Stimmengleichheit herrscht nicht oft im Gemeinderat – in Meßstetten aber war das nun so. Das Thema wurde ungewohnt kontrovers diskutiert: Schulsozialarbeit.
Einen gemeinsamen Antrag der Grundschule Tieringen/Oberdigisheim und Hartheim/Heinstetten auf Erhöhung der Schulsozialarbeit hat die Stadtverwaltung Meßstetten dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zur Abstimmung gestellt.
Den Antrag hatten die Schulen bereits am 19. Dezember 2024 gestellt – zu spät für die damalige Haushaltsberatung. Diesmal waren sie früher dran, reichten ihn am 24. September ein und bitten um eine Erhöhung der Schulsozialarbeit in einem Drei-Jahres-Plan, schrittweise um zehn Prozent pro Jahr auf insgesamt eine halbe Stelle pro Schule.
Das Aggressionspotenzial steigt
Die Begründung: Die Schülerschaft sei sehr heterogen. Die Integration zugezogener Schüler, Probleme in den Familien sowie fehlende oder zu geringe deutsche Sprachkenntnisse, dazu ein gesteigertes Aggressionspotenzial bei manchen Schülern, unterkontrollierter und ungefilterter Zugang zum Internet, zu sozialen Medien und Spielen gäben den Ausschlag dafür, dass der Bedarf an Schulsozialarbeit steige.
Weil die Probleme an den meisten Schulen dieselben sind, hat sich die Verwaltung mal angeschaut, wie viel Schulsozialarbeiter die großen Kreisstädte Albstadt und Balingen, aber auch andere Kommunen im Zollernalbkreis, ihren Grundschulen mit einer Größe zwischen 50 und 150 Schülern bewilligt haben – in Hartheim und Heinstetten besuchen derzeit 76 Kinder die Grundschule, in Tieringen und Oberdigisheim ebenfalls. Der Vergleich zeigt, dass Schulsozialarbeit an Grundschulen längst üblich ist und der Stellenumfang an vergleichbaren Grundschulen bei durchschnittlich 36 Prozent liegt.
Ob es Fördergeld gibt, ist noch nicht sicher
Das finanzielle Dilemma: Weil der Stellenumfang an den Grundschulen in den Stadtteilen zu gering ist, beteiligt sich das Land nicht an der Finanzierung. Zwar ist für das Schuljahr 2026/2027 eine Anpassung der Fördergrundsätze geplant, aber eben noch nicht sicher.
Die Stadträte im Verwaltungs- und Finanzausschuss haben am 15. Oktober bereits über den Antrag der beiden Grundschulen diskutiert und sich für eine „moderate Erhöhung“, so die Stadtverwaltung, ausgesprochen. Konkret lautet der Vorschlag an den Gemeinderat, einmalig den Stellenumfang von 20 auf 30 Prozent je Schule zu erhöhen, und zwar zum Februar 2026. Jedem Schulstandort der beiden Schulen stünden damit sechs Wochenstunden zur Verfügung.
Antrag auf Deckel von der Bürgerliste
Oliver Rentschler, Fraktionschef der Bürgerliste, stellte im Gemeinderat allerdings den Antrag, „hier einen Deckel einzuziehen“. „Wir haben mit dem Diasporahaus Bietenhausen einen sehr guten Anbieter für Schulsozialarbeit, geben wirklich Geld dafür aus und wollen nicht an den Schwachen sparen. Aber wir sind in einer Konsolidierungsphase“, mahnte Rentschler und wies darauf hin, dass auch die Vereine „hervorragende Jugendarbeit“ leisteten, sogar preisgünstiger. Bürgermeister Frank Schroft stimmte im zu: „Schulsozialarbeit verhindert vieles an Fehlentwicklungen, aber auf Dauer können wir nicht jährlich erhöhen.“ Auch Matthias Schwarz, Fraktionschef der Freien Wählervereinigung, fand „den Deckel gut. Die Stadt kann nicht alles auffangen“.
Berger: Nicht am falschen Platz sparen – aber nicht ausufern lassen
CDU-Fraktionschef Ernst Berger tat sich schwerer damit: „Wann man am falschen Platz spart, kostet es nachher mehr, aber irgendwann ufert es aus.“ Bodo Schüssler (CDU) stimmte nicht für einen Deckel: „Wir können ja weitere Anträge immer noch ablehnen!“
Den Antrag Oliver Rentschlers, die Ausgaben für die Schulsozialarbeit für drei Jahre zu deckeln, lehnte das Gremium schließlich bei Stimmengleichheit ab. Somit kam der Verwaltungsvorschlag auf Erhöhung zum 1. Februar 2026 auf 30 Prozent je Schule zum Tragen, der bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen wurde.