Schulzentrum Stetten: Homeschooling-Modell der Gemeinschaftsschule greift gut ineinander / Stressfrei

Stetten a. k. M.. Den viel geforderten Anspruch – Schule soll aufs Leben vorbereiten – einzulösen: dazu hat die Coronavirus-Pandemie am Schulzentrum Stetten beigetragen. Denn die Schüler des Schulzentrums meisterten problemlos den digitalen Unterricht von zu Hause aus, berichten die Lehrkräfte, vernetzten sich produktiv in Chats und Foren und trainierten so wichtige Fähigkeiten für den späteren Berufsalltag.

2020 hat das Schulzentrum die Ziele des Digitalpaktes umgesetzt, Digitalisierung durch den Kauf neuer Geräte vorangebracht und allen Schülern im zweiten Lockdown die Möglichkeit gegeben, bei Bedarf einen Laptop auszuleihen. Bei technischen Fragen stand Schülern wie Lehrern ein eigenes Lehrerteam als Ansprechpartner zur Verfügung.

Online-Unterricht wird bereits in der Grundschule gelehrt: "Wir stellen uns dem Thema Digitalisierung offensiv und entwickeln uns auch auf diesem Feld sehr positiv weiter", freut sich Konrektor Jürgen Lebherz, aktuell kommissarischer Schulleiter.

Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage von allein 270 Schulen aus Baden-Württemberg klagen andere Institutionen über den drastischen Rückgang der Berufszufriedenheit bei Mitgliedern von Schulleitungen und Lehrern, bedingt durch fehlende digitale Infrastruktur, sinkende Arbeitsmotivation im "Homeschooling" und mangelnde Zeit für die Erfüllung beruflicher Aufgaben. Die Stettener Schüler und Lehrer kommen mit der Unterrichtsorganisation, die sich seit Beginn der Corona-Schließungen laufend verändert, gut zurecht und verbessern sogar ihre Leistungen, wie die Lehrkräfte betonen. Was auch am Unterrichtsangebot liege: Statt stundenlanger Videokonferenzen und mühsamem Abarbeiten von Aufgaben setzt das Schulzentrum auf einen aktivierenden Mix aus Online-Unterricht über die Lernplattform moodle, selbstständig zu erarbeitenden Lerninhalten mit Lernpaketen und praktischen Aufgaben in den Fächern Technik und Werkstatt. "Die neunten Klassen bereiten sich durch das Programmieren von Siemens Logo auf die Prüfung vor. In der Klasse sieben konstruieren die Schüler mit tinker.school im dreidimensionalen Raum das eigene Haus, das in virtuelle CoSpaces eingebettet wird und so eine virtual-reality-Ortschaft ergibt, bei der jeder seinen Wunschnachbarn aus der Klasse aussuchen kann", beschreibt Techniklehrer Thomas Pfeifer. Bei den achten Klassen war die virtuelle 360-Grad-Besichtigung eines Kohlebergwerkes ein Höhepunkt für die jüngeren Schüler.

In den Abschlussklassen beschäftigen sich die Schüler projektorientiert mit dem berufsrelevanten Thema Hausbeleuchtung. Auf Prüfungen in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch bereiten sich die Schüler in Präsenz unter Einhaltung der Hygienevorgaben vor.

"Damit sie nicht abgehängt werden"

Ein weiterer Baustein zur Optimierung der Lernleistung ist die Schulung sogenannter exekutiver Funktionen: Für Eingangsklassen der Sekundarstufe I übernimmt das Sonderschullehrer Michael Cafetzakis, Präventionsbeauftragter des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung, der vor Jahren das Konzept "Sommerschule" für das Staatliche Schulamt Albstadt im Schulamtsbezirk eingeführt und etabliert hat. "Bei den Übungen geht es darum, Merkfähigkeit, Inhibition und Fokussierung zu trainieren", was auch online möglich sei, erklärt er. Er und Sonderschullehrerin Dorothea Asal sind dafür zuständig, inklusiv beschulte "Lernpartner" zu betreuen, "damit sie im Homeschooling nicht abgehängt werden", so Asal.

Schüler sozial und emotional weiter einzubinden, dafür sorgen Tobias Buck und sein Team von der Schulsozialarbeit: "Seit vergangener Woche gibt es einen Discord-Channel für die Sekundarstufenschüler", so Buck. "Die Kontaktpflege mit den Eltern und im Bedarfsfall das Angebot weitergehender Beratung besteht weiter uneingeschränkt." Die Angebote kämen an – für Schüler sei es wichtig, Rituale zu haben, wenn die gewohnte Tagesstruktur wegfalle. Seit einer Woche haben Schüler über ein Padlet die Möglichkeit, Scherzfragen, Rezepte und Spielideen auszuprobieren.

Zusätzlich bietet das Schulzentrum im Krisenfall seelsorgerische Begleitung an, und ein hauseigenes Krisenteam steht bereit.

Mitmach-Übungen wirken dem Bewegungsmangel im Homeoffice entgegen – jeder kann zu Hause vor dem Rechner teilnehmen. Damit die Schüler den aber auch mal ausschalten und rausgehen, planen die Lehrer bewusst Raum für Freizeitgestaltung ein. "Mensch und Natur" etwa heißt eine virtuelle Ausstellung, die Annemarie Ziegler mit ihrer Klasse im Fach Religion organisiert hat. Im Lerngruppenkanal präsentierten Schüler Fotos von selbst gestalteten Kunstwerken mit Naturmaterialien.

Marco Heller, der Mathematik und Physik unterrichtet, hat eine Umfrage zur work-life-balance der "Lernpartner" gestartet, um nicht nur ihre Lernleistung, sondern auch den Wohlfühlfaktor im Homeschooling unter die Lupe zu nehmen. Neben Infos zur häuslichen Organisation mussten Schüler anonymisiert Fragen über ihr Bewegungs- und Ernährungsverhalten beantworten. Ergebnis: Die überwiegende Mehrheit kommt nach eigenen Angaben gut mit dem Lernstoff voran, ernährt sich gesund und baut Bewegungsphasen fest ein. Darüber hinaus gaben die Schüler mehrheitlich an, auch durch gestiegenen Stress oder Streit in der Familie während des Homeschoolings nicht beeinträchtigt zu werden. "Eine wesentliche Stärke unserer Schule ist das Agieren der Lehrkräfte in multiprofessionellen Teams", fasst Jürgen Lebherz zusammen. Sein "hochengagiertes Kollegium" komme der Forderung nach, Bildung und Betreuung in der Pandemie-Zeit zusammenzubringen.