Ein Ehepaar aus Tailfingen soll durch das Veranstalten von Hochzeiten Steuern hinterzogen haben. (Symbolfoto) Foto: Pexels/pixabay

Neuigkeiten gab es bei der Fortsetzung im Prozess gegen ein Ehepaar aus Tailfingen, das mit der Veranstaltung von Hochzeiten Steuern im großen Stil hinterzogen haben soll. Der Mann streitet jeglichen Vorwurf ab. Ein weißer Plastikbeutel im Keller sagt aber anderes.

Albstadt-Tailfingen - Die mutmaßliche Steuerhinterziehung nimmt größere Ausmaße an als angenommen: Das Tailfinger Ehepaar – mittlerweile leben die Angeklagten getrennt – hat nach Aussagen des Richters nicht nur die zunächst angeklagten 657 986 Euro am Fiskus vorbeigeschleust. Nein: Mittlerweile beläuft sich der kolportierte Gesamtschaden auf über eine Million Euro.

Wie sah die Ausgangslage aus? Der Angeklagte soll im Zeitraum von 2010 bis 2016 mit seinen Geschäften auf der Tailfinger Langenwand und in Mengen im Landkreis Sigmaringen Umsätze in der Steuererklärung bewusst als zu niedrig angegeben haben. Seine Brötchen hat der Angeklagte mit der Veranstaltung türkischer Hochzeiten verdient. Seiner Gattin wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Auf ihren privaten Konten wurden Einnahmen der Hochzeiten verbucht. Zudem war auf sie der Betrieb angemeldet.

Beim Finanzamt anonym angezeigt worden

Wie der Angeklagte bei der Fortsetzung der Hauptverhandlung im Landgericht Hechingen berichtete, hat er stets mit dem Steuerberater seine Abschlüsse gebucht und sich somit nichts vorzuwerfen. Der Vorschlag des Richters, das Verfahren bei vollumfänglichen Geständnissen gegen eine Freiheitsstrafe von rund drei Jahren zu beenden, hat der Angeklagte abgelehnt. Er habe vor nichts Angst. Die hohen Summen einzelner Festivitäten seien nie in seinen Händen gelandet. Schließlich sei er nur der Vermittler gewesen. Die Ehepaare hätten ihm zwar die Summe bezahlt. Er habe aber nur als Durchlaufposten fungiert und das Geld an Caterer, Bands und Co. weitergegeben.

Laut Steuerfahndern hat der Geschäftsmann sehr wohl eine Strafe zu befürchten. Er habe sich nämlich nicht gebessert: Für die Jahre 2017 und 2018 seien ebenfalls unvollständige Steuerberichte vorhanden. Belastend komme hinzu, dass er mehrmals von anonymen Personen angezeigt worden sei. Erst beim Finanzamt in Reutlingen. Der Angeklagte habe bei Hochzeiten in Balingen und Tübingen-Hirschau Schwarzarbeit betrieben und Steuern hinterzogen. Wenig später gab es eine weitere Anzeige beim Finanzamt Balingen.

Grund genug, ein Verfahren gegen den Geschäftsmann einzuleiten. Die Durchsuchung des Hauses in Tailfingen brachte eine Überraschung mit sich: Im Keller soll der Mann nervös um eine weiße Plastiktüte mit angeblich elektronischem Material herumgetänzelt sein. Dahinter verbarg sich mehr: Stapel voller Scheinrechnungen der Hochzeiten fielen den Ermittlern in die Hände. Dubios sei auch, dass die meisten Zahlungen bar abgewickelt wurden – bei vier- und fünfstelligen Beträgen nicht üblich, so die Ansicht des Richters.

Die Frage stellt sich: Wo ist das ganze Geld geblieben?

Stellt sich aber die Frage, wo das ganze Geld geblieben ist: Die Steuerfahnder berichteten über potenzielle Konten in der Türkei. Die hat der Angeklagte auch, wie er später bestätigte. Aber nur, um damit im Urlaub leichter an Bargeld zu kommen. Er sei kein reicher Mensch, was seine Unschuld bestätige. Seltsam wirkt dann aber die Tatsache, dass er ein Angebot für eine Halle in der Balinger Volksbank Messe abgab – die Kosten belaufen sich auf rund eine Million Euro. Der Angeklagte konterte: Sein Geschäft laufe eben gut und jedes Wochenende organisiere er Veranstaltungen mit weit mehr als 1000 Teilnehmern. Statt dauerhafter Mietzahlungen, würde sich der Kauf einer Halle schnell rechnen.

Festgestellt wurde nur: Die Ehefrau hat wohl nichts mit der Sache am Hut und hat aus reiner Naivität ihrem Mann vertraut, ungefragt Dokumente unterschrieben und ihm ihren Namen für das Geschäft und die Konten zur Verfügung gestellt. Ihr Verteidiger teilte mit, dass sie die Tat gestehe und die veranschlagte einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung akzeptiere.

Der Ehemann will seine Strafe nicht so hinnehmen: Knappe drei Jahre müsste er hinter schwedische Gardinen. Um die Schadensumme auszugleichen, soll dazu das Haus im Wert von rund 250 000 Euro versteigert werden. Weitere Pfändungen haben bereits stattgefunden und ein Zahlungsplan für die Rückzahlung der Steuerschulden sei mit einem Anwalt erstellt worden. Er beharrt aber auf seiner Unschuld, und sein Verteidiger kündigte an, beim nächsten Fortsetzungstermin den Steuerberater seines Mandaten als Zeugen laden zu wollen.

Ein Urteil ist noch nicht gesprochen und wohl vorerst noch kein Ende der Verhandlung in Sicht.

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