Insgesamt 22 neue Mietwohnungen und ein neues Ärztehaus sind in Rottweil geplant. Die KfW-Förderung für effiziente Gebäude war für die Bauvorhaben fest eingeplant. Der abrupte Stopp der Förderung sorgt bei den Planern nun für ratlose Gesichter.
Rottweil - Norman Sailer leitet zusammen mit seinem Bruder Harald das Unternehmen Sailer und Sailer Immobilienmanagement. Für die Zukunft hatten sie eigentlich insgesamt 22 Mietwohnungen sowie ein Ärztehaus in der Rottweiler Königstraße geplant. Die Zuschüsse der KfW in Höhe von 1,2 Millionen Euro waren fest einkalkuliert. Eine Verzögerung der Vorhaben ist nun unumgänglich.
"Da fühlt man sich natürlich vor den Kopf gestoßen. Die Entscheidung kam quasi aus dem Nichts. Jede Kurzfristigkeit ist für uns verheerend", erklärt Norman Sailer.
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude der KfW folgt einem einfachen Orientierungsmaßstab: den Effizienzhaus-Stufen. Die Stufen unterteilen sich in 40 plus, 40 und 55. Dabei gilt: Je kleiner die Kennzahl, desto weniger verbraucht die Immobilie. Bei der Berechnung werden zwei Kriterien berücksichtigt – der Gesamtenergiebedarf und die Wärmedämmung. Die Ergebnisse zeigen, wie energieeffizient ein Gebäude im Vergleich zu einem Referenzgebäude ist. Da der Punkt der Energieeffizienz ein wichtiger Bestandteil der Energiewende ist, wird beziehungsweise wurden die Maßnahmen staatlich gefördert.
Enorme Antragsflut
"Das bringt natürlich nichts in Sachen Umweltschutz und Energiewende. Wenn wir die Förderung nicht erhalten, müssen wir die geplanten Maßnahmen wahrscheinlich zurückfahren", sagt Sailer.
Bereits im vergangenen Herbst hatte die KfW in Absprache mit dem zuständigen Bundesministerium ankündigt, die Förderung für die Klasse 55 zum 31. Januar auslaufen zu lassen. Den abrupten Stopp aller Maßnahmen zum 24. Januar haben die KfW und die Politik nun mit der enormen Antragsflut und den damit ausgeschöpften finanziellen Mitteln begründet.
Schlüssig findet Norman Sailer die Begründung allerdings nicht: "Die Entscheidung im vergangenen Herbst, dass es auslaufen wird, kam auch schon recht kurzfristig. Dadurch wurden sicherlich viele Bauvorhaben vorgezogen, um die Förderung noch beantragen zu können. Durch die gesteigerte Nachfrage kommt es auch zu einer Preissteigerung bei den Ausschreibungen. Die Flut an Anträgen ist also hausgemacht." Um dem Problem gleich aus dem Weg zu gehen, hatten die Brüder nach der Entscheidung beschlossen, eine Stufe höher zu gehen und für die Bauvorhaben die Förderung 40 und 40 plus zu beantragen.
Weniger Wohnraum für Rottweil
"Wir haben gedacht, dass wir damit auf der sicheren Seite sind und dann kommt so eine Meldung. Wir wissen jetzt noch nicht genau was wir tun, vor allem hinsichtlich der Mietwohnungen. Für Rottweil bedeutet das aber automatisch erst einmal weniger Wohnraum", führt Sailer ehrlicherweise aus. Auch finanziell reiße die Entscheidung ein Loch in die Kassen des Unternehmens, sagt Norman Sailer. "Man muss das ja auch alles mit einem Energieberater berechnen. Das bedarf langer Planungen. Im letzten Jahr haben wir bereits einen Kreditvertrag mit der Bank abgeschlossen."
Genau diese Bank hatte die Brüder am Morgen des 24. Januar angerufen und gefragt, ob sie schon vor der Neuigkeit gehört hätten. "Wir warten jetzt auf neue Programme und vielleicht auch intelligente Lösungen. Es ist aber klar, dass mit dieser Vorgehensweise keine günstigen Mieten möglich sind. Schließlich gibt es jetzt eine große Finanzierungslücke", berichtet Norman Sailer.
Gestellte Anträge werden bearbeitet
Derweil kann manch angehender Hausbauer und das ein oder andere Unternehmen aufatmen. In den vergangenen Tagen war zunächst unklar, wie die KfW mit Anträgen verfährt, die zwar fristgerecht eingegangen waren, aber noch keine Bestätigung erhalten hatten. Nun ist klar: Alle Anträge, die einschließlich bis 23. Januar gestellt wurden, werden auch weiterhin bearbeitet. Den Brüdern Sailer hilft diese Meldung jedoch nicht. Die Unternehmer hoffen nun auf ein neues Förderprogramm, das in der Bundespolitik wohl bereits heiß diskutiert wird.