Ein gut gefülltes Portemonnaie bedeutet noch längst nicht, dass man zu den Spitzenverdienern gehört. Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Man muss nicht gleich Millionen verdienen, um zu den Topverdienern in Deutschland zu gehören. Doch ab welchem Gehalt zählt man denn zur Spitze und wo verdient man besonders gut?

Ab wann gelten Beschäftigte in Deutschland als Spitzenverdiener? Eine Auswertung des Jobportals Stepstone zeigt, dass man dafür nicht gleich ein Millionengehalt kassieren muss.

 

Ausgewertet wurden über eine Million Gehaltsdaten. Wer auf ein Brutto-Jahreseinkommen von 80 000 Euro kommt, zählt unter den Vollbeschäftigten in Deutschland laut der Analyse zu den oberen zehn Prozent und damit zu den Spitzenverdienern. Für die oberen fünf Prozent liegt die Schwelle bei 97 000 Euro. Gerade mal ein Prozent verdient 143 750 Euro im Jahr oder mehr – das ist etwa dreimal so viel, wie der Verdienst von einem durchschnittlichen Beschäftigten.

Durchschnittsverdienst bei 45 800 Euro

Die Kluft zum Durchschnittsverdienst ist groß. Der liegt deutschlandweit bei 45 800 Euro. Das ist der sogenannte Median, also der Wert, bei dem die eine Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Besonders hohe Durchschnittsgehälter (Bruttomedian) gibt es mit 52 000 Euro in Hamburg, gefolgt von Baden-Württemberg und Hessen mit jeweils 50 250 Euro und Bayern mit 50 000 Euro.

Um in diesen Regionen zu den Bestverdienenden zu gehören, ist nach Angaben von Stepstone ein deutlich höheres Gehalt nötig als in strukturschwachen Regionen. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt etwa zählen Vollzeitbeschäftigte ab einem Jahresgehalt von 61 750 Euro zu den obersten zehn Prozent, in Nordrhein-Westfalen dagegen muss beim Jahresverdienst mindestens die Grenze von 79 000 Euro geknackt werden.

„Spitzenverdienende sind vor allem in den wirtschaftsstarken Metropolregionen zu finden. Denn dort sind viele global agierende Unternehmen vertreten, die Deutschlands Image in der Welt prägen und dafür im Wettbewerb um Spitzenkräfte stehen“, sagt Stepstone-Arbeitsmarktexperte Tobias Zimmermann. Faktoren wie Spezialisierung, Personalverantwortung, Hochschulabschluss und Branche erhöhen die Chance auf ein Spitzengehalt.

Städte wie Frankfurt, München, Erlangen und Stuttgart haben laut Stepstone einen besonders hohen Anteil an Menschen, die mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen.


Mehr als 100 000 Euro ohne Personalverantwortung

Nicht nur Manager, die Verantwortung tragen, große Teams führen oder Millionenbudgets verwalten, verdienen überdurchschnittlich. Topgehälter sind auch ohne Personalverantwortung möglich – hoch spezialisierte Fachkräfte können laut Stepstone-Auswertung mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen. Die höchsten Gehälter ohne Personalverantwortung erzielen Ärzte (Radiologen 121 750 Euro, Anästhesisten 103 000 Euro), gefolgt von Beratern und Juristen. Aber auch IT-Fachkräfte profitieren laut Stepstone von der hohen Nachfrage nach Tech-Spezialisten wie etwa Enterprise Architects (102 750 Euro), Senior Solution Architects (102 250 Euro) und Lead Engineers (91 750 Euro).

„Im internationalen Wettbewerb um die besten Fachkräfte, die die deutsche Wirtschaft voranbringen, werden Unternehmen auch weiterhin hohe Gehälter zahlen“, so Zimmermann. Das seien zum Beispiel die Bereiche Pharma und Biotech, Luft- und Raumfahrt sowie Experten für die Transformation mit nachhaltigen Technologien. Positionen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit seien schon heute stark gefragt. Aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft werde auch der Gesundheitssektor eine wichtigere Rolle spielen.