Die neuen Räumlichkeiten in Wildberg bieten den Ehrenamtlichen mehr Möglichkeiten.
Der letzte Weg ist kein leichter, weder für die Betroffenen, noch für die Angehörigen. Erfahrene Begleiter spenden Trost, sind für die Menschen da und stehen ihnen bis zuletzt zur Seite, halten ihre Hand. Diesen wichtigen Dienst an der Gesellschaft leisten die Ehrenamtlichen der Hospizgruppe Wildberg.
Für sie hat sich mit dem Bezug eigener Räumlichkeiten, in denen sie Equipment lagern, Gespräche führen und sich treffen können, ein langgehegter Traum erfüllt. Mittlerweile ist die Hospizgruppe im Untergeschoss im Schönbronner Weg 51/1 zu finden.
Begleitung von Menschen auf ihrem letzten Weg Im Jahr 2006 fanden engagierte Bürger zusammen, die ein gemeinsames Ziel einte: Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, mit Beistand und Respekt. 2007 fanden die ersten Besuche in Einrichtungen im Stadtgebiet statt. Damals stieß auch die heutige Vorsitzende Ursula Schlager zu der Gruppe dazu. Seit 2012 ist die Hospizgruppe als eingetragener Verein organisiert.
Ursula Schlagers Geschichte, wie sie zur Gruppe dazu stieß, steht beispielhaft für die Beweggründe der heute zehn aktiven, ehrenamtlichen Begleiter im Verein. Als Krankenschwester und Palliativfachkraft beschäftigte sich Ursula Schlager bereits länger mit den Themen Sterben und Sterbebegleitung. Als sie von der neuen Gruppe in Wildberg erfuhr, besuchte sie einen Info-Abend und meldete sich sofort für den Vorbereitungskurs an.
Vorbereitungskurs für die Ehrenamtlichen Diesen müssen alle Ehrenamtlichen absolvieren, ehe sie mit der Begleitung beginnen. In diesem Kurs lernen sie, wie sie Menschen auf ihrem letzten Weg unterstützen können, wie sie Angehörigen Trost spenden können und wie sie sich selbst schützen. Erst im Dezember endete der jüngste dieser Kurse, so dass die Wildberger Hospizgruppe vielleicht bald noch mehr Freiwillige in ihren Reihen begrüßen darf.
Ein gut aufgestelltes Netzwerk ist wichtig in diesem Bereich, denn die Ehrenamtlichen wissen nie, wann sie gebraucht werden, wollen aber alle Anfragen bedienen und sich auch die nötige Zeit dafür nehmen.„Es war mir ein großes Anliegen, mehr im palliativen Bereich zu tun“, erklärt Ursula Schlager.
Dienst als Bereicherung, nicht als Belastung So geht es auch Maren Jurk , zweite Vorsitzende des Hospizvereins, sowie der Beisitzerin Annegret Schöttle. Natürlich nehme einen dieses besondere Ehrenamt mit, beschreibt Maren Jurk ihre Gefühle, „aber es gibt einem mehr“. Man wisse vor jedem Einsatz, was einen erwarte, und akzeptiere, dass es zu Ende gehe. „Man erfüllt eine klare Rolle“, beschreibt Maren Jurk. „Das gibt einem Sicherheit.“
Die Ehrenamtlichen empfinden diesen Dienst daher nicht als Belastung, sondern als Bereicherung. „Es gibt einem ein gutes Gefühl, die Menschen auf diese Weise unterstützen zu können“, weiß Maren Jurk. „Das erfüllt mich.“ Sie empfinde keinen Schmerz, wenn sie diese schwierigen Situationen miterlebe, sondern Mitgefühl, erzählt sie.
Was genau macht denn die Hospizgruppe Wildberg? Die Arbeit der Ehrenamtlichen beginnt in dem Moment, in dem feststeht, dass ein Mensch in absehbarer Zeit sterben wird. Fortan begleiten die Freiwilligen den Betroffenen und seine Angehörigen –bei sich zu Hause, im Alten-und Pflegeheim oder im Krankenhaus. Diesen Dienst übernehmen sie im gesamten Wildberger Stadtgebiet sowie in Wenden, Rotfelden und Ebershardt.
Jeder Abschied ist individuell, wissen die drei Frauen. Dementsprechend gehen sie auch mit jedem Menschen anders um, stellen sich auf ihn und seine Bedürfnisse ein. Eine gewisse Unruhe empfinde jeder am Lebensende, auch wenn sich diese auf unterschiedliche Weise zeige. „Das ist etwas Natürliches und gehört zum Prozess dazu“, weiß Ursula Schlager. „Diese Unruhe darf zum Ausdruck kommen und muss verarbeitet werden.“ Dennoch haben sie alle die Erfahrung gemacht: Egal, auf welche Weise genau, schlussendlich gehen alle in Frieden. Die ehrenamtliche Begleitung kann die nötige Stärke dafür geben.
Wofür braucht die Gruppe eigene Räume? In der Anfangszeit trafen sich die Ehrenamtlichen in ihren Wohnzimmern zu Besprechungen und zur Vorbereitung auf die Arbeit für die Sterbebegleitung. Das stellte sich bald als unpraktisch heraus, zumal Materialien wie etwa Flipcharts immer hin-und hertransportiert werden mussten. Also suchte der Verein ein „Zuhause“.
Mehrere Optionen probierten die Ehrenamtlichen im Lauf der Jahre aus – mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung, durch die Stadtverwaltung sowie das Alten-und Pflegeheim. Am längsten war die Hospizgruppe im Wildberger Pflegeheim und später im alten Wildberger Feuerwehrhaus untergebracht. Schon damals hatte sich der Verein ausführlich Gedanken gemacht, welche Anforderungen eigene Räumlichkeiten erfüllen müssen.
Von der Beratung bis zum Trauercafé All diese Wünsche konnten mit dem Umzug in das Untergeschoss im Schönbronner Weg 51/1 erfüllt werden. Einen Monat lang haben die Ehrenamtlichen dort alles so hergerichtet, dass sich Besucher sofort wie zu Hause fühlen. Dort können Beratungen, Besprechungen und Vorbereitungskurse stattfinden, ebenso das Trauercafé und die Trauerbegleitung, die alle drei Frauen dank entsprechender Fortbildung anbieten können. Außerdem konnte eine regelmäßige Trauergruppe ins Leben gerufen werden.
Der größte Vorteil für die Ehrenamtlichen: Sie haben nun alle Materialien an einem Ort und müssen nicht mehr „aus dem Koffer“ leben. Das gilt für Arbeitsmaterialien ebenso wie für Getränke und Verpflegung. Unter diesen Voraussetzungen kann die Hospizgruppe nicht nur alle ihre Angebote an einem Ort bündeln, sondern sogar noch neue Visionen für die Zukunft in die Tat umsetzen.
Weitere Informationen zur Hospizgruppe Wildberg gibt es online unter www.hospizgruppe-wildberg.de. Dort können sich Interessierte auch über den nächsten Vorbereitungskurs im Jahr 2026 informieren und bei Interesse dafür anmelden.