Viel wird über die Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft diskutiert. Unter dem Titel „Über Kunst“ präsentieren die Stuttgarter Nachrichten hierzu eine eigene Veranstaltungsreihe. Gäste am Dienstag sind Iris Dressler und Hans D. Christ, Direktoren des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart.
Stuttgart - Von neuen Wegen wird in der Kunstvermittlung gerne und oft gesprochen. Im Württembergischen Kunstverein ist dieser Anspruch Programm. Deutlich wird dies bereits in der Doppelspitze: Iris Dressler und Hans D. Christ agieren gemeinschaftlich auf einer Direktorenstelle. Seit 2005 lenken sie als Co-Direktoren den Württembergischen Kunstverein Stuttgart – eines der größten Ausstellungsforen für Gegenwartskunst in Deutschland. An diesem Dienstag sind Iris Dressler und Hans D. Christ Gäste in der Veranstaltungsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung in der Stuttgarter Galerie Klaus Gerrit Friese.
Der gemeinsame Weg beginnt für Iris Dressler (geboren 1966, Studium der Kunstgeschichte in Marburg und Bochum) und Hans D. Christ (geboren 1963, Studium der Kunstgeschichte und der Germanistik in Dortmund) jedoch schon früher. 1996 gründen sie in Dortmund den Hartware-Medienkunstverein als unabhängige Plattform für die Präsentation zeitgenössischer Kunst. Das Ziel ist eine eigene Institution für die aktuelle Kunst.
Bis 2003 finden die Ausstellungen an wechselnden Standorten statt, in Museen, im öffentlichen Raum, aber auch in den Industriedenkmälern des Ruhrgebietes. 2003 ist das Zwischenziel erreicht – der Hartware-Medienkunstverein bezieht eine 2500 Quadratmeter große ehemalige Industriehalle.
„Kunst“, sind sich Iris Dressler und Hans D. Christ sicher, „stellt Bedeutung infrage“ – und schafft etwas, das die Kunstvermittler „das andere Wissen“ nennen. Dressler und Christ sehen ihre Arbeit „vor dem Hintergrund einer komplexen, global vernetzten Welt, die sich längst nicht mehr über die hierarchische Aufteilung zwischen dem ‚Westen‘ und dem ‚Rest‘ begreifen lässt“. In einer solchen Welt, so die Co-Direktoren des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart, „in der sich Zentrum und Peripherie, das Eigene und Fremde beständig durchkreuzen, muss auch die Kunst jenseits westeuropäischer und nordamerikanischer Maßgaben verhandelt werden.“ Und sie sind sicher: „Kein anderer Kunstverein hat dies in den letzten Jahren so konsequent umgesetzt wie der Württembergische Kunstverein. Dabei haben wir insbesondere den Austausch zwischen (Ost-)Europa, Südamerika, Asien und dem arabischen Raum intensiviert.“
Dies aber nicht, wie Iris Dressler und Hans D. Christ betonen, mit dem Blick von außen. „Entscheidend dabei ist, dass die entsprechenden Projekte maßgeblich von Kuratorinnen und Kuratoren sowie Künstlerinnen und Künstlern aus den verschiedenen Regionen konzipiert werden, um so tatsächlich eine Vielstimmigkeit zu erzeugen: eine Vielstimmigkeit, die Misstöne nicht zu beheben versucht, sondern darüber erst ihren Sinn erhält.“
Wie also verbinden sich die eigenen Ansprüche der Kunstvermittlung mit den Erwartungen etwa der Künstlermitglieder? Wie verbinden sich die Projekte seit 2005 mit dem Gewicht des Stuttgarter Kunstgebäudes als Forum internationaler Gegenwartskunst? Und wie weit lässt sich Kunstvermittlung in scheinbar oder tatsächlich andere Themenfelder – etwa politische Beteiligung – vorantreiben? Über diese und andere Fragen werden wir mit Iris Dressler und Hans D. Christ sprechen – bei „Über Kunst“ an diesem Dienstag (19.30 Uhr) in der Galerie Klaus Gerrit Friese (Rotebühlstraße 87) in Stuttgart.
Prominente Kunstvermittler und Künstler bei „Über Kunst“
2008 findet erstmals ein „Über Kunst“-Abend statt. Partner der Veranstaltungsreihe unserer Zeitung ist von Beginn an die Galerie Klaus Gerrit Friese in Stuttgart (Rotebühlstraße 87). Erster Gast ist Hans Dieter Huber, Professor für Kunstgeschichte an der Stuttgarter Kunstakademie. Noch im gleichen Jahr folgt Werner Spies, ehemaliger Direktor des Musée Nationale d’Art im Centre Pompidou in Paris.
2009 folgen Abende mit Peter Weibel, Präsident des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe, dem international tätigen Stuttgarter Sammler Rudolf Scharpff, der damaligen Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, Marion Ackermann, sowie dem Maler Heribert C. Ottersbach.
2010 eröffnet Ute Meta Bauer, Professorin am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, das „Über Kunst“-Jahr, es folgen der Maler André Butzer, Nicolaus Schafhausen, seit 2012 Direktor der Kunsthalle Wien, Petra von Olschowski, Rektorin der Kunstakademie Stuttgart, und Ulrike Groos, neue Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart.
2011 ist Frieder Burda, Sammler und Gründer des Museums Frieder Burda in Baden-Baden, erster Gast. Es folgen Johan Holten, neuer Direktor der Kunsthalle Baden-Baden, und Harald Falckenberg, Sammler und Gründer des Gegenwartskunstforums Sammlung Falckenberg in Hamburg.
2012 begrüßen wir zunächst den langjährigen Lenker der Kunsthalle Tübingen, Götz Adriani. Es folgen Veit Görner, Direktor der Kestner-Gesellschaft Hannover, Klaus Albrecht Schröder, Direktor des Museums Albertina in Wien, und Christoph Becker, Direktor des Kunsthauses Zürich. Auch der Objektkünstler Thomas Grünfeld und Christoph Grunenberg , neuer Direktor der Kunsthalle Bremen, sind 2012 „Über Kunst“-Gäste.
2013 eröffnet Christiane Lange, neue Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, das „Über Kunst“-Jahr.
An diesem Dienstag sind Iris Dressler und Hans D. Christ, Direktoren des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart, zu Gast bei „Über Kunst“. Beginn in der Galerie Klaus Gerrit Friese in Stuttgart (Rotebühlstraße 87) ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.