Es wird gespannt geschaut, was sich am Boden alles tut - die Drehleiter scheint sich in Stellung zu bringen. Foto: Polet

Die Straße in Mühlheim ist abgesperrt, die Feuerwehr rückt mit großen Gefährt aus, der Rettungskorb fährt nach oben – zum Storchennest.

Ortsvorsteher Giuseppe Mastrogostino und Stadtbrandmeister Florian Karl kamen am Freitagabend samt der großen Drehleiter nach Mühlheim.

 

Denn kurz nach dem Herbstanfang stand für den örtlichen Storchenbetreuer Hartmut Polet ein großer Einsatz an – das Leeren des Storchennestes auf dem Mühlheimer Kirchturm. Dazu musste allerdings die Straße bei der Kirche abgesperrt werden.

Der schwindelfreie Ortsvorsteher

Ein Mitarbeiter des Bauhofs transportierte die Gerätschaften Polets, die dieser für seine Aktion benötigte, zur Kirche. Auch musste für die Nestausleerung extra ein Anhänger vor die Kirche gestellt werden.

Schon im vergangenen Jahr war Polet ganz oben am Nest – es liegt auf stolzen auf 25 Meter Höhe – vom Ortsvorsteher unterstützt worden. Man merkt: Mastrogostino ist absolut schwindelfrei.

150 Kilogramm Nestmaterial

Die Drehleiter inklusive vier Maschinisten und Einsatzleiter Jörg Roll wurde – beäugt von den beide Störche, die neugierig aus dem Nest schauten – in Position gefahren. Als die Leiter mit dem Rettungskorb sich jedoch Richtung Nest bewegte, ergriffen die Tiere die Flucht.

Im Nest mussten gut 150 Kilogramm Material entfernt werden. Foto: Polet

Denn so kamen Haken, Schaufeln, Eimer und Wannen direkt ans Nest. Dieses wurde in der Dämmerung ausgeleuchtet und geleert. Dazu waren allerdings gleich mehreren Fahrten nötig: ungefähr 150 Kilogramm Nestmaterial musste durch die Ehrenamtlichen nach unten gefahren werden.

Sechs Jungstörche wurden flügge

Das Nest wurde bis auf den Boden geleert und anschließend mit gesiebtem Hackschnitzel befüllt. Da sie wasserdurchlässig sind, kann sich an ihnen kein Schimmel bilden.

Schließlich ist ein wasserdurchlässiges Storchennest für den Bruterfolg der Störche von enormer Bedeutung. So konnten 2024 und 2025 sechs Störche Mühlheim verlassen. Von Menschenhand gebaute Storchennester benötigen die regelmäßige Pflege des Menschen, weiß der Experte.

Schimmel kann tödlich sein

Übernehmen die Störche das selber, handelt es sich um eine komplette Astwerkkonstruktion – mit einer deutlich besseren Wasserdurchlässigkeit. Ohne menschliche Aktivität kann das Gewicht eines Nestes zwischen 500 Kilogramm und 1,5 Tonnen betragen.

Ist der Nachwuchs da, wird das Nestmaterial täglich ausgetauscht, damit sich keine Schimmel ausbreitet.

Denn Schimmel kann für die jungen Küken tödlich sein. Bei Hitze bilden sich Schimmelgase. Auch kann es zur Nestkrankheit Aspegiollose kommen. Sporen setzen sich in der Lunge ab – die Küken ersticken. So sind im Kreis Nagold drei Küken erstickt.

Fachvorträge für Jung und Alt

Doch darüber braucht sich der Mühlheimer Storchennachwuchs keine Sorgen machen. Denn die schwarz-weiß gefiederten Eltern, die seit 2023 im Ort überwintern, haben auch bei Regen sichere Plätze für trockenes Nestmaterial.

Polet bietet seit 2022 verschiedene Fachvorträge über Störche an Schulen, in Kindergärten, Behinderteneinrichtungen sowie für Seniorengruppen an, um über den Vogel des Jahres 1994 aufzuklären.