Minister Manfred Lucha war Gast in der Mädchenrealschule St. Klara in Rottenburg. Dort fand ein Schulprojekt gegen Rassismus statt. Das waren die Fragen an den Minister.
Manfred Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg, besuchte die Mädchenrealschule St. Klara. Dort stellte er sich den Fragen der Neuntklässlerinnen zum Thema Rassismus. Sie hatten sich gut darauf vorbereitet, richteten aber auch Fragen unter anderem zur Bildungspolitik des Landes und zur Pflegesituation an den Minister.
Für Lucha sei Rassismus ein Gewaltinstrument. Dabei gehe es darum, über andere zu herrschen, Macht und Gewalt auszuüben. Das habe gegenüber dunkelhäutigen Menschen deutlich zugenommen.
Doch was könne im Alltag und an der Schule dagegen getan werden?, wollte eine Schülerin wissen. Lucha: „Zivilcourage zeigen gegen ein rechtes Narrativ.“ Wenn etwas nicht der Wirklichkeit entspreche, solle dem widersprochen, und „fake news“ sollten richtig gestellt werden. Auf die Fakten komme es an: „Meinung folgt immer auf Information“, erläuterte er.
Aussetzung des Familiennachzugs sei falsch
Angesprochen wurde auch die Asylpolitik. Lucha hält die Aussetzung des Familiennachzugs für falsch. Er sprach sich für die Beibehaltung des Asylrechts aus, dabei sollte jedoch die reguläre Migration vor allem mit Blick auf den Arbeitsmarkt vereinfacht werden.
Notwendig hält er es auch, dass die Ursachen der Flucht bekämpft und Kriege, die mit dafür verantwortlich sind, beendet werden. Wer allerdings schon hier sei, müsse menschlich behandelt werden.
Lucha spricht sich für Unterstützung der Ukraine aus
Was würde er als Bundeskanzler besser machen? Da musste der Minister erst einmal lachen, fand dann aber doch einige Punkte. So würde er die Krankenhausreform auf bessere Füße stellen und mehr ökologische Akzente setzen. Er sprach sich dafür aus, die Ukraine zu unterstützen, denn „Putins Krieg ist gegen uns und die Demokratie gerichtet.“
Aber, so Lucha, „mir langt mein Job als Landesminister“. Seit 15 Jahren ist er inzwischen im Landtag und zehn Jahre Minister. Mit fast 65 Jahren wolle er nun nicht mehr erneut antreten. Bis dahin habe er aber noch vor, einige Vorhaben wie das Gleichbehandlungsgesetz oder den Aktionsplan gegen Diskriminierung zu Ende zu bringen.
Pflegesituation habe sich geändert
Eine weitere Frage war, wie er als Minister mit politischem Druck umgehe. Dass Druck da ist, räumte Lucha ein, das müsse man aushalten. „Ich gehöre zu den Robusteren“, versicherte er. Das gelte auch, trotz noch vorhandener Defizite, für die Pflegesituation. „Meine Generation wird anders alt“, erklärte der Minister. 83 Prozent der Pflegebedürftigen würden daheim versorgt, 17 Prozent in stationären Einrichtungen. Der Lebensraum der Menschen werde nun flexibler unterstützt. Auch gebe es in der Pflege mehr Auszubildende, ein Großteil davon mit Migrationsgeschichte. Ohne sie könnten die Pflegedienste nicht funktionieren.
Sorge um Status der Realschule
Eine Schülerin sorgte sich, dass die Realschule zu einer Schule zweiter Klasse abgestuft werden könnte. Lucha widersprach: Entscheidend sei die Schulqualität. Den jungen Menschen gab er auf den Weg, dass sie die Zukunft sind und von der Gesellschaft gebraucht werden. Lucha ist überzeugt, dass jeder eine existenzsichernde Arbeit findet, sofern er sich darum bemüht. Die Politik müsse im Gegenzug dafür sorgen, dass den jungen Leuten genug Spielräume bleiben, um die Zukunft zu gestalten.
Das Projekt
„Schulprojekt gegen Rassismus“
Schulleiter Hannes Schütt versicherte dem Minister am Schluss: „Wir sind eine Schule ohne Rassismus. Wir stehen für eine offene Gesellschaft.“ Die Veranstaltung mit dem Sozialminister stand im Zusammenhang mit dem „Schulprojekt gegen Rassismus“ der Stadt Rottenburg und des Integrationsbeirats. Moderiert wurde sie vom grünen Stadtrat Joachim Herbst sowie Pietro Scalera, Vorstand des Integrationsbeirats. Am kommenden Montag findet im St. Klara ein Demokratieworkshop mit Oberbürgermeister Stephan Neher statt.