Der Fotograf und Geowissenschaftler Christian Klepp entließ am Sonntagabend ein so beeindrucktes wie nachdenkliches Publikum aus der Neuen Tonhalle in Villingen. Foto: Birgit Heinig

Schon lange wollte Michael Hoyer, Veranstalter von story VS, Christian Klepp in die Neue Tonhalle bekommen. Jetzt klappte es – und ein ausverkaufter Saal hing ihm an den Lippen.

Anzunehmen ist, dass keiner der Zuhörer in der Neuen Tonhalle nach diesem Sonntagabend beim Zähneputzen das Wasser laufen ließ.

 

So eindrücklich hatte der Fotograf und Geowissenschaftler über das „Wunderwerk Erde“ gesprochen, das zu erhalten ein jeder auch mit Kleinigkeiten mithelfen könne.

Sein Ziel, einen „Perspektivenwechsel“ anzustoßen, hatte er damit erreicht und das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gegen Klimasünden, sondern mit seiner erklärten und mit unglaublichen Bildern dokumentierten Liebe zu einem Planeten, „der uns nicht braucht, wir ihn aber umso mehr“.

Zahlen sind das Problem

Seit 25 Jahren in der Erforschung des Klimas und der Erdsysteme tätig, dazu ein Redner, der Laien auch die komplexesten Zusammenhänge nachvollziehbar erklären kann, fesselte der Hamburger sein Publikum von Anfang an – obwohl er zuvor mit „vielen Zahlen“ gedroht hatte. Doch genau diese Zahlen sind es, die das Problem darstellen.

Genau genommen die geringe Zahl der Jahre, in der der Mensch immer mehr CO2 verursacht. „Wir verstehen Zeit nicht“, sagte der Wissenschaftler. Für die Ökosysteme auf der Erde seien 100 Jahre quasi nichts. Ihre Beeinflussung bringe sie ewig nicht aus dem Gleichgewicht, doch wenn, dann erreichen sie die Kipppunkte, vor denen die Welt momentan steht. Danach wieder ins Gleichgewicht zu kommen, sei möglich, aber daure für den Menschen unvorstellbar lang.

Steiler Anstieg

Nicht die derzeit produzierte Menge des CO2 sei besorgniserregend, sondern deren steiler Anstieg in kürzester Zeit. Die Erde habe in den 750 Millionen Jahre ihres Bestehens bereits fünf Artensterben erlebt. Zuletzt versechsfachte sich der CO2-Gehalt der Luft innerhalb von 10 000 Jahren – „abzulesen am Gestein“ – und löschte 90 Prozent aller Arten aus. Seit den erst 170 Jahren der Industrialisierung sei der Mensch um das 4,7-Fache schneller unterwegs, eine von von acht Millionen Arten gibt es schon nicht mehr.

Mit fantastischen Fotografien, tausendfach übereinandergelegt und an den schönsten Orten dieser Welt, mehrfach unter Einsatz des eigenen Lebens entstanden, begeisterte Christian Klepp sein Publikum, unter dem sich auch zwei zehnte Klassen des Romäusring-Gymnasiums befanden.

Urkruste mit dabei

Als Geologe schwärmte er vom Gestein Basalt, das im Inneren des Globus nach außen strebe und als Ozeangrund dorthin wieder zurückkehre. Der leichtere Granit bilde unsere Kontinente. Exemplare von beiden hatte Klepp dabei und sogar ein Stück Urkruste, wie es heute nur noch auf dem Mond zu finden ist.

Er nahm mit auf eine Reise durch 500 Millionen Jahre Erdgeschichte, beleuchtete am Beispiel des Grand Canyon und der Rocky Mountains den plattentektonischen Kreislauf über viele Millionen Jahre und stellte klar, dass Sibirien nordamerikanischen Ursprungs ist und das Matterhorn geologisch gesehen zu Afrika gehört.

„Die Welt gehört also niemandem“, sagte er, ein Umstand, den er angesichts der geopolitischen Lage gerne einmal an geeigneter Stelle anbringen würde. Er warb für die „innere Einkehr“ der Menschen, deren Existenz in der Geschichte des Planeten Erde ohnehin nur ein „Wimpernschlag“ bedeute und dafür, dass sie ihn lieben und respektieren.

Damit anfangen könne man schon mit dem Einsparen von Wasser beim Zähneputzen.