ist ebenfalls stark gesunken auf drei bekannte Fälle (2022: 9; 2023: 14).
Sogenannte Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum gab es voriges Jahr neun, zuvor waren es noch elf gewesen, 2021 sechs. Solche Straftaten haben laut Jahn „Auswirkung aufs Sicherheitsempfinden der Menschen“. Als positiv wertete er dabei, dass die Aufklärungsquote bei diesen Fällen präsidiumsweit bei 84 Prozent liege.
Zu Gewalt gegen Polizisten kam es seit 2020 jeweils zweimal, die Fälle von häuslicher Gewalt belaufen sich auf sechs 2023 und vier im Jahr davor (2021: zehn). Im gesamten Kreis Calw dagegen stieg die Zahl stark von 143 im Jahr 2022 auf dann 210. Diese spiegelt laut Jahn ein stückweit die „Aufhellung der Dunkelziffer“ – mehr Fälle werden bekannt.
Tatverdächtige Im vergangnen Jahr hat die Polizei für Straftaten in Schömberg 88 Tatverdächtige ermittelt, 55 davon waren Deutsche. Von den nicht-deutschen Tatverdächtigen handelte es sich bei dreien um Asylbewerber.
„Das ärgert mich“, sagt Bayer
FragenGemeinderat Tino Bayer (MUZ) meldete sich nach Jahns Vortrag zu Wort und berichtete, dass in der Schömberger Facebook-Gruppe immer wieder vor Blitzern gewarnt werde: „Das ärgert mich.“ Schließlich dienten die Blitzer der Unfallprävention. Könne die Polizei dies nicht „eindämmen“, wollte er von Nicolai Jahn wissen. Antwort: „Nein.“
Und Bayer hatte noch eine Frage. Er engagiert sich im Arbeitskreis Asyl und war Anfang Oktober bei einem Polizeieinsatz wegen eines psychisch auffälligen Flüchtlings im Haus Grüntal zugegen. Tino Bayer wollte wissen, ob die Einsatzkräfte schneller vor Ort gewesen wären, wenn der Schömberger Polizeiposten besetzt statt wie derzeit geschlossen wäre.
Es sei ein Trugschluss, dass ein Polizeiposten ein schnelleres Anrücken bedeute. Teils sei ein Kollege in Schömberg alleine im Dienst gewesen. Dieser hätte gar nicht rausfahren können, erklärte der Calwer Revierleiter. Und: „Es ist im Moment einfach nicht möglich, den Posten zu besetzen.“ Dafür fehlt der Polizei das Personal. Außerdem seien 2024 bis dato lediglich fünf Leute zu den zweimal pro Woche im Posten angebotenen Sprechzeiten gekommen.
Genauso oft, das berichtete Jahn auf Nachfrage von Udo Bertsch (UWV), wurde am Polizeiposten geklingelt. Die Klingel ist umgestellt auf Bad Liebenzell, in der Folge kamen Polizisten von dort angefahren. Bertsch wollte auch wissen, ob der Polizeiposten in der Glücksgemeinde irgendwann wieder besetzt wird. Zumindest im Etat sei die Besetzung vorgesehen, „aber Personal fehlt“, erklärte Jahn.