Die Betriebserlaubnis der Kläranlage ist bereits Ende 2020 ausgelaufen. Voraussichtlich 2027 wird sie stillgelegt. Foto: Schnurr

Infrastruktur: Technischer Ausschuss beauftragt Ingenieurbüro mit Planung der Stilllegung / Abwasser ab 2027 nach Balingen

Die Betriebserlaubnis der Kläranlage Binsdorf-Erlaheim ist Ende 2020 ausgelaufen. Sie wird nur noch so lange weiter betrieben, bis das Abwasser aus den beiden Geislinger Teilorten nach Balingen gepumpt werden kann.

Geislingen (wus). Das ist die letzte Konsequenz des Beschlusses, den der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Geislinger Gemeinderats jüngst gefällt hat: Die Anlage wird aufgegeben, das Abwassernetz von Binsdorf und Erlaheim an die Großkläranlage in Balingen angeschlossen, und beide Orte schließen sich dem dortigen Zweckverband Abwasserreinigung an. Mit der entsprechenden Planung soll ein Balinger Ingenieurbüro beauftragt werden – die Zustimmung des Gemeinderats ist nur noch eine Formalie.

Überraschend kam dieser Beschluss nicht: Bereits im Oktober 2018 hatte die Geislinger Gemeinderat bestimmt, dass die Stadtverwaltung Gespräche führen sollte, um den Anschluss vorzubereiten. Der Zweckverband Abwasserreinigung Balingen hatte daraufhin in seiner Verbandsversammlung im Sommer 2019 signalisiert, dass die Abwässer von insgesamt knapp 2000 Einwohnern in Binsdorf und Erlaheim in der Balinger Anlage willkommen wären (wir haben berichtet).

Der Planungsingenieur Joachim Hölle skizzierte dem ATU den Zeitrahmen der Stilllegung, die auch aus Sicht der gewählten Bürgervertreter die wirtschaftlichste Lösung ist. 2022 soll ein Förderantrag gestellt werden: Für die Stilllegung und Anbindung nach Balingen übernimmt das Land bis zu 80 Prozent der Kosten.

Nicht so bei einer Ertüchtigung und Modernisierung der alten Kläranlage: Die Sanierung des Nachklärbeckens und den Bau eines zweiten müsste die Stadt Geislingen komplett selbst finanzieren – insgesamt wären dann rund 4,8 Millionen Euro zu investieren. Etwa vier Millionen muss Geislingen für den Anschluss nach Balingen vorfinanzieren, hofft aber auf ordentlich Geld vom Land, das die Stilllegung kleiner Kläranlage politisch will und finanziell attraktiv macht.

Wenn diese Förderzusage kommt, sollen zwei Pumpleitungen verlegt werden, um rund 120 Höhenmeter zwischen Erlaheim und Balingen zu überwinden: zuerst von der Kläranlage am Keinbach bis zum Kraftfahrerparkplatz an der Kreisstraße 7121, und von dort weiter zum Gewerbegebiet Weiherle. Dabei sind zwei Pumpstationen geplant, von denen eine gemeinsam mit der Nachbarstadt Rosenfeld betrieben werden soll, die einen Teil ihres Abwassernetzes ebenfalls nach Balingen anschließen will.

Insgesamt rund dreieinhalb Kilometer neuer Abwasserrohre müssen dafür gebaut werden. 2027, so der Plan, soll die kleine, mechanisch-biologische Anlage im Unteren Tal nahe der Keinbachmühle dann stillgelegt werden. Bis dahin wird sie nur noch mit einer befristeten wasserrechtlichen Genehmigung betrieben werden können: Aufgrund der Zahl der angeschlossenen Haushalte wäre eine Klärleistung von 33 Litern pro Sekunde erforderlich, die Anlage schafft aber maximal 26 Liter – im Normalbetrieb rund zwölf Liter. Das Ingenieurbüro und die Stadtverwaltung bemühen sich derzeit um eine Verlängerung der Betriebserlaubnis.