Auf den Einzug des Mittelalters in Stetten müssen die Besucher und Einheimischen 2021 verzichten.Archiv-Foto: Grimm Foto: Schwarzwälder Bote

Spectaculum: Stettener richten 2021 kein Mittelalter-Festival aus / Personell wäre Verschiebung ein Kraftakt

Das große Stettener Mittelalterfest "Spectaculum", das nach vierjähriger Pause turnusmäßig 2021 hätte stattfinden sollen, ist abgesagt – das haben die Veranstalter mitgeteilt. Der Grund ist die Corona-Pandemie.

Stetten a. k. M.. Die Entscheidung sei ihnen nicht leicht gefallen, erklärten Fritz Pfeiffer, vom "Förderverein attraktive Region Stetten am kalten Markt", Stettens Bürgermeister Maik Lehn und Harald Dreher von der Arbeitsgruppe "Spectaculum 2021" unisono bei der Pressekonferenz im Rathaus. "Aber wir mussten sie jetzt treffen." Weshalb? Zwar gingen die Fallzahlen zurück, räumt Dreher ein, "aber solange es keinen Impfstoff gibt, wird sich an der Situation nichts Grundlegendes ändern." Das Spectaculum habe in der Vergangenheit regelmäßig Tausende von Besucher aus der ganzen Region nach Stetten gelockt; unter diesen Umständen Hygienevorschriften und Abstandsregeln durchzusetzen und die Besucherzahlen zu begrenzen, sei illusorisch.

"Gerade die abendlichen Veranstaltungen und Beiträge auf dem Schlossplatz vor dem Rathaus haben immer jede Menge Besucher angezogen", so Pfeiffer, "da stehen und sitzen die Leute dicht an dicht." Und da sie aus Nah und Fern kämen, gibt Dreher zu bedenken, sei auch die Streuwirkung riesengroß: Einige wenige symptomlos Infizierte könnten das Virus im Laufe des zweitägigen Mittelalterfestes problemlos an zahlreiche auswärtige Gäste weitergeben, die es dann weiterverbreiteten. "Das mag man sich gar nicht vorstellen!"

Ein weiterer Grund dafür, das Fest auf unbestimmte Zeit zu verschieben, ist die Länge der Planungsphase. "Wir brauchen rund ein Jahr Vorlaufzeit", erläutert Dreher, der rund 1000 Helfer aus örtlichen Vereinen, Gruppen und Institutionen koordiniert. Zwischen 30 und 35 zum Teil professionelle Mittelaltergruppierungen, Spielleute, Tanzensembles, Händler, Gauklertruppen und andere mehr müssten angeschrieben und eingeladen, Verträge ausgehandelt und unterschrieben, amtliche Genehmigungen, etwa für Straßensperren, eingeholt werden. Da die Verträge mit landesweit bekannten Profigruppen aus der Mittelalterszene Ausstiegsklauseln beinhalten, könne eine kurzfristige Absage richtig teuer werden.

Und noch etwas will bedacht sein: Viele Veranstaltungen, die in diesem Jahr auf der Agenda standen, werden mit Sicherheit aufs kommende Jahr verlegt; als Beispiele nennt Harald Dreher die Fußball- Europameisterschaft, die 850-Jahr-Feier der Stadt Pfullendorf oder die Landesgartenschau in Überlingen – von den Festen der Vereine, die großen Nachholbedarf haben, ganz zu schweigen. "Da wird es unweigerlich zu Dopplungen kommen."

Aber kann man das Spectaculum, das sich zu einem Bestandteil des lokalen Brauchtums und der regionalen Kultur entwickelt hat, nicht einfach auf 2022 verschieben? Es wird erwogen, aber beschlossene Sache ist es nicht: Den Verantwortlichen bereitet unter anderem Kopfzerbrechen, dass die Verschiebung den Vier-Jahres-Rhythmus der beiden Stettener Großveranstaltungen, des Spectaculums und des großen Sommertheaters, durcheinander bringt. Jede von ihnen fand bisher im Vier-Jahres-Turnus statt, so dass jedes zweite Jahr ein Ereignis anstand.

Beide erfordern großen personellen und finanziellen Aufwand; sollte einem Spectaculum 2022 ein Sommertheater 2023 auf dem Fuß folgen, wäre das für alle Beteiligten ein enormer Kraftakt. "Deshalb legen wir uns jetzt noch nicht auf einen neuen Termin fest", erklärt Maik Lehn.