Pfetzer-Zunftmeister Oliver Blank (links) und Landvogt Reily Mink (rechts) mit den Geehrten Dirk Prager (Zweiter von links), Simone Lutter und Walter Benz. Foto: Bernhard Lutz

Keine Gnade gab es für die frühere Blumberger Stadträtin. Die Strafe sorgte für Aufsehen im Publikum. Der Landvogt ehrte die Pfetzer und verabschiedet sich.

Das närrische Pfetzergericht kennt keine Gnade, auch wenn es von Jahr zu Jahr noch knapper an einem Freispruch vorbeischrammt.

 

Das erfuhr am Fasnachtsdienstag die langjährige frühere Blumberger Stadträtin Ursula Pfeiffer im Gemeinschaftshaus Zollhaus, Narrennest der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen. Die Vorwürfe von Ankläger Silvio Waimer waren offensichtlich an den Haaren herbeigezogen, wie heftiges Kopfschütteln der Angeklagten und die Reaktionen des Publikums zeigen sollten.

Ganze zwei Anklagepunkte vernahm das Publikum. Zum einen, die Angeklagte, wegen ihres SPD-Parteibuchs als „rote Uschi“ tituliert, habe die Stadtkapelle Blumberg unterwandert, weil die Aktiven seit der vorletzten Gemeinderatswahl bei all ihren Auftritten rote Socken tragen würden.

Das Urteil ist besiegelt – die Angeklagte Ursula Pfeiffer ihr Fürsprech Tim Wölfle, der Vorsitzende Richter Simon Blank und Ankläger Silvio Waimer. Foto: Bernhard Lutz

Konspirative Vereinigung

Ferner die Gründung einer konspirativen, pfetzerfeindlichen Vereinigung. Sie habe sich nämlich in den Räumen eines stadtbekannten Wunderheilers mit mehreren ehemaligen Angeklagten getroffen mit dem Ziel, die Wiederaufnahme all ihrer Verfahren auf den Weg zu bringen.

Und die Angeklagte, die Gerichtsdiener Dirk Prager ins Joch geschlossenen hatte, musste sich vom Ankläger auch noch folgendes anhören: Wenn ihr Mann Roland Pfeiffer, 2009 bereits von den Narren verurteilt, bei der Vorladung gebetsmühlenartig verkündete „Die Uschi ist unschuldig, die Uschi ist unschuldig“ frage er sich ernsthaft, wo eigentlich die Söhne der Pfeiffers herkommen. Das Narrennest tobte.

Landvogt Reily Mink gratuliert der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen. Foto: Bernhard Lutz

Fürsprech Tim Wölfle konterte entsprechend: Die roten Socken habe die rote Uschi den Aktiven der Stadtkapelle geschenkt, weil der städtische Kämmerer sich geweigert habe, dem Aushängeschild der Stadt neue Socken zu finanzieren. Und zum Vorwurf Konspirative Vereinigung erklärte der Fürsprech: Rädelsführer sei neben dem Wunderheiler Bürgermeister Markus Keller, von den Pfetzern als „Ortsvorsteher des Zollhauser Teilorts Blumberg“ tituliert. Dieser Mensch habe am Neujahrsempfang doch tatsächlich lauthals lamentiert, das Pfetzergericht hätte ihn bereits 2017 freisprechen müssen.

Doch die Verteidigung nützte nichts, es gab keinen Freispruch. Zwar hatte der Vorsitzende Richter Simon Blank nach der Eröffnung durch den Pfetzer-Fanfarenzug lauthals getönt, dem Pfetzergericht werde seit Jahren völlig zu Unrecht Frauenfeindlichkeit und üble Männerwirtschaft vorgeworfen. Deshalb hätten sie nach 30 Jahren erneut eine Frau vorgeladen.

Die Angeklagte Ursula Pfeiffer kommt ins Joch, die Pfetzer kennen keine Gnade. Foto: Bernhard Lutz

Als Zunftmeister Oliver Blank eingangs aber sagte, „Uschi, für Dich tut es mir leid“, rief der früher verurteilte Obernarr Dieter Selig lautstark „Du Heuchler!“, worauf Selig einen Maulkorb erhielt, ebenso wie der lautstark kommentierende Roland Pfeiffer, Ehemann der Angeklagten Ursula Pfeiffer.

Der Urteilsspruch

Der Urteilsspruch entlarvte die Aussage des Richters als eine schnöde Behauptung. Die Begründung lautete nämlich, das Gericht habe noch nie einen Angeklagten freigesprochen, und, so wörtlich: „Nur wegen einer Frau fangen wir sicherlich nichts Neues an.“

Das Urteil: Die Angeklagte lädt eine Abordnung von Pfetzerzunft und Fanfarenzug zu einem Festmahl in einer Gaststätte ihrer Wahl ein. Und die Angeklagte sammelt reichlich Taschentücher und überreicht sie der Stadtkapelle, damit die Mitglieder ihre Tränen trocknen können, weil sie beim Umzug am Sonntag nicht an der ersten Stelle den Umzug anführen durften. Hintergrund, so war zu erfahren, sei eine Reglement-Änderung gewesen, wonach die Reihenfolge beim Umzug nach dem Eingang der Anmeldungen erfolge.

Gratulation zum Jubiläum

Landvogt Reily Mink ehrte die Pfetzerzunft nachträglich zu ihrem 75-jährigen Jubiläum voriges Jahr. Der Landvogt gratulierte Blumbergs ältester Fasnachtszunft und überreichte Zunftmeister Oliver Blank die Plakette der Narrenvereinigung Hegau-Randen mit dem Narrenschiff als Motiv.

Mink selbst befand sich auf Abschiedstour, nach 20 Jahren übergibt er sein Amt. Für die Pfetzer dankte Zunftmeister Oliver Blank dem Landvogt für seine Treue und Unterstützung und überreichte ihm einen Präsentkorb mit Habhaftem, darunter leckere Wurstprodukte aus Zollhaus.

Ehrungen

Den Minipfetzerorden
verlieh Zunftmeister Oliver Blank Jona Urbanke und Sabrina Wölfle, den Miniorden erhielt Jannis Prager, Elias Prager erhält ihn noch. Mit dem Wiebli-Orden für 25 Jahre ehrte der Zunftmeister Werner Benz. Den Verdienstorden der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee überreichte Landvogt Reily Mink an Simone Lutter für ihr zahlreiches Engagement in verschiedenen Funktionen, sowie Dirk Prager aus der Pfetzerfamilie Prager, der sich fortan als „Strompfetzer“ („Elektropfetzer“) betiteln darf.