Der Stolperstein für Heinz Arthur Feigenheimer wurde neben dem Stolperstein für seine Mutter Emma Feigenheimer verlegt. Foto: Jürgen Baiker

Drei weitere Stolpersteine wurden in Mühringen für Menschen verlegt, die während des Dritten Reichs von den Nazis ermordet wurden.

In regelmäßigen Abständen wurden bisher schon Stolpersteine zum Gedenken an die in den Konzentrationslagern ermordeten Mühringer Bürger eingebracht. Vergangenen Samstag war wieder so ein Tag, an dem das Team vom Gemeindearchiv drei weitere Stolpersteine vor den Mühringer Gebäuden der einstigen Mitbürger einsetzen ließ, dies im Beisein einiger interessierter Bürger.

 

Archivar Hans-Josef Ruggaber vom Team des Gemeindearchivs Mühringen hatte die Personenbeschreibung und den Leidensweg der betroffenen Mühringer aufgezeichnet. Hierbei konnte er auf das Ergebnis der Aufarbeitung des Mühringer Gemeindearchivs zurückgreifen, beziehungsweise es waren mitunter Beilagen aus dem Familien-Register sehr hilfreich. Begonnen hatte das Team des Gemeindearchivs Mühringen 2008 mit Hans-Josef Ruggaber und Sohn Hans-Jürgen, derweil Manfred Steck aus Mühlen seine Erfahrung aus anderen Archiv-Aufarbeitungen aus der Umgebung einbrachte.

Insgesamt jetzt 15 Stolpersteine

Zwölf Stolpersteine waren in Mühringen bisher schon eingebracht worden. Plus der drei Gedenksteine vom vergangenen Samstag. 15 Mühringer und Mühringerinnen – soweit bis jetzt bekannt – sind damals Opfer der Verbrechen im Dritten Reich geworden.

Das Setzen der Stolpersteine haben Peter Schneider und sein Sohn Simon, Leiter der Gärtnerabteilung des Horber Bauhofes, ehrenamtlich übernommen. Ein Stolperstein kostet 130 Euro. Gesammelt wurde das Geld von Hans-Josef Ruggaber aus den Spenden bei seinen Friedhofsführungen auf dem Jüdischen Friedhof. Hans-Josef Ruggaber stellte noch fest, dass es vermutlich die letzten drei Stolpersteine seien von Leuten, von denen man weiß, wo sie in Mühringen gelebt haben.

Die Stolpersteine werden in den Asphalt eingebracht. Foto: Jürgen Baiker

Für folgende Personen wurden Stolpersteine verlegt

Johanna „Hannele“ Bach: Johanna Bach wurde am 15. April 1861 als Tochter des Mühringer Lederhändlers Josua und dessen Frau Regina Bach geb. Fechenbach geboren. Sie hatte vier Schwestern. Bis zur Zwangsumsiedlung nach Eschenau wohnte sie in der Hauptstraße 95 in Mühringen, wo sie nach dem Tod ihrer Eltern deren Lederhandel weiterführte. Für ihre Tätigkeit in der Versorgung verwundeter Soldaten im Lazarett in Bad Imnau wurde sie am 10. Oktober 1916 mit dem Charlottenkreuz ausgezeichnet. Nebenbei hat sie sich schriftstellerisch betätigt und war eine gerngesehene Rednerin. Das 1924 in Mühringen eröffnete „Schwarzwald-Heim“ der Stuttgarter Loge leitete sie bis zu ihrem Ruhestand. Aus ihrem im Sommer 1940 aufgesetzten Testament geht hervor, dass viele ihrer Verwandten und Bekannten ins Ausland emigriert waren. Da Johanna Bach zeitlebens unverheiratet blieb, war sie fortan auf sich allein gestellt. Im Februar 1942 wurde Johanna Bach ins Zwangsaltenheim in Eschenau deportiert. Dort starb sie am 12. Mai 1942 im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Affaltrach bestattet.

Archivar Hans-Josef Ruggaber vom Team des Gemeindearchivs Mühringen hat den Leidensweg der betroffenen Mühringer aufgezeichnet. Foto: Jürgen Baiker

In Zwiefalten ermordet

Heinz Arthur Feigenheimer: Er wurde am 11. November 1916 in Tübingen geboren und wuchs im Haus seiner Eltern Julius und Emma Feigenheimer geb. Schwarz in der Burgstraße 91 auf. Seine Eltern betrieben als angesehene Geschäftsleute einen Fell- und Lederhandel in Mühringen. Der Vater verstarb bereits am 2. Oktober 1940 im Alter von nur 56 Jahren. Sein Sohn Heinz überlebte ihn gerade mal um 30 Tage. Er wurde am 2. November 1940 in Zwiefalten im Zuge des Euthanasie-Programms der NS-Regierung ermordet. Da Heinz laut Zeitzeugen an Hyperaktivität und einem Aufmerksamsleiden litt. Seine Urne wurde im Grab des Vaters auf dem Jüdischen Friedhof in Mühringen beigesetzt. Es ist das einzige Urnengrab auf dem Mühringer Friedhof und trägt die Nummer 804.

Verwundet im Ersten Weltkrieg

Erwin Schlatter: Erwin kam am 6. Februar 1883 als drittes von acht Kindern der Eheleute August und Maria Schlatter geborene Hank in Mühringen zur Welt. Die Familie be-wohnte das Haus in der Burgstraße 103. Erwin besuchte in Mühringen die Volksschule und arbeitete danach als Hilfsarbeiter. Mit Beginn des ersten Weltkriegs wurde er am 6. August 1914 zum Königlichen Infanterieregiment 119/4 Kompanie nach Stuttgart eingezogen. Am 29. Juli 1917 leicht verwundet wurde er am 12. Juni 1918 schwer verwundet. Aus diesem Krieg kehrte er am 15. Dezember 1918 nach Mühringen zurück. An Auszeichnungen erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Erwin kam nach dem Krieg nie mehr richtig auf die Füße und litt unter geistiger Verwirrung. Er wurde als „Geisteskranker“ bezeichnet und am 21.Mai 1935 in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen. Von hier aus wurde er im Zuge der Euthanasie nach Grafeneck gebracht und dort am 8. September 1940 ermordet.