Die Sternenberghalle ist fertig saniert und steht für Veranstaltungen wieder bereit – sofern sie keine Nebeleffekte beinhalten. Foto: Bohnert-Seidel

Die neue Anlage in der Sternenberghalle lässt keinen künstlichen Nebel zu. Das sorgt nicht nur beim Gemeinderat für großen Unmut.

Im Zuge der umfassenden Sanierung der Sternenberghalle wurde unter anderem die Lüftungsanlage erneuert und brandschutztechnisch angepasst. Die neue Anlage reagiert jedoch sehr empfindlich auf Nebel, Rauch oder ähnliche Effekte, wodurch Fehlalarme in der Brandmeldeanlage ausgelöst werden können. Aus diesem Grund sei in der gesamten Halle, bis auf Weiteres keine Nebelmaschine oder sonstige Geräte beziehungsweise Materialien erlaubt, die Rauch, Nebel oder vergleichbare Effekte erzeugen, heißt es aus dem Rathaus.

 

Das wiederum hat nun zur ersten Absage einer seit vielen Monaten beworbenen Veranstaltung des Unternehmens „Kings Of Floyd“ gesorgt. Angedacht war sie für den 6. Dezember – nun ist ein neuer Termin ausgemacht worden, der 22. Mai 2026, sofern bis dahin die Lüftungsanlage sich nicht weiter hinsichtlich künstlicher Nebel und weiteren Effekten querstellt. „Eine ,Floyd Show’ ohne Haze (Nebel) macht keinen Sinn, weil die Laser ohne Haze nicht sichtbar gemacht werden können, das Licht bekommt eine ganz andere Wirkung. Eine ,Pink Floyd Show’ lebt nicht nur durch die großartige Musik, sondern auch durch die Inszenierung der Show.

Bereits beim Oktoberfest kam es zu Zwischenfällen wegen der Anlage

Insofern wäre es unfair all den Besuchern gegenüber, wenn wir auf die wesentlichen Showelemente verzichten würden“, erklärt Veranstalter Maurus Fischer die Entscheidung. Längst hat das Unternehmen „Kings Of Floyd“ Karten in Umlauf gebracht und auf den 6. Dezember in die Sternenberghalle eingeladen. In Abstimmung mit der Gemeinde Friesenheim wird die Show jetzt auf Freitag, 22. Mai, verlegt. Die Karten behalten ihre Gültigkeit.

Die neue Lüftungsanlage in der Sternenberghalle reagiert empfindlich auf Nebeleffekte. Foto: Bohnert-Seidel

Mit Hochdruck arbeite die Gemeinde an einer Lösung, um die Nutzung entsprechender Effekte künftig wieder zu ermöglichen.

Bei der Gemeinde schlug das Thema erstmals mit dem Oktoberfest des Musikvereins Friesenheim und den „Filterländern“ auf. Nebeleffekte hätten die Lüftung und den Strom außer Kraft gesetzt. In einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats teilte Bauamtsleiter Markus Reinbold mit: „Die Lüftungsanlage erfüllt vor allem die Vorschrift des Brandschutzes.“ Stellt sie Nebel oder Rauch fest, reagiert sie. Mit den Brandschutzsachverständigen und Planern werde sich jetzt an einen Tisch gesetzt, um eine Lösung zu finden. Viele Veranstaltungen lebten von der Pyrotechnik. Eine Möglichkeit wäre, die Brandmeldeanlage außer Betrieb zu nehmen und den Veranstalter mit einer Brandwache zu beauftragen. „Offensichtlich entspricht die neue Lüftungsanlage nicht den aktuellen Vorschriften“, stellte Moritz Weschle (CDU) fest.

Gemeinderat Friesenheim sieht die Fachplaner in der Pflicht

„Ein Fachplaner muss Pyrotechnik wie sie in der Sternenberghalle immer wieder genutzt wird in seiner Arbeit berücksichtigen.“ Hauptamtsleiterin Anja Reichert sagte: „Nebeleffekte betreffen auch die Vereine oder die Fasnacht.“ Nicht nachvollziehbar, ist der derzeitige Zustand in der Halle auch für Andreas Bix (FW): „Man muss doch alles zurücksetzen können. Das Ding ist nagelneu. Ich bezweifle, ob die Fachplaner da richtig geplant haben. Vielleicht hat auch bei der Ausschreibung der Link gefehlt: Achtung es wird auch rumgenebelt.“ Der Gemeinderat sieht die Fachplaner im Zugzwang.

Geschichte

Die Sternenberghalle wurde im Jahr 1981 errichtet und erhielt im Jahr 1984 den Holzbaupreis Baden-Württemberg. Der große Saal misst 510 Quadratmeter mit 675 Sitzplätzen, der kleine Saal misst 215 Quadratmeter und 337 Sitzplätze. In der Gesamtheit misst die Halle 725 Quadratmeter. Die drei Mehrzweckräume verfügen über jeweils 100 Quadratmeter Fläche. Im Untergeschoss sind jeweils zwei Räume mit knapp 130 Quadratmeter Fläche. Die Sanierung der Lüftungstechnik und neue Brandschutzanlage kostete 4,5 Millionen Euro. Allein die Planungskosten lagen bei fast einer Million Euro. Die neue Lüftung machte in der Gesamtsumme 1,2 Millionen Euro aus.