Mit Daniela Döring gibt es in Steinen eine neue Koordinatorin für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst. Das Büro in der Eisenbahnstraße ist nun wieder regelmäßig geöffnet. Mit gut ausgebildeten Ehrenamtlichen will sie Familien eine Stütze sein.
„Wenn Kinder sterben müssen, trösten sie oft ihre Eltern, damit sie nicht traurig sind.“ So schildert Simona Beisel, Koordinatorin für Trauerbegleitung beim ambulanten Kinder-und Hospizdienst Lörrach-Steinen, die Situation, wenn Kinder selbst mit dem Tod bedroht sind.
Seit Oktober ist Daniela Döring die neue Koordinatorin des Kinder-und Hospizdiensts Lörrach-Steinen. Das Büro in der Eisenbahnstraße ist jeden Tag von 9 Uhr bis 13 Uhr besetzt und Anfragen werden, außer an Wochenenden, innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Döring ist dankbar, für die Unterstützung von Beisel, die bereits bei ihrer Vorgängerin tätig war. Ein Jahr war die Stelle vakant. Nun konnte sie mit der 30-jährigen Daniela Döring besetzt werden. In Freiburg hat sie als Kinderkrankenschwester gearbeitet und Gesundheitsmanagement studiert.
Die Betreuung von Familien
Als erstes will Döring eine Gruppe von Ehrenamtlichen aufbauen, die Familien in schwierigen Situationen unterstützt. Derzeit sind zehn Frauen aktiv tätig. So kümmert sich eine Frau um eine Familie in Höllstein. Manche Ehrenamtliche hätten sich während der einjährigen Vakanz etwas zurückgezogen. Andere brauchen Zeit, wenn ein Kind gestorben ist, um dies zu verarbeiten, sagt Döring.
Die Ehrenamtlichen betreuen Familien, wenn sie ein unheilbar krankes Kind haben oder wenn ein Elternteil schwerst erkrankt ist. „In einer solchen Situation zieht sich der Freundeskreis oft zurück“, sagt Döring. Die Themen Tod und Sterben werden gemieden. Die Einsamkeit tue einer Familie nicht gut. „Zwar kommen viele Ehrenamtliche aus sozialen Bereichen, jedoch gehören zu ihren Aufgaben keine hauswirtschaftlichen oder pflegerischen Tätigkeiten.“ Vielmehr würden sie vorlesen, Rollenspiele oder Spaziergänge mit den Kindern machen. Wenn der Abschied bevor stünde, würden sie sich vor allem um Geschwisterkinder kümmern.
Schulung für Ehrenamtliche
Ab März gebe es wieder Schulungen nach dem sogenannten Celler Modell. Diese dauern 120 Wochenstunden. Aufgeteilt sind sie in einen Grundkurs, ein Praktikum und einen Vertiefungskurs. Das Praktikum könne man unter anderem in einem Hospiz, aber auch in der Helen-Keller-Schule, einer Schule für Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung, absolvieren. So lernen die Teilnehmer unter anderem die richtigen Worte zu finden, wenn man über Tod, Trauer und Sterben spreche, sagt Dörer.
Wie spricht man über Tod?
Wie gehen Kinder mit dem Tod um? Dazu sagt Dörer: „Kinder stellen alle möglichen Fragen, sind offen für das Thema.“ Die Kinder verstehen meistens ganz genau, dass sie sterben werden. Sie habe auf der Kinderstation in Freiburg schon mitbekommen, wie sich kleine Kinder von Angehörigen verabschieden.
Manche Eltern nehmen ihre toten Kinder mit nach Hause, um Abschied zu nehmen, berichtet Dörer. Manche Familien verspüren Wut oder Trauer über das Unglück, das ihnen wiederfahren ist, dass das eigene Kind nicht leben kann wie andere. „Die größte Tragödie ist doch, wenn Kinder vor einem sterben“, ergänzt ihre Kollegin. Heute sei alles sehr kurzlebig. Da höre man zuweilen schon, jetzt ist wieder alles gut. „Trauer hört aber nicht auf, man muss mit ihr leben“, sagt Beisel.
Zu wenig Hilfe
Im Landkreis Lörrach gibt es kein Kinderhospiz. Viele Familien erhalten nicht die nötige Hilfe, berichtet Beisel von ihren Erfahrungen. Manche Eltern benötigen beispielsweise eine 24-Stunden-Pflege, damit sie wenigstens nachts schlafen können. Zwar gebe es derzeit keinen Bedarf an einer solchen Intensivpflege, aber es gab schon ab und an solche Anfragen. Gerade bei den vielen Anträgen fehle den Angehörigen die Kraft. Nächstes Jahr werde ab März eine Trauergruppe für Kinder ab sechs Jahren eingerichtet, fügt Beisel hinzu. Sie wird diese Gruppe in Grenzach-Wyhlen koordinieren. Hier in Steinen gebe es dafür gar keine Räumlichkeiten. Sie finde einmal im Monat an einem Samstag statt. Claudia Trimpin werde diese Gruppe leiten. Sie habe viel Erfahrung in diesen Fragen. Oft sprechen Kinder nicht mit ihren Eltern, wenn zum Beispiel ein Geschwisterkind gestorben ist, über ihre Trauer, da helfe es, wenn es eine neutrale Person gebe, sagt sie.
Daniela Döring; Leitende Koordinationskraft ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Malteser e.V. , Eisenbahnstr. 3, Tel.: 07627/ 9728280, Mobil: 0151 6553 1220, Email: daniela.doering@malteser.org, Infos: Kinderhospizdienst.loerrach@malteser.org