Steinach - In der Steinacher Bürgerversammlung wurde eine mögliche Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Interkom diskutiert. Die Mehrheit der Anwesenden betrachtet eine Vergrößerung skeptisch.Das interkommunale Gewerbegebiet ist laut Bürgermeister Frank Edelmann ein Erfolg. Seit dem Start vor rund zehn Jahren haben sich dort mehrere Firmen angesiedelt und weitere schon Flächen reserviert. Damit wurden und werden Arbeitsplätze im Ort geschaffen. Zumal Firmen, die viel Fläche beanspruchen, aber kaum Arbeitsplätze schaffen, keine Chancen auf eine Ansiedlung haben. Edelmann nannte als Beispiel für solche Fälle Supermärkte, die zusätzlich auch noch viel Verkehr verursachen würden. Der Rathauschef räumte auch mit dem Irrglauben auf, dass nur die Gemeinde die Gewerbesteuer bekomme aus der die Firma ursprünglich stamme. "Es ist nicht zu unterschätzen, was da an Gewerbesteuer fließt", so Edelmann.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die anderen beteiligten Gemeinden nichts gegen den Willen Steinachs entscheiden könnte. Insofern liegt es auch in der Hand des Gemeinderats der Kommune, wie es mit dem Gewerbegebiet weiter gehen soll. Die erste Vorstellung ist laut Edelmann, dass eine Erweiterung grundsätzlich angestrebt werde. Es sei aber noch nicht klar, wie groß diese ausfallen und in welchen Raum diese genau reichen solle. Als Untersuchungsgebiet komme eine rund 16 Hektar große Fläche in Richtung Oberbach/Niederbach in Frage. Zuvor hatte Edelmann auch die Zahl 35 Hektar als Maximum genannt, was er später aber selbst ausschloss. Weniger als drei Hektar sollten es am Ende aber auch nicht sein, da dass dann nicht mehr rentabel sei.

In der anschließenden Diskussion wurde ein Wunsch immer wieder wiederholt, und zwar "Maß zu halten" bei einer möglichen Erweiterung. Zumal die landschaftlich schöne Fläche, die für Landwirtschaft und Naherholung genutzt werden, wenn sie erst einmal verbaut wäre, unwiederbringlich verloren wäre. Eine Bürgerin meinte sogar, dass ihr jetzt schon das Herz blute, wenn sie das Industriegebiet sehe. Wofür sie Beifall bekam. "Ich bin auch kein Landschaftsbarbar, laufe dort auch gern", meinte Edelmann dazu. Er versuche daher mit den Rat den "Königsweg" zwischen Erhalt der Landschaft und einer Ansiedlung von Gewerbe, die als Lebensgrundlage für die kommenden Generationen auch wichtig sei. Zudem lobte er den Wortbeitrag von Christine Haas-Matt, die im Namen des NABU Kinzigtals zwar einerseits den hohen Wert der Landschaft und der darin lebenden Tiere betonte, aber dennoch eine "moderate" Erweiterung als möglich ansah.

Ein weiterer Teilnehmer befürchtete, dass Steinach seine Attraktivität verliere und es nicht zu Zuzug, sondern zu Abwanderung kommen werde. Ein andere Bürgerin meinte, man solle sich das Gebiet, das ein "Sahnestück" sei, als Wohngebiet offen halten. Hier konnte Edelmann dagegen halten, dass Steinach 30 Jahre eine Wegzuggemeinde gewesen sei, aber seit drei Jahren nun einen positiven Wanderungssaldo habe. Zudem sei im Bereich Katzenmatt wegen Restriktionen keine Wohnansiedlung möglich.

Bei der erneuten Forderung der Bürger nach einer direkten Anbindung des Gewerbegebiets an die B 33, die zu einer Abnahme des Verkehrs durch den Ort führen würde, ist der Rathauschef sehr engagiert, aber auch machtlos. Denn die grüne Staatssekretärin Gisela Splett bleibt trotz der Argumente von sämtlichen Akteuren aus der Region bislang bei ihrer ablehnenden Haltung (wir berichteten). Es sei auch nicht erfolgsversprechend, wenn die Bürger als Bedingung für eine Erweiterung die Anbindung fordern würden. Davon würde sich nach seiner Einschätzung niemand in Stuttgart beeindrucken lassen, meinte Edelmann desillusioniert. 

Seite 2: "Ärger im Dorf ist Käs"

Steinach (lr) - Die eine Bürgerinitative (BI) will eine dauerhafte Sperrung der Unterführung in der Kolpingstraße für Kraftverkehr, die andere ist dagegen. Angesichts dieser Gemengelage warb Frank Edelmann in der Bürgerversammlung für eine gütliche Einigung auf Faktenbasis. 

"Lassen sie uns Zeit für eine Untersuchung nehmen", appelierte der Rathauschef an beide Gruppierungen. Nachdem ein Verkehrsgutachten erstellt worden sei, könnte dann unter Beteiligung von Vertetern von den beiden Bürgeriniatitiven an einer Lösung gearbeitet werden. Zu diesem "Runden Tisch" könnte es im Spätjahr 2014 kommen. Eine Bürgerin wollte zwar nicht so lange warten und wünschte sich sofortige Maßnahmen, doch Edelmann musste sie vertrösten. Was die Verwaltung nach der Wiedereröffnung, die nach Abschluss der Arbeiten erfolgen wird, nur machen könne, sei Blitzermessungen zu veranlassen und die Firmen im Industriegebiet anzuschreiben zu der die Unterführung führt.

Alexandra Vollmer-Himmelsbach lobte Edelmanns Vorschlag und brachte mit den Worten "Ärger im Dorf ist Käs" unter Beifall das Ansinnen des Bürgermeisters auf den Punkt. 

Kommentar: Verkehr(t)

Lars Reutter

Verkehrswege sollten Menschen zusammenführen, wenn das Gegenteil passiert, läuft etwas ganz verkehrt. So gerade in Steinach, wo sich zwei Bürgerinitiativen gegenüberstehen, die beide berechtigte Anliegen haben. Nämlich weniger Verkehr vor der Haustür und/oder möglichst kurze Wege zu fahren. Zu lösen ist eine solche Konstellation zur Zufriedenheit aller kaum oder nur über Umwege. Ein solcher könnte sein, dass die beiden Gruppierungen sich mit einem gemeinsamen Ziel zusammenfinden.

Welches da in Frage kommt, liegt auf der Hand – eine direkte Anbindung des Industriegebiets an die B 33. Wenn es diese geben würde, wäre das Verkehrsproblem in Steinach nämlich weitaus geringer. Ansprechpartner ist da aber nicht die Gemeindeverwaltung, sondern die grün-rote Landesregierung. Die hat ja versprochen, den Bürgerwillen hören zu wollen. Frau Splett freut sich daher sicher über Bürger-Post in Form von Unterschriftenlisten....

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