Die brachliegende Fläche des ehemaligen Villinger Saba-Areals zwischen Kirnacher Straße (unten) und Peterzeller Straße (links) sowie der Paula-Straub-Straße und dem Von-Richthofen-Park soll eigentlich zum Gewerbepark werden. Foto: Marc Eich

Das Villinger Saba-Areal sollte neu geordnet werden. Mehr als fünf Jahre nach der Ankündigung herrscht Stillstand. Nun prüft die Stadt einen überarbeiteten Masterplan.

Die Situation beim Villinger Saba-Areal scheint symptomatisch für die derzeitige Großwetterlage im Bausektor zu sein: Stillstand. Bereits seit drei Jahren sind die umfangreichen Abrissarbeiten auf dem Gelände abgeschlossen. Ein kleiner Teil der Gebäude, der laut den ursprünglichen Plänen eigentlich ebenfalls hätte zurückgebaut werden sollen, steht hingegen noch – ohne dass sich dort in irgendeiner Form etwas bewegt hätte.

 

Auch auf dem ehemaligen Kasernenareal – angrenzend an den Von-Richthofen-Park in nördlicher Richtung – tut sich nichts mehr. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Park Quartett sind weitere Bautätigkeiten nicht in Sicht. Dabei hatte die Firma Ten Brinke vor mehr als fünf Jahren ein 100-Millionen-Euro-Projekt angekündigt, das das gesamte Saba-Areal neu ordnen sollte.

Nach dem Rückbau der ehemaligen Produktionsflächen hätte dort entlang der Peterzeller Straße ein riesiger Gewerbepark mit vier bis fünf großen Gewerbebauten (20 000 Quadratmeter) entstehen sollen. Als Auftakt war der Neubau von zunächst zwei Gebäuden geplant – dem „Saba-Office One“. Die Umsetzung der Gewerbeflächen (6400 Quadratmeter) war eigentlich schon für das Jahr 2024 vorgesehen, eine Baugenehmigung lag zumindest zwischenzeitlich vor. Weitere Gebäude sollten folgen.

Allerdings stellte sich nach der Corona-Krise heraus, dass die Gewerbeflächen nicht so stark nachgefragt werden, wie sich die Verantwortlichen bei der Ausarbeitung der Pläne erhofft hatten. Im November 2023 hatte man am Rande eines Richtfests am Park Quartett erklärt, man müsse hinsichtlich der Vermietung „sehr flexibel und offen sein“ – mögliche Mieter könnten Ärzte, Reha-Kliniken, Fitnesscenter oder Anbieter von gewerblichen Mikroappartements sein.

Weitere 200 Wohneinheiten geplant

Beim Wohnungsbau stockt es ebenfalls. Ten Brinke hatte angrenzend an den Von-Richthofen-Park der DBA Deutsche Bauwert zunächst mehrere Blocks mit 102 Wohneinheiten realisiert, kurz darauf entstand das Park Quartett (128 Wohnungen). Weitere rund 200 Wohneinheiten waren ursprünglich geplant – angrenzend an die Brigach und rund um den Bereich der Hermann-Schwer-Villa. Eine Umsetzung scheint derzeit in den Sternen zu stehen.

Um die Hermann-Schwer-Villa (rechts umgeben von Bäumen) sollen die Industriebauten noch weichen, um dort Wohnraum zu realisieren. Foto: Marc Eich

Erstaunlich: Trotz des Drucks auf dem Mietwohnungsmarkt und durchschnittlicher Mietpreise hatte das zuständige Immobilienbüro seit der Fertigstellung vor einem Jahr größere Schwierigkeiten, die Wohnungen zu vermarkten. Im vergangenen Sommer waren noch 80 Prozent der Einheiten verfügbar – mittlerweile sind laut der zugehörigen Internetseite von den 128 Wohnungen nur noch 15 frei. Nach den Anlaufschwierigkeiten scheint dort also tatsächlich Leben einzukehren.

Neues Konzept liegt bei der Stadt

Ob das dazu führt, dass der Wohnungsbau neuen Schwung erhält, erscheint fraglich. Denn beim Entwickler und Investor Ten Brinke hält man sich mit belastbaren Aussagen zur weiteren Realisierung der ambitionierten Pläne zurück. Klar ist lediglich, dass die Planungen modifiziert werden sollen. Wie das Unternehmen mitteilt, stehe man „in engem Austausch mit der Stadt“. Man habe „ein Konzept zur weiteren Planung eingereicht“.

Bei der Stadt werden diese Unterlagen nun geprüft – man warte auf eine entsprechende Rückmeldung. Die Stadtverwaltung bestätigt dies. So liegt laut Pressesprecherin Madlen Falke ein „neuer Masterplan“ vor. Dieser müsse noch verwaltungsintern geprüft werden. Wie der neue Masterplan konkret aussieht, lässt man nicht durchblicken. Offenbar möchte Ten Brinke jedoch von den großen Gewerbebauten abrücken.

Neuer Bebauungsplan notwendig

Wie Falke betont, müsse die „grundsätzliche Forderung nach Gewerbeansiedlungen entlang der Verkehrsachsen“ weiterhin verfolgt werden. Für den brachliegenden Teil müsse darüber hinaus zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Falke: „Bauanträge können in diesem Fall zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht eingereicht werden.“ So schnell dürfte sich am derzeitigen Zustand also nichts ändern.