Fritz Reimnitz stammte aus Unadingen. Seiner Heimat blieb er zeit seines Lebens treu.Foto: Reimnitz Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Fritz Reimnitz hinterließ 20 Millionen / Für Ausschüttung entstehen die Regeln / Stiftung tritt erstmals in Erscheinung

Eine der größten Stiftungen in Deutschland hat ihren Sitz in Bräunlingen und Löffingen. Für die Ausschüttungen für Bildung und Wissenschaft werden noch die Grundlagen geschaffen. Sehenswert ist inzwischen, was den 2017 verstorbenen Stifter antrieb und woher er stammte.

Bräunlingen/Löffingen. Sie will die Bildung junger Menschen fördern, Wissenschaft und Forschung stärken sowie die Heimatgeschichte vor der Vergessenheit retten. Dazu steht der Fritz-Reimnitz-Stiftung ein enormer Kapitalstock zur Verfügung. Nicht weniger als 20 Millionen Euro umfasst der Nachlass des gebürtigen Unadingers Fritz Reimnitz, der aus einer im Gipsabbau tätigen Unternehmerfamilie stammte und als selbstständiger Anwalt für Wirtschafts- und Vertragsrecht in Köln ein Vermögen machte.

Fritz Reimnitz starb im Januar 2017 im Alter von 69 Jahren. Aus seinem letzten Willen entstand die nach ihm benannte Stiftung, die vor rund zwei Jahren Rechtsform angenommen hat. Die Aspekte Bildung, Wissenschaft, Forschung, Denkmals- und Landschaftspflege sowie die Geschichte des Gipsabbaus hat der Wohltäter mit dem Stiftungszweck verbunden. Und weil sich das Kerngeschäft des Familienunternehmens seit den 1920er-Jahren im Gewann Kupferbrunnen zwischen Unadingen und Döggingen abspielte und sich sein Elternhaus, das ehemalige Posthaus, fast genau auf der heutigen Gemarkungsgrenze zwischen Bräunlingen und Löffingen befindet, sind bei der Leitung der Stiftung beide Kommunen im Boot.

Die ersten beiden Jahre nach Gründung der Stiftung wurden genutzt, um eine organisatorische Arbeitsgrundlage zu schaffen. Am 26. Juli steht die nächste Vorstandssitzung an. "Hier werden wir auch über die Anlagerichtlinien sprechen", sagt der Bräunlinger Bürgermeister Micha Bächle. Im Spätjahr wird er von seinem Löffinger Amtskollegen den Stiftungsvorsitz übernehmen.

Anlagerichtlinien bildeten eine Art Leitfaden. Wo sollen die Vermögenswert angelegt, wie sollen sie eventuell umgeschichtet werden? Wenn man mit einem fremden, auf Gemeinnützigkeit ausgerichtetes Vermögen wirtschafte, liege es nahe, keine riskanten Anlageformen zu nutzen, meinte Bächle auf Anfrage.

Der Stiftungsvorstand dürfte deshalb eine sehr konservative Strategie verfolgen. Ziel sei es, die Stiftung sicher aufzustellen. Das Gremium kann sich dabei auf einen externen Rat stützen. So bietet die Deutsche Stiftungsagentur der Stiftung ihre Expertise an und wickelt Aufgaben ab. Mit eingebunden in den Beraterstab sei auch die Sparkasse Schwarzwald-Baar. Auch wenn noch keine konkreten Projekte beschlossen werden können, dürfte sich der Vorstand bereits mit verschiedenen Formen der Ausschüttung befassen. Stipendien etwa könnten thematisiert werden, meint Bächle. Sie seien eine komplexere Angelegenheit als einmalige Zuwendungen.

Möglicherweise ebenfalls diskutiert werden Ende Juli Aspekte von Nachhaltigkeit und ethischen Grundsätzen der Wertanlagen. Abgeschlossen ist inzwischen die Konsolidierung des Vermögens. "Die Depotbestände sind auf die Stiftung übertragen", sagte Bächle. Hier half ein europäischer Erbschein, der seit 2020 vorliegt. Er musste beantragt werden, weil Fritz Reimnitz auch im europäischen Ausland Besitztümer hatte. Aber nur mit einem europäischen Erbschein können Erben im EU-Ausland ihre Ansprüche nachweisen.

Aber gehen der Stiftung nun Einnahmen durch eine verzögerte Neuaufstellung der Vermögenswerte verloren? Das sei nicht der Fall, versicherte Bächle. Die Stiftung bestehe aus Immobilien und Grundstücken, die Pacht abwerfen. Ferner befänden sich auch Geld und Aktien im Stiftungsvermögen.

Fritz Reimnitz machte als Jahrgangsbester sein Abitur am Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen. Den eigenen Bildungshunger und die Neugierde auf wissenschaftliche Erkenntnisse gab der promovierte Jurist in den bildungsorientierten Zwecken der Stiftung weiter. Deren Umsetzung muss aber mit Arbeitsmodus und Umsetzung der Geschäftsgrundlagen der Stiftung Schritt halten.

Ein gutes Stück vorangekommen sind jedoch die biografisch-heimatgeschichtlichen Wünsche des Erblassers. Wo es darum ging, die Erinnerung an den Gipsabbau in der Region wachzuhalten, galt es, keine Zeit zu verlieren. Immerhin wurde der Betrieb 1975 eingestellt, die Gebäude wenige Jahre später abgerissen. Wo gibt es mehr als 40 Jahre später noch Zeitzeugen, wo schaffen historische Bilder und Relikte eine Vorstellung der harten Arbeitsbedingungen dieser Zeit? Der Drehbuchautor, Filmemacher und Produzent Rainer Jörger, auch bekannt als Schöpfer der Donaueschinger Stadtgeschichten, hat sich dieses Themas angenommen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Weißes Gold" heißt die auf der Homepage www.fritz-reimnitz-stiftung.de abrufbare Dokumentation. Drei etwa fünfminütige Episodenfilme stellen mit Interviews, historischem und aktuellen Bild- und Filmmaterial den Gipsabbau im Gauchaltal, die Unternehmerfamilie Reimnitz, den Stifter selbst und die Zwecke der Stiftung vor.

Die Fritz-Reimnitz-Stiftung bindet ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Euro. Damit gehört sie zu den fünf Prozent größten privaten Stiftungen in Deutschland. Dem sechsköpfigen Stiftungsvorstand gehören die Bürgermeister Tobias Link (Löffingen) und Micha Bächle (Bräunlingen), die Ortvorsteher Dieter Fehrenbacher (Döggingen) und Kathrin Kramer (Unadingen) und aus der Familie des Stifters die Tochter Dinah und der Bruder Peter Reimnitz an. Der Vorsitz wechselt im Herbst von Tobias Link auf Micha Bächle.

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