Der Kapffelsen ist Teil des Naturschutzgebiets. Foto: Steinmetz

Der Abbruch an der Hangkante des Frommenhauser Steinbruchs versetzt den Landwirt, der die angrenzenden Flächen bewirtschaftet, in größte Besorgnis. Es könnte zu weiteren Rutschungen kommen, befürchtet er.

Rottenburg-Frommenhausen - Dass diese Gefahr besteht, bestätigt auf Anfrage die Pressesprecherin des Landratsamts Tübingen.

Im nord-östlichen Teil des Schotterwerks ist am 30. September auf einer Länge von 20 bis 30 Metern die obere Böschung abgerutscht. Vermutlich sei dies auf eine rückschreitende Erosion und Abwitterung des Ton- und Schluffgesteins zurückzuführen, teilt Geschäftsführer Moritz Koehle mit. Als erste Sicherungsmaßnahme ist der asphaltierte Feldweg, der etwa 230 Meter entlang des Steinbruchrands führt, gesperrt worden. Am 1. Oktober sei das Landratsamt informiert und ein Sachverständigenbüro für Geotechnik kontaktiert worden. Am 10. Oktober hätten sich alle Beteiligten vor Ort getroffen, um den Böschungsabgang zu begutachten.

Zusammenhang zu Felssturz 2020

Der Abrutsch stehe im direkten Zusammenhang mit dem Felssturz von 2020, führt die Sprecherin als Grund dafür an, dass die ohnehin nur schmale Böschung, bestehend aus Hecken und Gebüsch, am oberen Rand nicht gesichert werden konnte. Direkt anschließend befindet sich der Feldweg, den der Landwirt nun nicht mehr nutzen kann. Eine Bewirtschaftung der Äcker sei dennoch möglich: "Die Felder können auch von der nördlichen Seite angefahren werden."

Nach Auskunft von Koehle liegt eine erste geotechnische Bewertung vor. Jetzt werde ein Konzept erarbeitet, um den Bereich der Rutschung "durch gezielte Maßnahmen dauerhaft zu sichern". Das Landratsamt, so die Pressesprecherin, werde prüfen, ob die Vorschläge realisierbar seien.

Landwirt besorgt

Der betroffene Landwirt beobachtet seit dem ersten Ereignis vor zwei Jahren ständig die Hangkante. Und ist überzeugt: Abrutschungen seien nicht mehr aufzuhalten, wenn auf der gegenüberliegenden Seite weiter gesprengt werde.

Den Steinbruch gebe es schon länger, und früher sei er für die Landwirtschaft auch kein Problem gewesen. Das habe sich allerdings geändert, seit die Abbaugrenzen reduziert wurden. Sie hätten früher 35 Meter zu den Äckern betragen. Es habe auch einen Feldweg in westlicher Richtung gegeben, bis er dem Abbau zum Opfer fiel. Der Landwirt klagte deswegen schon vor dem Verwaltungsgericht. Dass der westliche Feldweg weg sei, lasse sich nicht mehr ändern. Der Weg Richtung Süden werde aber erhalten, zitiert er den Richter. Das sei zu einem Zeitpunkt gewesen, als der Abbau noch nicht so weit fortgeschritten war. Jetzt trennt nur noch die schmale Böschung den Feldweg von dem Abgrund. "Mit dem Leben der dort Arbeitenden wird gespielt", sagt der Landwirt, der seit dem Felsabsturz 2020 größte Bedenken hat, wenn er bei der Ernte mit seinen schweren Maschinen über den Feldweg fährt. Aber das ist nun wegen der Sperrung ohnehin nicht mehr möglich.

Erweiterung des Steinbruchs

Geplant ist eine Erweiterung des Frommenhauser Steinbruchs in Richtung Kapf. Er würde damit nahe an die Hirrlinger Gemarkung heranrücken. Was dies für das Naturschutzgebiet Kapfhalde bedeuten würde, darauf machten die Veranstalter einer Hockte Anfang Oktober aufmerksam. Für Aaron Wagner, einen der Initiatoren der Veranstaltung, ist der jüngste Erdrutsch am Steinbruch eine Bestätigung dafür, dass auch am Kapf bei Sprengungen Felsabstürze wahrscheinlich wären. "Der Kapf steht auf einem wackeligen Podest", meint er. Schon jetzt rollen immer wieder Felsbrocken ins Tal. Wagner zeigt auf einen Stein mitten in der Starzel: "Der kam vom Kapf herunter."

Die Kapfhöhle ist momentan nicht zugänglich. Dort wird das Fledermausvorkommen untersucht. Das Monitoring sei vom Steinbruchbetreiber beauftragt worden, so die Pressesprecherin des Landratsamts. Die eventuellen Gefährdungen des Naturschutzgebiets sowie mögliche Rutschungen seien Gegenstand des derzeit laufenden Zulassungsverfahrens für die Steinbrucherweiterung und würden in diesem Rahmen untersucht und bewertet.