„Hoch hinaus“ hieß es zum erneuten Mal in Mühlheim. „Storchenvater“ Hartmut Polet war voll beladen mit Heckenschere, Sicherungsseil sowie dem NABU-Schutzhelm – und natürlich mit seinem Markenzeichen, der schwarzen Strickmütze.
Der Weg zum Storchennest führte allerdings nicht über die Drehleiter der Sulzer Feuerwehr. Stattdessen kam am Dienstagmorgen ein anderer gelb leuchtender Gigant ins Mühlbachdorf: die LKW-Bühne Ruthmann T 510 HF von der Arbeitsbühnenvermietung Schwenk. Sie hatte eine Plattformhöhe von 49 Meter sowie eine seitliche Ausladung von 33 Meter.
Der Vorteil solch einer LKW-Bühne, erklärte der Storchenbeauftragte, sei, dass mit ihm das Storchennest ringsum angefahren werden könne. Schließlich am Nest angekommen, wurden zuerst die überstehenden Äste abgetragen.
Der Nestuntergrund und das Nestinnere waren durch das ganzjährige Benutzen komplett verdichtet und hart – somit konnte das Regenwasser nicht mehr richtig ablaufen.
Das kann dazu führen, dass die jungen Störche stark unterkühlt oder im Extremfall sogar im eigenen Nest ertrinken können. Mit einer Gartenharke entfernte Polet im Nestinneren verrottete Pflanzen, Blätter und Zweige bis hinab zur die Nestunterlage.
Hackschnitzel helfen
Obwohl das Mühlheimer Storchennest erst im letzten Jahr gesäubert wurde, kamen doch über 100 Kilogramm Abfälle zusammen. Anschließend wurde das Nest mit gesiebtem Hackschnitzel befüllt, damit die Wasserdurchlässigkeit gewährleistet ist.
„Hackschnitzel bieten auch Wärme im Nest und vor allem findet kein Schimmelbefall statt“, so der Experte. Das zeige sich auch bei den bereits ausgeführten Leerungen der vergangenen Jahre deutlich. Manche Störche verwenden zum Nestbau Zivilisationsmüll wie Plastikschnüre.
Die Stadt kümmert sich
In ihnen können sich die Jungen jedoch verheddern, durch Plastiktüten läuft das Regenwasser nicht mehr ab. Deshalb sind regelmäßige Säuberungen des Nestes unabdingbar. Der neue Mühlheimer Ortsvorsteher Giuseppe Masttragostino unterstützte den Storchenbeauftragten und fuhr furchtlos mit in die Höhe auf ungefähr 24 Meter.
In Mühlheim gibt es eine Eigenheit, wie Dietmar Strobel bei der Aktion erklärte. Und zwar, dass die Mühlheimer Kilianskirche – und damit auch das Storchennest – der Stadt Sulz gehöre. Die Storcheninitiative in Mühlheim habe das Nest aus Spenden gebaut und der Stadt Sulz übergeben, die seither für dessen Unterhalt zuständig sei.
Der Kranz des Nestes sei aus Bambus geflochten worden, da dieser nach der Trocknung härter wäre als Weiden. Der Nestboden bestehe aus einer engmaschigen Baustahlmatte, das Nest selbst sei mit Schrauben an der Halterung am Kirchturm befestigt. So könne das komplette Nest relativ einfach abmontiert und wieder befestigt werden.
Wichtige Reinigung
Sauberer Platz
Die regelmäßige Reinigung des Storchennests trägt dazu bei, dass es auch künftig von den Tieren angenommen wird. Saubere Nistplätze sind für Störche attraktiver, da sie gute Bedingungen für die Jungvögel bieten.
Weniger Krankheiten
Im Unterschied zu ungereinigten Nestern bildet sich in gepflegten Nestern keine Staunässe, die Jungvögel einem Krankheitsrisiko aussetzen würde.