Schlangen an der Sicherheitskontrolle am Hamburger Flughafen. Fluggäste müssen diesen Sommer nicht nur mit langen Wartezeiten, sondern auch mit Stornierungen von Flügen rechnen. Foto: dpa/Bodo Marks

Flugpassagiere brauchen diesen Sommer, aber wohl auch noch im Herbst und Winter viel Geduld, meint Daniel Gräfe. Ärgerlich ist, dass es für das Flugchaos in den meisten Fällen keine Entschädigung gibt.

Mit der Reisefreude steigen auch die Beschwerden bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) rasant an. Die SÖP unterstützt Verbraucher, wenn diese ihre Rechte missachtet sehen. Das ist in der Praxis vor allem bei Ausfällen und Verspätungen im Flugverkehr der Fall. Wie sehr sich Fluggesellschaften zu Unrecht gegen Entschädigungen sperren, zeigt die überwältigende Erfolgsquote der Verbraucherbeschwerden. Oft ist diesen ein zermürbender Mailwechsel vorangegangen.

 

Allein die Lufthansa hat Tausende Flüge gestrichen

Zigtausende Reisende werden in den kommenden Wochen und Monaten ähnliche Erfahrungen machen und die schönen Urlaubserzählungen mit Leidenserfahrungen auf den Hin- und Rückflügen garnieren. Schon jetzt sind Flugausfälle an der Tagesordnung und Verspätungen an manchen Flughäfen der Normal- statt Ausnahmefall. Allein die Lufthansa hat für Juli und August erst 3000, dann 770 und schließlich abermals 2000 Flüge gestrichen. Dass das vor allem innerdeutsche Flüge betrifft, nützt Urlaubern auf Zubringerflügen im Zweifel nichts.

Ärgerlich ist, dass das Flugchaos samt Warteschlangen am Flughafen ein Chaos mit Ansage ist. Das Personal fehlt nicht nur in der Luft, es fehlt auch am Schalter, beim Sicherheitscheck und bei der Gepäckabfertigung. Zu viel wurde bereits vor der Coronakrise gespart und ausgelagert, in der Krise wurden zu wenige Beschäftigte gehalten. Diese Dauerbelastung ist neben Corona Grund des aktuell hohen Krankenstands.

Ärgerlich ist auch, dass die Verbraucher für ihren Ärger in den allermeisten Fällen keine Entschädigung erhalten. Der Flug 15 Tage vor Abflug storniert oder fast zwei Stunden verspätet? Für die Fluglinien ist das kein Problem, ebenso wenig, dass die Passagiere schon viele Stunden vorher am Airport warten, um ihre Flüge zu erreichen. Die Fluggäste brauchen diesen Sommer und wohl auch noch im Herbst und Winter viel Geduld. Viel Verständnis für das Flugmanagement braucht es dagegen nicht. Dafür aber Nachsicht mit jenen Beschäftigten, die vor Ort für die Personalpolitik geradestehen müssen.