Stellan Skarsgard im Jahr 2014. Foto: imago images/TT//Aftonbladet

Der schwedische Charakterdarsteller Stellan Skarsgård muss sich nicht aufdrängen, um aufzufallen. Er ist im europäischen Kino ebenso erfolgreich wie in Hollywood. Am 13. Juni wird er 70.

Stuttgart - Hollywood liebt Stellan Skarsgård, den stattlichen Schweden aus Göteborg: In „Good Will Hunting“ (1997) verkörpert er den Professor im Dilemma, der das Mathegenie aus dem raubeinigen Protagonisten (Matt Damon) herauszukitzeln versucht. In „Fluch der Karibik“ (2006/2007) hauchte Skarsgård einem verfluchten Piraten grusliges Restleben ein, und in „Mamma Mia“ (2008) behauptete er sich neben Pierce Brosnan und Colin Firth als einer der drei potenziellen Väter der Filmtochter von Meryl Streep.

 

Noch wichtiger aber sind die skandinavischen Bande des Mannes aus Göteborg, der die 70er und die 80er überwiegend im Fernsehen und auf den Bühnen seiner Heimat Schweden verbrachte. Skarsgård ist in sechs Filmen des dänischen Regisseurs Lars von Trier zu sehen und in vier Filmen des norwegischen Regisseurs Hans Petter Moland.

Schillernde Rollen in schwarzen Komödien

In von Triers Drama „Breaking the Waves“ verkörpert der Schauspieler einen Arbeiter auf einer Ölplattform vor Schottland, einen ausländischen Außenseiter, der gegen alle Widerstände eine ihm verfallene Einheimische (Emily Watson) heiratet. In „Dogville“ (2003) spielt Skarsgård einen doppelgesichtigen Dörfler, der der gestrandeten Grace (Nicole Kidman) helfen zu wollen scheint, sie dann aber vergewaltigt. In „Nymphomaniac“ rettet er als alternder Junggeselle Seligman die sexbesessene Joe (Charlotte Gainsbourg), die ihm von ihrer Sucht erzählt – worauf er brillante Analogien herstellt, etwa zu Verhaltensmustern und Strategien von Beute und Jäger.

Skarsgard muss sich nicht aufdrängen, um aufzufallen, er verleiht seinen Filmfiguren eine ganz selbstverständliche Präsenz. Moland gab dem wandelbaren Skarsgård, , schillernde Hauptrollen in schwarzen Komödien: Als frisch Haftentlassener in „Ein Mann von Welt“ (2010) fördert Skarsgård in Gesten und Blicken die Tragik eines Mannes zutage, der zu lange Teil in einer ungesunden Welt war, in „Einer nach dem anderen“ rächt er als unbescholtener Schneeräumer und unbeirrbarer Stoiker den Tod seines Sohnes und dezimiert eine wüste Drogengang, glaubwürdig Gutbürger und Racheengel zugleich.

Am 13. Juni wird der Vater von acht Kindern 70 – und man kann Skarsgård, dem Kino und dem Publikum nur wünschen, dass er noch viele Rollen spielt.