Auch im Kandertal war die Wahlbeteiligung hoch (Symbolfoto). Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Landtagswahl am Sonntag hat den Grünen im Land einen knappen Wahlsieg beschert. Unsere Redaktion hat sich in den Ortsverbänden im Kandertal umgehört.

So setzte sich bei den Erststimmen jeweils der CDU-Kandidat Patrick Rapp durch (34,3 Prozent in Kandern und 28,7 Prozent in Malsburg-Marzell). Auffällig war zudem das starke Abschneiden der AfD, besonders in Malsburg-Marzell. Dort erreichte Kandidatin Martina Böswald bei den Erststimmen Platz zwei mit 24,3 Prozent, noch vor Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne), die auf 21,5 Prozent kam. Kandern und Malsburg-Marzell gehören dem Wahlkreis Breisgau an.

 

Bei den Zweitstimmen setzten sich allerdings trotz Verluste gegenüber der Landtagswahl 2021 die Grünen durch. In Kandern erhielten sie 31,8 Prozent der Stimmen und lagen vor der CDU (28,5 Prozent) und der AfD (16,5 Prozent). Die SPD kam auf 6,7 Prozent, alle anderen Parteien kamen nicht über die Fünf-Prozent-Hürde.

In Malsburg-Marzell war das Ergebnis äußerst knapp. Die Grünen lagen mit 23,8 Prozent vor der CDU (22,6 Prozent) und der AfD (22,1 Prozent). Die SPD erreichte 9,2 Prozent, die Freien Wähler kamen auf 5,1 Prozent.

Was die Ortsverbände der Parteien zum Wahlausgang sagen und wie sie die Resultate in Kandern und Malsburg-Marzell einordnen, dazu hat sich unsere Redaktion umgehört.

„Das umgekehrte Ergebnis gewünscht“

CDU: „Als CDU-Mitglied habe ich mir genau das umgekehrte Ergebnis gewünscht“, sagt Andreas Schneucker, Vorsitzender des fusionierten CDU-Ortsverbands Kandertal und Bürgermeister von Binzen. Was er sich nun von Cem Özdemir erhoffe, sei „eine Koalition mit der CDU auf Augenhöhe“, die ebenso geräuschlos arbeite wie die Vorgängerregierung. Dem Kandidaten der CDU, Peter Schelshorn, bescheinigt Schneucker „einen tadellosen Wahlkampf“. Dass er bis auf einen minimalen Prozentabstand an die Amtsinhaberin herangekommen sei, sei das Ergebnis von dessen großartiger Arbeit. Das schlechte Abschneiden der SPD als „einstiger Volkspartei“ sei für ihn „erschreckend“, sagt Schneucker.

Grüne: Yannik Heckel, Vorsitzender des Ortsverbands Kandern/Malsburg-Marzell der Grünen , zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Ganz klar ein großer Erfolg für uns.“ Man habe gewusst, dass es nach dem Ausscheiden von Ministerpräsident Winfried Kretschmann schwierig werden würde. Er sei sich nicht sicher gewesen, ob die Menschen bereit sein würden, Cem Özdemir das gleiche Vertrauen auszusprechen. „Offensichtlich ja.“

Zufrieden mit dem Wahlkampf

Dass die Grünen in Kandern und Malsburg-Marzell bei den Erststimmen den ersten Platz an die CDU und deren Kandidaten Patrick Rapp abgeben mussten, habe man in der Partei erwartet. Zum einen habe man mit Reinhold Pix einen etablierten Kandidaten gehabt, außerdem sei die Stimmung im Land damals, geprägt von Fridays For Future, damals eine andere gewesen: „2021 hatten wir in Kandern ein Erststimmenergebnis von fast 40 Prozent – uns war klar, dass wir das nicht halten können.“ Dennoch hätten die Grünen einen sehr guten Wahlkampf geführt. Die Kandidatin Anna Deparnay-Grunenberg sei dreimal vor Ort gewesen. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn man im entlegensten Zipfel des Wahlkreises Breisgau-Hochschwarzwald liegt.“

SPD: „Niederschmetternd, da gibt es nichts zum Schönreden“, so bewertet Elisabeth Kurtenbach-Sepp, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Kandern-Malsburg, das Ergebnis ihrer Partei bei der Wahl.„Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass unser Ergebnis relativ schwach ausfallen würde. Aber so schwach – das habe ich nicht erwartet. Und auch niemand sonst, mit dem ich gesprochen habe.“ Es habe ihrer Wahrnehmung nach so etwas wie eine „Hagel-Verhinderungs-Bewegung“ gegeben. „Aber das ist sicher nicht alles. Wir müssen auch auf uns selbst blicken und sehen, was wir in Zukunft anders machen müssen.“

Positiv bewertet sie allerdings das Ergebnis der SPD in Kandern und Malsburg-Marzell und vor allem das Abschneiden des Kandidaten Philip Wolf, das über dem Ergebnis der Partei liegt: „Das tröstet immerhin etwas.“

FDP: Für Christoph Hoffmann, Vorsitzender des Ortsverbands Markgräflerland, „kamen die kleineren Parteien aufgrund der Polarisierung am Ende unter die Räder“. Weil seine Partei in allen Umfragen über der Fünf-Prozent-Hürde lag, geht er davon aus, dass die Verengung der Wahl auf die Ministerpräsidentenfrage den Ausschlag für „Abwanderungen in letzter Minute“ bedeuteten, meint Hoffmann in einem Statement. Den Kreiskandidaten in seinem Ortsverband, Felix Düster und Lothar Hanser, bescheinigt Hoffmann „respektable Erststimmenergebnisse unter erschwerten Bedingungen“.