Conny Brix und Biovida befinden sich im Räumungsverkauf und suchen einen Nachmieter. Foto: Emelie Baisch

Immer mehr Läden schließen, es gibt keine Nachmieter. Was sind die Ursachen für die zunehmenden Leerstände? Welche Perspektiven gibt es für die Zukunft?

Fünf Leerstände zählt die Innenstadt derzeit, zwei weitere werden bis Jahresende noch dazukommen. Die Boutique Sophie zum Beispiel verabschiedet sich demnächst von ihrem angestammten Standort und zieht in größere Räume in der Friedrichstraße. „Die Nachfrage ist seit Corona gesunken. Wir ziehen in einen Laden, der mehr sichtbar ist und größer – unser Angebot bleibt größtenteils gleich,“ heißt es seitens der Boutique.

 

Auch das gemeinsam geführte Geschäft Conny Brix und Biovida von Natascha Brugger befindet sich im Räumungsverkauf und sucht einen Nachmieter, so Geschäftsführerin Conny Brix, sie steht kurz vor dem Ruhestand.„Ich suche seit zwei Jahren einen Nachmieter für mein Geschäft. Ich denke, viele trauen sich einfach nicht – und die Arbeitszeiten sind ein Problem,“ sagt sie offen. Die Verantwortung, die mit einem eigenen Laden einhergeht, sei groß. Spätestens Ende September oder Ende Dezember soll das Geschäft schließen.

Tamara Pfaff, Vorsitzende des Gewerbevereins, macht auf eine wesentliche Herausforderung aufmerksam: „Vor allem die hohen Mietkosten für gewerbliche Räume stellen ein großes Hemmnis dar. Für Start-up-Unternehmen ist es unter diesen Bedingungen äußerst schwierig, Fuß zu fassen.“

In der Folge werden ehemals lebendige Ladenflächen zunehmend in Büroräume umgewandelt. „Es ist bedauerlich zu beobachten, wenn aus einem innovativen Konzept am Ende lediglich ein weiteres Büro entsteht“, so Tamara Pfaff. In dieser Entwicklung sieht sie einen besorgniserregenden Trend: „Die fortlaufende Umnutzung von Geschäften zu Büroflächen entzieht der Stadt ein Stück Lebendigkeit und Vielfalt.“

Citymanager sieht differenzierte Gründe

Citymanager Daniel Limberger verweist auf vielfältige Ursachen für die Schließungen: „Es gibt altersbedingte Gründe, fehlendes Personal oder Kostengründe. Viele Geschäftsaufgaben sind vorhersehbar – so können wir frühzeitig mit potenziellen Nachfolgern sprechen.“ Er betont aber auch die Stärke Bad Dürrheims: „Wir haben viele inhabergeführte Geschäfte – das macht unsere Innenstadt aus und sorgt dafür, dass es trotz allem Interessenten für eine Ansiedlung gibt.“

Zwar könne das Citymanagement bei Leerständen nur begrenzt Einfluss nehmen, da der Eigentümer über Mietpreis und Nachnutzungskonzept entscheidet. Aber man bleibe im engen Austausch mit potenziellen Gewerbetreibenden und unterstütze bei der Ansiedlung. Außerdem trage man durch Stadtgestaltungsprojekte, Events und den direkten Draht zum Gewerbeverein zur Belebung bei. „Ein gutes Beispiel ist der neue Waschsalon – ein echter Mehrwert für Gäste und Einheimische.“ Dieser befindet sich in der Luisenpassage.

Hohe Mieten bremsen die Gründungskultur aus

Früher wurden leerstehende Räume schneller wiederbesetzt. Heute dauert es deutlich länger, bis sich jemand traut, neu zu starten. Das hat Gründe: Viele Vermieter setzen auf Sicherheit. „Die Mieter wollen eben Stabilität für ihren Raum und nicht ein Laden, der vielleicht nach ein oder zwei Jahren wieder räumt.“

Für die Zukunft kann sich Tamara Pfaff vorstellen, dass Läden von zwei ähnlichen Gewerben gemeinsam genutzt und betrieben werden. Eine Art Co-Retailing als Antwort auf hohe Mieten und wirtschaftliche Unsicherheiten.