Ein echter Kavenzmann hatte in der Silvesternacht 2009 die Wand zur Küche eines Hauses in der Oberen Talstraße durchschlagen. Foto: Karina Eyrich

Auf steilen und schmalen Pfaden haben die Revierförster Thomas Holl, Franz Maier und Frieder Siegl die Meßstetter Gemeinderäte durch den Stadtwald geführt.

Die Brunnenhalde liegt nur wenige Meter vom Rathaus Meßstetten entfernt und war somit die erste Station beim Waldbegang.

 

Dorthin führte sie Revierförster Michael Holl auf dem schmalen und steinigen Karl-Bohnenberger-Weg – naheliegenderweise ging es dort um die Hangsicherung.

Vermutlich die höchstgelegene gefasste Quelle der Alb

Der Weg sei ein Stück des qualifizierten Donau-Zollern-Alb-Wanderweges und nach einem Professor benannt, der zu Beginn der 20. Jahrhunderts oft mit seinen Studenten in Meßstetten weilte – vor allem im Winter zum Skifahren, erklärte Holl, der auch ehrenamtlicher Stellvertreter von Bürgermeister Frank Schroft ist. Die Ehrenbürgerwürde habe sich Bohnenberger dadurch verdient, dass er Meßstetten zum Skisport-Ort gemacht habe. 1932 war das.

Steil ist der Hang oberhalb der Brunnenstuben, die Michael Holl (Zweiter von rechts) den Gemeinderäten erläutert hat. Foto: Karina Eyrich

53 Jahre später hatte der Schwäbische Albverein die Brunnenstuben am Steilhang renoviert, und seitdem seien sie als Naturdenkmal ausgewiesen, verriet Thomas Holl. Mit 910 Metern über dem Meeresspiegel seien sie wohl die höchstgelegene, dauerhaft schüttende Quelle der Schwäbischen Alb, die gefasst ist.

Wichtig sind sie schon lange nicht mehr

Dass in solcher Höhe die Wassernot schon immer groß war, musste der Revierförster nicht eigens betonen. In Meßstetten, das über eine Hülbe und drei Brunnen verfüge, versorgten die Brunnenstuben heute noch immer den oberen und den unteren Brunnen in der Unteren Talstraße – Ersterer war erst im vergangenen Jahr restauriert worden.

Ihre Bedeutung für die Wasserversorgung der Stadt hätten die Brunnenstuben freilich schon im Jahr 1888 verloren – lange bevor der Zweckverband Wasserversorgung Hohenbergguppe links der Donau das Wasser für die Einwohner besorgt hatte.

Ein letztes Mal bedeutend für die Wasserversorgung

Als am 15. Januar 1945, in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges, bei einem Luftangriff auf Heidenstadt auch der Hauptstrang der Wasserversorgung getroffen wurde, sei die Brunnenstube ein letztes Mal für die Wasserversorgung reaktiviert worden. Dass sie in den vergangenen Jahren immer mal wieder zum Ziel von Vandalismus werde, bedauert Holl – und berichtete dann von den anderen Gefahren am ziemlich steilen Hang: Ein Felsbrocken mit einer Tonne Gewicht sei am Silvesterabend 2009 von städtischem Gelände gegen das Gebäude Obere Talstraße 39 gekracht, habe die Hauswand durchschlagen und sei vor dem Kühlschrank liegen geblieben.

Um Haaresbreite am Unglück vorbei

Wie unsere Redaktion damals berichtet hatte, war niemand verletzt worden. Die betagten Eheleute im Haus hatten allerdings einen gehörigen Schrecken davongetragen, war die Bewohnerin doch erst Minuten vorher kurz in die Küche gegangen, um etwas aus dem Kühlschrank zu holen.

Die Stadt habe damals nicht haften müssen, so Holl, und schon am 4. April 2010 sei das Gebäude abermals durch einen Felsabgang beschädigt worden – diesmal am Ostersonntag. Daraufhin seien Ende Mai labile und lose Felsblöcke und Steine beseitigt worden, während die Bewohner der Häuser unterhalb im Gemeindehaus unterbracht waren. Zum Glück, wie Holl betonte, denn auch bei der Beräumung ging ein Felssturz nieder.

Sieben Monate später hat die Stadt gehandelt

Im Juli habe der Gemeinderat daher beschlossen, einen Steinschlagschutzzaun bauen zu lassen, der auf 163 laufenden Metern die Häuser schützt. Kostenpunkt: 195 000 Euro. In diesem Jahr sei er für 36 000 Euro repariert worden. Außerdem habe die Stadt 2024 für 25 000 Euro mehrere Bäume „geköpft“, damit sie nicht umfallen. Sie stehen zu lassen, sei wegen der Wurzeln gleichwohl wichtig, um das Abrutschen des Hangs zu verhindern.