Sie sind wieder da.Im Kinzigtal klappern einige Störche wieder. In Haslach ist das Paar pünktlich zum Storchentag heimgekehrt. Manche Artgenossen waren gar nicht weg.
Storchenbeauftragter Rudi Allgaier aus Haslach hat die Vögel im Kinzigtal im Blick – und er weiß: Auch in diesem Jahr hat sich das Fischerbacher Storchenpaar entschieden, die alljährliche Reise in den Süden ausfallen zu lassen. Seit vergangenem Jahr sind sie keine Zugvögel mehr und haben den Winter hier im Kinzigtal verbracht. Damit sind sie nicht die Einzigen.
Wie Allgaier berichtet, gibt es immer mehr Störche in Deutschland, die aufgrund der milden Wintertemperaturen in Folge des Klimawandels ihre Heimat gar nicht mehr verlassen. Auch die Vögel in Gengenbach bleiben seit einigen Jahren hier. Diesem Beispiel scheinen die Fischerbacher nun zu folgen. Dass ihr Nest auf einem Strommast kurz nach Ende der Brut abgeräumt wurde, scheint sie nicht gestört zu haben. Schließlich war es nicht das erste Mal. Bereits nach dem ersten Abbau hatten sie ihr Nest einfach wieder aufgebaut.
Fischerbacher Vögel blieben auch dieses Jahr
Während des Winters waren die Fischerbacher Störche überall im Kinzigtal unterwegs. Oft waren sie auch auf dem Haslacher Kirchturm im Nest der Haslacher Artgenossen zu beobachten – was nicht möglich gewesen wäre, wenn diese vor Ort gewesen wären. Schließlich sind die Haslacher sehr territorial und verteidigen ihr Nest vehement gegen Konkurrenz.
Seit einigen Tagen sind wieder Störche auf dem rund 60 Meter hohen Kirchturm zu sehen – doch dieses Mal sind es nicht die Fischerbacher Vögel. Rudi Allgaier ist sich sicher, dass das Haslacher Paar zurückgekehrt ist. Auch wenn er die Ringnummern an ihren Beinen mit seinem Teleskop noch nicht ablesen konnte – die Vögel hielten nicht still und versteckten sich immer wieder – bestehen für ihn kaum Zweifel: „Dem Verhalten nach sind es unsere: Wie sie mit dem Nest umgehen, es reparieren und wo sie sich gerne hinsetzen“, schildert er seine Beobachtungen. Er kennt „seine“ Vögel und weiß deshalb auch, dass der Zeitpunkt der Rückkehr passt. „Im Schnitt ist das Männchen immer Ende Januar bis Mitte Februar nach Haslach zurückgekehrt. Nur einmal war er extrem früh dran: 2023 war er schon am 27. Dezember wieder da“, berichtet er.
Rückkehr einmal schon am 27. Dezember
Pünktlich zum Beginn des Frühlings haben sie also ihr Nest wieder bezogen und verkünden ihre Ankunft immer wieder mit fleißigem Klappern. Doch nicht nur sie und die Fischerbacher sind zu hören. Auch in Steinach ist laut Allgaier wieder Storchenleben eingekehrt, ebenso in Hausach.
Auf der bei den Vögeln beliebten Hausacher Stadtkirche werden allerdings einige keinen Platz mehr finden. Wie Allgaier berichtet, wurden zwei der Wasserspeier so umgebaut, dass ein Nisten dort unmöglich ist. Im vergangenen Jahr brüteten Störche auf drei der insgesamt vier Wasserspeier des Gebäudes, doch die schweren Nester waren statisch problematisch. Ob das die Tiere abhält, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit zeigten sich die Vögel recht unbeeindruckt und zogen auf dem Kirchenkamin trotz mehrfacher Versuche, sie daran zu hindern, erfolgreich Junge groß. „Ich bin überzeugt, dass die Störche im Winter an die Uni gehen und Nestbau-Statik studieren“, scherzt Allgaier und drückt damit seine Bewunderung für ihre Hartnäckigkeit aus.
Nahrungsmäßig werden sie sich zunächst vor allem von Mäusen ernähren – „die sind ja immer verfügbar“, sagt der Storchenexperte. Bald beginnen jedoch auch die Amphibienwanderungen. Wenn es dann noch etwas regnet und die Würmer herauskommen, sind die Störche gut versorgt.
Der Storchentag
Nicht nur die Störche erwartet Leckereien. Aufgrund ihrer frühen Rückkehr sind sie pünktlich zum Storchentag wieder da, wenn die Kinder „Heraus, heraus“, rufend durch Haslach laufen und Orangen, Brezeln und Süßigkeiten auf sie herabregnen. Storchenvater Alois Krafczyk achtet dabei darauf, dass alles in geordneten Bahnen verläuft. Der Storchentag geht auf eine Legende zurück, nach der die Störche einst die Stadt Haslach vor einer Hungersnot gerettet haben: Die Bürger hatten gelobt, den Haslacher Kindern einmal im Jahr etwas Gutes zu tun, falls Gott sie vor einer Ungezieferplage rettete. Die Störche kamen, fraßen das Getier, retteten die Ernte – und geboren war der Storchentag. Er findet dieses Jahr am Samstag, 21. Februar, statt und beginnt um 12 Uhr mit einem Gottesdienst in der Mühlenkapelle. Danach ziehen die Kinder durch den Ort.