Eberhard Wiget ist seit 2016 Vorsitzender des Stiftungsrates der Lebenshilfe. Satzungsgemäß muss er als 75-Jähriger aufhören. Das hatte er selbst so mitbeschlossen.
„Ich hatte einen Platten“, sagt Eberhard Wiget, als er zu spät zum Gespräch mit unserer Redaktion kommt. Wiget ist begeisterter Radfahrer. „Vergangenes Jahr habe ich 5000 Kilometer geschafft“, erzählt er.
Dieses Jahr steht die Uhr schon bei 3000 gefahrenen Kilometern – möglicher Weise knackt der Vater von vier erwachsenen Töchtern ja heuer seinen eigenen Rekord: Mit dem Wegfall des Amtes als Vorsitzender des Stiftungsrates dürfte Wiget mehr Freizeit haben.
Anfangs ein kleiner Verein
Die Lebenshilfe – das ist Wigets Lebensthema. Seit 1989 war er im Vorstand, damals firmierte die Lebenshilfe noch als Verein. Maximal 100 Menschen mit Behinderung waren damals beschäftigt, erinnert er sich. „Heute arbeiten 1300 Menschen mit und ohne Behinderung bei der Lebenshilfe“, sagt Wiget. Stolz schwingt mit in seiner Stimme. Er hat hautnah verfolgt, wie aus dem kleinen Verein ein Unternehmen mit zahlreichen Geschäftsfeldern geworden ist.
2001 wurde Eberhard Wiget zum zweiten Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt, damals unter der Ägide von Roland Haaß. Diesem wurde zum Abschied jenes Haus gewidmet, in dem neben Wohnungen auch der Weltladen untergebracht ist. Wo wir das Porträtfoto machen sollen? „Vor dem Roland-Haaß-Haus“, kommt es von Wiget wie aus der Pistole geschossen.
„Da fehlt dann was“
Wenn er sich zurück erinnert an die Highlights seiner Amtszeit, dann fällt Wiget die Umwandlung vom Verein in eine Stiftung ein. Er erinnert sich an „das Theater mit dem Landesverband“. Ein Kraftakt sei das damals gewesen.
Hörbar stolz ist er auf den Neubau in der Balinger Fischerstraße, der jüngst eingeweiht wurde. Und klar, ihm als passionierten E-Biker entgeht auch nicht, was sich in der Fahrradwerkstatt der Lebenshilfe tut.
Ja, sein Amt werde er schon vermissen, die Kollegen aus dem Stiftungsrat ebenso. „Da fehlt dann was.“ Was denn? Etwa zehn intensive Sitzungen im Jahr, zahlreiche Besprechungen und Anlässe, bei denen man zusammenkommt.
„Der Bedarf ist groß“
Wie man Abschied nimmt von einem Amt, das konnte Eberhard Wiget im Frühjahr quasi üben. 34 Jahre lang war er Mitglied im Erlaheimer Kirchengemeinderat. Was also mit der Kirche in seinem Wohnort zu tun hat, interessiert ihn noch immer – aber anders: „Die Verantwortung baut sich langsam ab, ich bin unbelasteter“, erklärt er.
Besonders am Herzen liegt Eberhard Wiget der Förder- und Betreuungsbereich der Lebenshilfe. Dort werden schwerst behinderte Menschen betreut. „Der Bedarf ist groß, hier muss man weiter ausbauen.“
Das ist ein Rat an seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger. Und ein weiterer: „Macht weiter, wie bisher, aber seid unbedingt innovativ.“
„Vier Kinder, vier Enkel“
Ob Lebenshilfe oder Kirchengemeinderat, Wiget hat eine klare Meinung: „Jetzt müssen Jüngere ran.“ Um die ganz Jungen wird er sich mindestens einmal pro Woche kümmern, beim „Enkele-Tag“, wenn er seine Enkelin vom Kindergarten abholt. „Vier Kinder, vier Enkel“ haben die Wigets.
Eberhard Wiget wird es genießen, mit den Kleinen zu spielen, Ausflüge zu machen und Eis zu essen. Und natürlich wird er im Auge behalten, was bei der Lebenshilfe passiert – schließlich ist das sein Lebensthema.