Ein Fußballstadion, eine Kirche sowie eine Burg dürfen in der Haslacher Lego-Stadt nicht fehlen. Foto: Reinhard

Ein Bahnhof, Schwimmbad, Supermarkt und ein Fußballstadion – Legostein für Legostein haben 45 Kinder im katholischen Gemeindezentrum in Haslach eine richtige kleine Stadt nachgebaut. Etwa 100 000 Teile haben sie dafür verwendet.

Als echte Bauarbeiter in Warnwesten wuseln die Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren durch das Gemeindezentrum, in dem auf mehrere Tischen große und kleine Kisten mit mehreren bunten Steinen auf ihren Verbau warten. Eine ganze Stadt soll erschaffen werden, inklusive Schwimmbad, Polizeistation, Hotel, Bahnhof, Zoo und natürlich jeder Menge Wohnhäuser.

 

Am Donnerstag hatten die Kinder angefangen, die Stadt zu errichten, berichtet „Bauleiter“ Stefan Ziehms, am Sonntag sollte dann die feierliche Eröffnung sowie Präsentation sein. Wie er berichtet, findet die Aktion zum dritten Mal statt; das erste Mal wurde sie vor der Corona-Pandemie veranstaltet und schließlich das letzte Mal vor zwei Jahren. “ Ziehms ist dann auch der „Grund“ dafür, dass das außergewöhnliche Projekt nach Haslach kam. Vor einigen Jahren nahm er nämlich mit seiner Familie an einem Legowochenende teil, „und da kam mir die Idee, das Ganze nach Haslach zu holen“.

Die „Lego-Stadt“ stellt ein Missionswerk zur Verfügung. Sie vermietet die Teile, so dass das riesige Bauset durch ganz Deutschland reist. Das in Haslach aufgebaute stammt aus dem Sauerland und die Kolpingfamilie Haslach, die die Aktion organisiert, reiste extra dorthin, um das Bauset abzuholen. Theoretisch ist es möglich, zusätzlich zu dem Bausatz auch einen Dozenten zu mieten, der in den Pausen für Unterhaltung sorgt.

Bauen ist für die Kinder sehr anstrengend

„Das übernehmen aber wir selbst“, sagt Elfriede Stöhr, geistliche Leiterin der Kolpingfamilie, die das Projekt federführend organisiert. Das Bauen sei für die Kinder sehr anstrengend, mehr als anderthalb bis zwei Stunden wären ein konzentriertes Arbeiten nicht möglich. Aus diesem Grund gebe es regelmäßige Pausen in Form von Andachten, Mahlzeiten oder Spielen. Es gibt Vollverpflegung für die Teilnehmer. „Aus diesem Grund kostet die Teilnahme pro Familie 30 Euro“, erklärt Stöhr, betont aber auch, dass das die Kosten nicht vollumfänglich deckt. „Den Rest spenden die Kolpingfamilie“, sagt sie.

Und wie läuft das Bauen ab? Wie Stöhr ausführt, gibt es bestimmte Gebäude wie die Polizeistation, die Kirche oder das Hotel, das nach einer Vorlage nachgebaut werden. Wiederum andere, wie beispielsweise der Zoo, haben zwar einen festen Platz in der Stadt und eine vorgegebene Größe, in der Ausführung sind die Kinder aber frei. Im Haslacher Tiergarten gibt es so eine Gehege mit Skorpionen, Krokodilen, Eisbären, Affen und ein Tropenhaus.

Ohne jegliche Vorgaben können die „Traumhäuser“ gebaut werden. Dabei gibt es interessante Gemeinsamkeiten, die bisher bei jeder der drei . So legen viele der jungen Arbeiter großen Wert auf grünes Bauen. „Da gibt es Dachbegrünungen und generell ganz viele Blumen“, berichtet Stöhr. Und: „Die Autos werden weniger.“ Auf den Straßen der Haslacher Legostadt sind dann zwar das eine oder andere Auto, darunter auch ein Oldtimer, aber auch eine Pferdekutsche zu sehen. Ob diese Beobachtungen eine tiefere Bedeutung haben, sei schwer zu sagen, meint Stöhr. Aber sie meint: „Die Kinder wissen schon um die Umwelt.“ Aber tatsächlich sei es insgesamt schon so, dass die Kinder mit ihren Bauten oft ihre Lebensrealität widerspiegeln.

Insgesamt gehe es aber um Gemeinschaft und Teamgeist. Keiner arbeitet für sich. Die Kinder werden je nach Bauprojekt in Gruppen von zwei bis fünf eingeteilt, um die einzelnen Bauwerke zu errichten. Und eigentlich ist das Projekt nicht nur für Kinder gedacht, Auch erwachsene Familienmitglieder dürfen gerne mit Hand anlegen.

Das steckt dahinter

Die Lego A/S ist ein dänisches Unternehmen mit Sitz in Billund und gehört zu den drei größten Spielwarenherstellern der Welt. Das Wort „Lego“ leitet sich von dänisch „leg godt“ („spiel gut“) ab. Das Unternehmen wurde 1932 vom dänischen Tischlermeister Ole Kirk Christiansen zunächst zur Herstellung von Holzspielzeug gegründet. Seit ihrer Einführung 1949 waren Legosteine in allen Varianten in erster Linie Teil eines Systems. Heutige Legosteine passen trotz aller Änderungen in der Form noch immer mit den Steinen aus dem Jahr 1963 zusammen. Ein Basis-Legostein mit einer Noppe hat eine quadratische Grundfläche von 7,8 Millimeter mal 7,8 Millimeter und ist 9,6 Millimeter (ohne Noppe) beziehungsweise 11,3 Millimeter hoch.