Pater Ambrosoli in jungen Jahren, als er seinen Militärdienst auf dem Heuberg leistete. Vermutlich aufgenommen im Jahr 1944. Foto: Comboni-Missionare Ellwangen

Pater Giuseppe Ambrosoli wird am Sonntag, 20. November, in Kalongo im Norden Ugandas seliggesprochen. Im Zweiten Weltkrieg war der Italiener am Heuberg stationiert.

Stetten a.k.M. - Der italienische Comboni-Priester Pater Giuseppe Ambrosoli wird am Sonntag, 20. November, in Kalongo im Norden Ugandas seliggesprochen. Ambrosolis Leben ist eine Geschichte der Hingabe an die Armen als Arzt und Missionar. Seine Berufung zum Missionar hat der damalige Medizinstudent – nach eigenen Worten – einst im Lager Heuberg in Stetten a.k.M. entdeckt, wo er während seiner Gefangenschaft seine Mitgefangenen versorgte und pflegte.

Der Zufall spielte mit, als der Stettener Geschichtsverein unter Martin Biebl, Jürgen und Ulrike Sieber im Jahr 2004 auf Informationen zu dem Arzt und Missionar Guiseppe Ambrosoli gestoßen ist: "Wir haben damals für die Chronik des Stettener DRK recherchiert", erzählt Jürgen Sieber. Der Verein blieb anschließend am Ball und hat weiter zu Ambrosoli geforscht, der im Jahr 1923 in Norditalien zur Welt gekommen ist. Nach dem Abitur studierte er Medizin; wegen des zweiten Weltkrieges musste er sein Studium unterbrechen.

Während Gefangenschaft Missionars-Tätigkeit entdeckt

Jürgen Sieber weiß, dass Ambrosoli im Jahr 1944 mit seiner Jäger-Einheit (Bersaglieri) nach Stetten am kalten Markt ins Lager Heuberg gekommen ist. Mit dem Kriegsaustritt Italiens seien die in Stetten befindlichen Bersaglieri-Einheiten sofort entwaffnet und gefangen genommen worden. "Während seiner Gefangenschaft im Lager Heuberg pflegte und versorgte der Medizinstudent Ambrosoli seine Mitgefangenen und entdeckte dabei seine Berufung zum Missionar", erzählt Sieber.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, habe Ambrosoli sein Medizinstudium wieder aufgenommen und schließlich beendet. Zusätzlich absolvierte der Italiener ein Medizin-Studium und trat den Comboni-Missionaren bei.

31 Jahre lang Krankenhausleiter in Uganda

Nach weiteren Lehrgängen zum Tropenmediziner wurde Ambrosoli laut Überlieferung von den Comboni-Missionaren nach Uganda geschickt, wo er ein Krankenhaus leitete. Nachdem er 31 Jahre lang ununterbrochen gearbeitet hatte, Ambrosoli am 27. März 1987 im Alter von 64 Jahren während der Kriegswirren in Lira an einem Niereninfarkt gestorben. Erst sieben Jahre später seien seine sterblichen Überreste exhumiert und in Kalongo, in der Nähe des Krankenhauses, das seinen Namen trägt, beigesetzt worden.

"Außergewöhnliche und unerklärlichen Heilung"

Wie auf der Homepage der Comboni-Missionare nachzulesen ist, ermächtigte Papst Franziskus am 28. November 2019 die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, "unter anderem das Wunder bekannt zu machen, das der Fürsprache des ehrwürdigen Dieners Gottes Giuseppe Ambrosoli zugeschrieben wird". Das Wunder, das auf die Fürsprache von Pater Giuseppe geschah und das es möglich macht, dass er am 20. November seliggesprochen wird, widerfuhr einer jungen ugandischen Frau, Lucia Lomokol. Diese Entscheidung traf im Frühjahr 2019 die von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse eingesetzte medizinische Kommission, die ihre Prüfung einer aus klinischer und wissenschaftlicher Sicht "außergewöhnlichen und unerklärlichen Heilung" abschloss.

Ein Foto Ambrosolis soll das Wunder vollbracht haben

Am Abend des 25. Oktober 2008 verlor die 20-Jährige das Kind, das sie unter dem Herzen trug. Sie kam in einem extrem schlechten Zustand ins Matany-Krankenhaus in Norduganda, lag wegen einer Septikämie im Sterben. Das Krankenhaus hatte keine Möglichkeit, ihr zu helfen. Dann legte Doktor Eric Dominic ein Bild von Pater Giuseppe auf ihr Kissen und bat die Verwandten dort, zum "Großen Doktor" zu beten. Am nächsten Morgen ging es Lucia besser, was niemand erwartet hatte.