Der Seniorenrat traf sich zu einer Sitzung. Foto: Christoph Schennen

Sonja Steiger die Arbeit des Seniorenbüros vor. Ernst Rihm wünscht sich einen Quartiertreff.

Im Ortsseniorenrat war am Dienstag Sonja Steiger zu Gast. Sie stellte die Aufgaben des Seniorenbüros vor. „In Steinen wurde 2024 mehr als 300 Einzelfallberatungen durchgeführt“, sagte die Fachbereichsleiterin Familie und Leben des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach im Besprechungsraum des Pflegedienstes Herbrich in Höllstein, wo der Seniorenrat tagte.

 

Wie die Existenz sichern?

Die Seniorenberaterinnen werden mit familiären Konflikten konfrontiert, aber auch mit Fragen zur Sicherung der Existenz. In vielen Fällen paart sich Armut mit psychischen Erkrankungen, so Steiger. Unklarheit herrsche bei den Themen „Vorsorgevollmacht“ und „Patientenverfügung“.

Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds

Sonja Steiger erinnerte daran, dass Schopfheim und Steinen für die Seniorenarbeit Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF)-Programm „Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation: ESF-Regiestelle“ erhält. „Das gesamte Projektvolumen unserer Förderung erstreckt sich auf über 640 000 Euro und läuft von 2022 bis Ende 2027.“ Die Kommune Steinen nutzt diese Förderung, um eine halbe Stelle „Soziale Arbeit mit älteren Menschen“ (19,5 Stunden in der Woche) anbieten zu können.“ Allerdings sei diese halbe Stelle nicht ausreichend, um den Beratungsbedarf zu decken, so Steiger. Aus den finanziellen Mitteln werde aber das Beste gemacht. „Zu wenig für das Geld bekommen Sie nicht“, versicherte Steiger.

Silke Dantona und Jutta Kübler beraten Senioren im Bürgerbüro in Steinen und in Schärers Au in Schopfheim, auch Dagmar Stettner kümmert sich in Schopfheim um die ältere Bevölkerung.

Auch Hausbesuche möglich

Steiger: „Das Seniorenbüro hat mittwochs von 15 bis 17 Uhr offene Sprechzeit (ohne Termin) und ist in der Regel auch donnerstags und freitags geöffnet, zudem können auch außerhalb dieser Zeiten Termine vereinbart werden. Bei Bedarf macht das Seniorenbüro auch Hausbesuche.“ Es beantworte Fragen des „jungen Alters“ - zum Beispiel wie das Leben nach der Berufszeit gestaltet werden kann, wie man sich ehrenamtlich engagieren kann, oder was man machen kann, wenn die Rente knapp wird.

Antworten gebe es auch auf Fragen, die sich im hohen Alter stellen, wenn es um Pflegeleistungen geht oder um den Aufbau von Unterstützungsnetzwerken (Caring Communities), damit man möglichst lange zuhause leben könne.

Ehrenamtliche stärken

Diskutiert wurde auch über die Zukunft der Pflege. Steiger ist der Ansicht, dass angesichts des Mangels an Pflegekräften Caring Communities, Gemeinschaften, in der Menschen füreinander sorgen und sich gegenseitig unterstützen, an Bedeutung gewinnen. Um die Pflege und die soziale Teilhabe am Leben für Senioren zu garantieren, sei ehrenamtliches Engagement erforderlich, hob Ernst Rihm von der Initiative „Gemeinsam gegen Einsam“ hervor. „Das Ehrenamt tritt in den Vordergrund, wir brauchen aber professionelle Hilfe“, sagte Rihm. Steinen brauche einen Quartierstreff, wo sich Senioren ungezwungen treffen könnten, um ihre Anliegen zu besprechen.

Netzwerktreffen wichtig

Ein Treffen im Mühlehof sei nicht unentgeltlich, man müsse immer etwas konsumieren, kritisiert Rihm. Viele Senioren mieden zudem das Seniorenbüro, weil sie sich finanziell nicht offenbaren wollten.

Wolfgang Deschler schlug vor, einmal im Jahr ein Netzwerktreffen zu organisieren, um den Ehrenamtlichen den „Rücken zu stärken“.

Ambulante Pflege

Zu Beginn der Sitzung stellte Dorothee Herbrich ihren ambulanten Pflegedienst vor, der auch hauswirtschaftliche Versorgung und Essen auf Rädern anbietet. Ihre 43 Mitarbeiterinnen betreuen 350 bis 400 Patienten von Steinen bis Brombach, Haagen, Hauingen und teilweise auch in Schopfheim.