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Stetten am kalten Markt "Stolperstein" erinnert an Schicksal

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Der Künstler setzt den "Stolperstein".  Foto: Grimm Foto: Schwarzwälder Bote

"Stolpersteine" sollen an die Untaten der Nazis erinnern – der erste seiner Art auf einem militärischen Gelände befindet sich nun in Stetten am kalten Markt.

Stetten am kalten Markt. Vor einem kleinen Kreis geladener Gäste hat der Künstler Gunter Demnig im Kasernenbereich Lager Heuberg einen "Stolperstein" für den dort von den Nationalsozialisten ermordeten Salomon Leibowitsch gesetzt – damit wurde erstmals ein solcher Stein in einer militärischen Liegenschaft angebracht. Der Kommandant des Truppenübungsplatzes Heuberg, Oberstleutnant Udo Eckbrett, auf dessen Einladung der Künstler des dezentralen Mahnmals gekommen war, stellte fest, dass dieser Akt in mehrfacher Hinsicht bedeutsam sei. Zum einen erinnere es an den sinnlosen Tod des grausam Ermordeten und daran, dass Herkunft, Glaube und Überzeugung eines Menschen niemals dessen "Auslöschung" rechtfertigen könnten und dürften, zum anderen dokumentiere er: "Bei uns, in der Bundeswehr, ist kein Platz für rechtsradikales Gedankengut – dieser Stein soll das ganz deutlich machen."

Eckbrett gab einen kurzen Einblick in das Leben des 1885 in der Ukraine geborenen Salomon Leibowitsch, der am 9. September 1933 an den Folgen der Folter im Gebäude 21 des Lagers Heuberg starb. Genau vor diesem Gebäude hat nun Gunter Demnig den Erinnerungsstein für Leibowitsch in den seit mehr als 100 Jahren militärisch genutzten und dadurch steinhart verdichteten Boden eingefügt. Mehr als 70 000 der patentrechtlich geschützten "Stolpersteine" hat Demnig mittlerweile europaweit verlegt, wobei, so der Künstler, jede einzelne Geschichte eines dergestalt Gewürdigten neue und oft unbekannte Aspekte der NS-Vergangenheit zu Tage gefördert habe. Demnig begann 1992 mit diesem Projekt: "Ich hätte nie geglaubt, dass es derartige Kreise ziehen würde", berichtet er, "mittlerweile sind die Stolpersteine zu meinem Lebenswerk geworden."

An rund 290 Tagen des Jahres ist er unterwegs, um der Nachfrage nachzukommen. Rund 53 000 Steine hat er in deutschen Städten und Gemeinden gesetzt, den Rest in 25 weiteren Ländern Europas einschließlich Russlands. Der 1947 in Berlin geborene Künstler hat rund 95 Prozent der bisher platzierten Steine selbst gesetzt; er hat Kapazitäten, um bis zu 440 Steine monatlich herzustellen und zu verlegen. Er habe sich bewusst für das Individualkonzept entschieden: Die Nazis hätten Menschen in Massen ermordet, dieser Massenvernichtung wolle er etwas Individuelles entgegen setzen. Jedes Schicksal bewege "und soll etwas bewegen" – umso wichtiger sei es, dass das Verlegen nicht zur Routine werde.

Und so glich auch das Setzen des Steins für Salomon Leibowitsch einem Ritual, das Demnig mit Sorgfalt und ruhiger Kraft, bergleichbar einer würdevollen Beerdigung, vollzog. Den 75 000. Stein wird er am 29. Dezember in Memmingen verlegen – "vor dem Haus des dortigen AfD-Vorsitzenden". Das Gute daran sei: "Er kann sich nicht dagegen wehren". Demnig sagt das ohne jede Häme. Mit jedem Stein versucht er, einem Opfer Persönlichkeit und Würde zurückzugeben – unabhängig davon, wer heute in dessen Haus wohnt.

Oberstleutnant Udo Eckbrett verwies auf den Leiter der militärgeschichtlichen Sammlung, die im Lager Heuberg in der ehemaligen kaiserlichen Offiziersspeiseanstalt angesiedelt ist. Markus Klotz sei in seiner Eigenschaft als Museumsleiter und profunder Kenner der regionalen Militärhistorie auf die Geschichte von Leibowitsch gestoßen, die im Gegensatz zu den Schicksalen der allermeisten Ermordeten schriftlich dokumentiert sei. Für ihn, Eckbrett, sei dann klar gewesen, dass diese Schreckensgeschichte mit dem Setzen des Stolpersteins ein würdiges Ende finden müsse. Denn die Erinnerung an das, was Menschen anderen Menschen angetan hätten, könne den Weg zu einem neuen Anfang ebnen.

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