Betrüger denken sich immer fiesere Maschen aus, um an Geld zu kommen. Häufig nutzen sie das Telefon oder soziale Medien, um ihre Opfer zu erleichtern. Auch im Landkreis Calw häufen sich die Fälle. Doch mögliche Opfer können sich schützen.
Die Geschichte klingt perfide: Die Tochter habe mit dem Auto eine hochschwangere Frau überfahren. Das Baby sei tot, die verletzte Frau schwebe in Lebensgefahr und der Tochter, der Unfallverursacherin, drohe eine langjährige Haftstrafe. Außer jemand bezahle sofort knapp 40 000 Euro.
Diese Geschichte musste sich vor einigen Wochen eine Seniorin aus Calw-Heumaden am Telefon anhören.
Verzweifelte Enkelin
Bei der schluchzenden Anruferin handelte es sich angeblich um die verzweifelte Enkelin, deren Mutter den Unfall verursacht haben sollte.
Die Heumadenerin regierte richtig: Sie fiel nicht auf die Lügengeschichte herein. Statt die geforderte Summe zu beschaffen, schaltete sie die Polizei ein und ging mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit, um andere zu sensibilisieren.
Denn, so unglaublich die Geschichte klingt, sehr oft haben Telefonbetrüger mit solchen und anderen „Märchen“ Erfolg und zocken ihre Opfer ab.
Welche Maschen gibt es? Die „Tricks“ sind unterschiedlich: Mal sind es Schockanrufe, die die Betrüger tätigen, mal geben sie vor, Paypal-Mitarbeiter zu sein und eine merkwürdige Buchung beim Paypal-Konto des Angerufenen festgestellt zu haben, mal erschleicht sich ein Anrufer Zugriff auf den heimischen Computer.
Ein anderer spielt seinem Opfer über soziale Medien vor, verliebt zu sein und nimmt dieses finanziell aus. Dabei handelt es sich ums sogenannte Lovescamming.
Eines haben alle Maschen gemeinsam: Die Betrüger wollen damit an Geld oder Wertgegenstände zu kommen, erklärt Sabine Maag, Pressesprecherin im Polizeipräsidium Pforzheim. „Unter den bekannten, weil für die Täter auch lukrativen Betrugsmaschen, fallen die sogenannten Schockanrufe, falsche Polizeibeamte (oft auch in Kombination) und auch der Enkeltrick.“
Wie viele Fälle gibt es im Kreis Calw? Das lässt sich nicht sagen. Zwar werden viele Fälle öffentlich – auch die Polizei bericht in Mitteilungen immer wieder über Fälle im Landkreis –, „allerdings kann von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden, weil mittlerweile oftmals der Betrugsversuch erkannt wird und die Angerufenen auflegen“.
Andere Opfer haben weniger Glück und fallen auf die Betrüger herein. Dennoch werde „teilweise in Fällen mit hohem Schaden keine Anzeige bei der Polizei erstattet“ – weil sich die Betrogenen schämen.
„Eine signifikante Häufung für den Kreis Calw ist nicht zu verzeichnen“, erklärt Sabine Maag mit Blick auf einzelne Betrugsmaschen.
Wer ist Ziel der Betrüger? Dies sei je nach Betrugsmasche unterschiedlich. „Bei Betrugsversuchen per Telefon werden die Nummern oftmals nach dem Zufallsprinzip angerufen und es wird versucht, jemanden zu erreichen“, erklärt Maag. Generell warnt die Polizei davor, „Anrufe mit unbekannter Nummer – in der Regel auch mit ausländischer Vorwahl – anzunehmen“.
Was tun, wenn jemand einen vermeintlichen Betrüger am Telefon hat? Eine Übersicht über unterschiedliche Betrugsmaschen und Tipps, wie man sich davor schützen kann, bietet die Polizei im Internet unter www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug.
Den wichtigsten Rat gibt Polizistin Maag direkt: Wen jemand das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt bei einem Anruf, sollte er „auflegen und sich auf kein Gespräch einlassen“.
Was müssen Betrugsopfer tun? Wer merkt, dass er auf einen Betrüger hereingefallen ist, der sollte „sofort bei der nächsten Polizeidienststelle Strafanzeige erstatten oder in akuten Fällen, bei welchen die Täter vor Ort sind oder kommen wollen, die 110 wählen“. Bei Kontobewegungen müssen Betrugsopfer laut Maag so schnell als möglich die Bank oder den Zahlungsanbieter, etwa Paypal, kontaktieren.
Besteht Hoffnung, die Betrüger zu finden und sein Geld zurückzubekommen? „In vielen Fällen sitzen die Täter und auch die Konten im Ausland, was die Ermittlungen massiv erschwert“, erklärt die Pressesprecherin.
In der Regel handele es sich um professionell organisierte Banden. Theoretisch bestehe zwar Hoffnung, das Geld zurückzubekommen. In der Praxis sieht es aber eher anders aus.
Oftmals seien dabei „aufgrund des zeitlichen Aufwandes unter Beteiligung länderübergreifender Ermittlungsbehörden und Justiz viele Gelder bereits nicht mehr auffindbar“ oder sie seien weiter transferiert worden.