Voodoo Jürgens läutete mit seiner Band Ansa Panier den Festivalmonat ein. Foto: Markus Greiß

Zum Stimmen-Auftakt tanzte der Burghof zu den Liedern von Voodoo Jürgens.

Der Wiener Liedermacher Voodoo Jürgens gab am Donnerstagabend den Auftakt zum diesjährigen Stimmen-Festival in Lörrach. Vor 250 Gästen zogen er und seine Band Ansa Panier bei dem knapp zweistündigen Konzert alle Register.

 

Von berührend-zart („Fenstabrettl“) bis hin zu rockig-feurig („Angst haums“) war alles dabei – regelmäßig gewürzt mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor, Sarkasmus und Schrägheit. Die kommt schon im Künstlernamen zum Ausdruck. Voodoo Jürgens, der eigentlich David Öllerer heißt, trennen nicht nur musikalisch Lichtjahre von seinem namensähnlichen Landsmann Udo Jürgens, sondern auch sprachlich.

Während Udo seine Schlager und Chansons in gestochenem Hochdeutsch zum Besten gab, singt Voodoo im Lörracher Burghof im breitestem Wienerisch. Und das ist für südbadische Ohren an diesem Stimmen-Eröffnungsabend erst einmal eine Herausforderung, bis nach und nach die Texte besser ins Ohr gehen.

Melancholische Töne

Musikalisch und textlich düster kommt „Kindspech“ als eines der ersten Lieder daher. Hier ersäuft der Verlassene seinen Kummer in ohnmächtiger Wut mit Kumpels im Wirtshaus. Melancholische Töne schlägt Jürgens dann in „Federkleid“ an, wo er eine vom Herbst beendete süße Sommerliebe besingt: „Und am End is es daunn doch so / Dass die Zeit so schnö varennt / Wos bleibt, des is a Vogerl / In an schworzen Federkleid.“ In dem in Drehorgelmanier mit orientalischen Anklängen vorgetragenen „Hansi da Boxer“ wird erzählt, wie der aus armen Verhältnissen stammende Hansi – „Boxen hat er kenna wia a junger Gott“ – nach großen Erfolgen abstürzt und nach Strich und Faden ausgenutzt wird.

Ohne Bestuhlung

Dass die Stühle für das Eröffnungskonzert aus dem Burghofparkett geräumt worden sind, macht sich spätestens ab „Twist“ bezahlt. Zu Zeilen wie „da wer ma wuid, da dreh‘ ma auf“ wird jetzt begeistert getwistet. Generell lädt die verblüffend variable Musik der fünfköpfigen Band nun deutlich mehr zum Tanzen ein – zu Samba und Rumba, Zirkusmusik oder auch zu Walzerklängen in „Zuckerbäcker“. Großartig zu beobachten ist, wie Bandmitglied Alexander Kranabetter, genannt „die Krähe“, zwischen Harmonium, Trompete, Tuba und Melodika hin- und herjongliert.

Aus dem Häuschen ist der Saal dann beim Hit „Heite grob ma Tote aus“, der es 2016 in den österreichischen Radiocharts ganz nach oben schaffte – und in seiner Morbidität an Wolfgang Ambros‘ „Es lebe der Zentralfriedhof“ erinnert. Drei Zugaben müssen die Musiker spielen, bevor sie das Publikum in den späten Abend entlässt.

Mit der Verwandlung des Burghof-Parketts in eine Tanzbühne hat Festivalleiter Timo Sadovnik beim Stimmen-Auftakt ein „kleines Experiment“ gewagt, wie er bei der Eröffnungsfeier am Donnerstag selbst sagte. Das Experiment ist durchaus geglückt.