Auf dem Ausgrabungsgelände sind Spuren einer jungsteinzeitlichen Siedlung entdeckt worden. Foto: Steinmetz

Südlich des Steinbruchs in Frommenhausen fanden archäologische Grabungen statt. Funde deuten darauf hin, dass sich hier eine jungsteinzeitliche Siedlung befand.

Die Voruntersuchungen hatten Ende Februar begonnen. Es bestand für die Archäologie Handlungsbedarf, da der Steinbruch erweitert werden soll. Dass sich in diesem Bereich eine Siedlung in der Jungsteinzeit befand, war schon bekannt. Die ersten Funde aus diesem Areal seien 1909/10 aufgesammelt worden, teilt Marc Heise vom Landesamt für Denkmalpflege mit. Dabei habe es sich um Geräte aus Feuerstein, etwa eine Pfeilspitze, und Bruchstücke von Keramikgefäßen gehandelt. Aufgrund der Verzierungen auf den Keramikscherben habe man diese Siedlung in die mittlere Jungsteinzeit, rund 4500 vor Christus, datierten können.

 

Areal durch Steinbruch zerstört

Allerdings sei das Siedlungsareal durch die Landwirtschaft bereits in Mitleidenschaft gezogen und durch den heutigen Steinbruch weitgehend zerstört worden. Weil nun weitere Oberflächenfunde darauf hindeuteten, dass sich die Siedlung auf die südliche Erweiterungsfläche des Steinbruchs, an der Gemarkungsgrenze zu Hirrlingen, erstreckte, seien dort bauvorgreifende Untersuchungen erforderlich gewesen. Das Ziel war, die Ausdehnung der Steinzeitsiedlung zu erfassen.

Die archäologischen Voruntersuchungen begannen Ende Februar. Ein Bagger habe ein Raster von Sondageschnitten angelegt. Heise: „Im unmittelbar an den Steinbruch anschließenden Gebiet konnte nur eine Grube dokumentiert werden, die sehr flach erhalten war. Es ist davon auszugehen, dass durch Erosion und den Pflug die Befunde weitgehend zerstört wurden.“

Pfostenlöcher entdeckt

Weiter hangabwärts ist der Oberboden flächendeckend abgezogen worden. Auffallend dort: die dunklen Verfärbungen. Hier seien Grabenstrukturen und Pfostenlöcher entdeckt worden. Heise vermutet, dass darin ursprünglich die Pfosten eines Holzhauses standen. Jedoch seien die dokumentierten Befunde schlecht erhalten und erlaubten nicht die Rekonstruktion eines vollständigen Gebäudes. So sei auch die Datierung momentan nicht gesichert und könne erst nach der Bearbeitung der Funde geklärt werden. Eine Zugehörigkeit zur steinzeitlichen Siedlung nimmt Heise aber an.

Die Anfang des 20. Jahrhunderts weiter nördlich durch Lesefunde belegte Siedlungsstelle habe im Grabungsareal durch Reste eines Hauses untermauert werden können. Heise schränkt jedoch ein, dass nur eine geringe Anzahl von Befunden mit schlechter Erhaltung, zurückzuführen auf Erosion und landwirtschaftliche Tätigkeit, dokumentiert wurde.

Die Ausgrabung sind jetzt beendet. Mit einer Raupe ist das Ausgrabungsfeld wieder zugedeckt worden. „Weitere archäologische Untersuchungen sind im Bereich der Erweiterungsfläche nicht vorgesehen“, teilt Heise mit.

Auffallend sind die Verfärbungen auf dem Boden. Mit der Raupe wird das Ausgrabungsfeld wieder zugedeckt. Foto: Steinmetz

Unverständnis in Hirrlingen

Aaron Wagner aus Hirrlingen, der sich für seine Heimat engagiert, bedauert den Stopp der Ausgrabungen. So würden weitere Aufschlüsse für das geschichtliche Verständnis der Entwicklung der Menschen für immer verloren gehen. Der Fundort sei etwa 200 Meter von der aktuellen Grenze des Steinbruchs entfernt. Durch das langsame Fortschreiten eines möglichen Abbaus in Richtung Süden wären eigentlich genauere Untersuchungen des Geländes möglich, meint er. Ihm sei zwar klar, dass die aktuellen Funde den Gesteinsabbau nicht bremsten oder sogar aufhielten. Dass jedoch keine genauere und umfassendere Untersuchung des Geländes veranlasst werde, um das ganze Areal zu dokumentieren und für die wissenschaftliche Arbeit zu archivieren, sei für ihn nicht nachvollziehbar.