Wer sich in Baden-Württemberg auf Arbeitsuche in der Autoindustrie begibt,hat sehr viel weniger Auswahl als 2023. Eine Auswertung zeigt, welche Berufe gesucht werden.
Die Autoindustrie, der einstige Jobmotor des Landes, strauchelt. Ein Quartal ums andere verkündeten die hiesigen Hersteller und Zulieferer im Geschäftsjahr 2024 sinkende Absatzzahlen und Gewinneinbrüche. Darauf folgten unter anderem Sparprogramme, Abfindungsrunden und verkürzte Arbeitszeiten – und die Erwartungen in absehbarer Zeit sind verhalten. Es sind schwierige Zeiten für die Automobilindustrie. Und auch für diejenigen, die sich dort auf Jobsuche begeben.
Besonders drastisch ist der Rückgang bei den Stellenausschreibungen von Bosch, das zeigen die Daten des Berliner Unternehmens Index Research. Bereits 2024 verkündete das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen, dass in den kommenden Jahren weltweit mehr als 12 000 Stellen in Gefahr sind. Bosch-Finanzchef Markus Forschner machte auch keinen Hehl daraus, dass sich weiterhin ein geringerer Personalbedarf abzeichne. Und das für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens „schmerzhafte Entscheidungen“ nicht ausgeschlossen seien.
Bosch veröffentlichte im vergangenen Jahr 51 Prozent weniger Stellen
Nach der Stellenmarkt-Auswertung von Index Research veröffentlichte Bosch im vergangenen Jahr rund 5200 Stellen mit Arbeitsplatz in Baden-Württemberg. 2023 waren es noch mehr als das doppelte (12.191). Das entspricht einem Minus von 51 Prozent.
Auch beim Sportwagenhersteller Porsche sank die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen im Land deutlich. Während der Zuffenhausener Konzern vor zwei Jahren noch knapp mehr als 3000 Stellen extern zu besetzen hatte, waren es für das Jahr 2024 noch 1549 veröffentlichte Stellen – ein Rückgang von knapp 50 Prozent. Anfang des Jahres hatte Porsche angekündigt, etwa 15 Prozent der Stellen im Raum Stuttgart zu streichen.
Mercedes-Benz suchte 2024 etwa 4300 neue Mitarbeiter
Bei Mercedes-Benz beläuft sich der Rückgang von Stellenausschreibungen nach Angaben von Index Research auf 40 Prozent. Der Stuttgarter Automobilhersteller suchte im vergangenen Jahr 4310 Mitarbeiter – im Jahr 2023 waren es noch 7178. Auch hier kündigte der Konzern zuletzt ein Sparprogramm mit Abfindungen an – wie viele Stellen gestrichen werden sollen, ist jedoch nicht bekannt.
Rückgang der Jobangebote in der Autoindustrie um 37,6%
Mit dem Einsatzort Baden-Württemberg hat es in der Branche (Hersteller und Zulieferer) nach Auswertung des Personalmarktforschungsunternehmens im vergangenen Jahr 37,6 Prozent weniger Jobangebote gegeben.
Am stärksten betroffen von den rückläufigen Stellenangeboten waren die Berufsgruppen in der Forschung und Entwicklung, im Management sowie in der IT/Telekommunikation. In allen drei Bereichen waren im Vergleich zu 2023 weniger als die Hälfte der Jobs ausgeschrieben.
Aber auch für Einkäufer (-40,8 Prozent), Projektmanager (-45,1 Prozent) oder Personaler (-28,9 Prozent), die gerne in der Automobilbranche arbeiten würden war die Jobauswahl im Vergleich zu 2023 geringer. In keiner der von Index Research erhobenen Berufsgruppen hat es einen Anstieg an Stellenanzeigen von 2023 zu 2024 gegeben. Immerhin: Im Land der Ingenieure sucht die Autoindustrie diese Berufsgruppe, sowie Konstrukteure und Architekten immer noch am öftesten, obwohl es auch in diesen technischen Berufen ein Rückgang der ausgeschriebenen Stellen um 37. Prozent gegeben hat.