Steffen Dubé hatte nie einen festen Karriereplan. Heute lebt der 42-Jährige in Toronto und leitet das Nordamerika-Geschäft des Tunnelbohrmaschinenherstellers Herrenknecht.
Manche Lebenswege lassen sich früh erahnen. Andere entstehen ohne einen festen Plan – zu letzterem gehört der Weg von Steffen Dubé. Aufgewachsen in Friesenheim, lebt der 42-Jährige heute in Toronto und leitet das USA- und Kanada-Geschäft von Herrenknecht, dem internationalen Tunnelbohrmaschinenunternehmen mit Sitz in Allmannsweier. Dass es einmal so kommen würde, war für Dubé lange Zeit nicht klar, sagt er.
Dubé wuchs in Friesenheim auf, nachdem seine Familie einige Jahre nach seiner Geburt aus Kanada dorthin zurückgekehrt war. In der Realschule fiel er nicht besonders auf, die Noten waren durchwachsen, ein konkreter Berufswunsch fehlte: „Ich wusste lange nicht, wohin ich will“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die erste Weichenstellung kam durch seine Mutter, die ihm eine Ausbildung zum Schlosser vermittelte. Doch im Ausbildungsbetrieb lief es nicht rund, die Motivation ließ nach, gibt er im Gespräch zu. Erst ein Wechsel zur Firma Herrenknecht in Schwanau brachte die Wende. Vermittelt durch seinen Stiefvater, setzte Dubé dort seine Ausbildung fort.
Er verkürzte seine Lehrzeit
Bei Herrenknecht entwickelte er sich schnell weiter. Er verkürzte seine Lehrzeit, arbeitete zunächst in der Arbeitsvorbereitung und wechselte später in die Service-Abteilung. Ein Vorgesetzter erkannte sein Potenzial und förderte ihn gezielt, erzählt Dubé weiter.
Es folgten erste internationale Einsätze. Er sammelte Erfahrungen in Ländern wie Malaysia, Australien und den USA. In Seattle arbeitete er an einem Projekt zur Einführung eines neuen Buchhaltungssystems, das später in mehreren Niederlassungen weltweit umgesetzt wurde.
Parallel dazu baute er seine Qualifikationen aus. Die Fachhochschulreife erwarb er innerhalb eines Jahres, das anschließende Studium des Wirtschaftsingenieurwesens in Gengenbach wurde von seinem Arbeitgeber unterstützt. „Ohne diese Förderung wäre vieles nicht möglich gewesen“, betont Dubé.
Mit 37 Jahren übernahm er das Nordamerika-Geschäft
Mit den Jahren übernahm er zunehmend Verantwortung. Er war am Aufbau des Kanada-Geschäfts beteiligt, stellte Mitarbeiter ein und entwickelte Strukturen vor Ort. 2021 wurde er schließlich im Alter von 37 Jahren zum Niederlassungsleiter für die USA und Kanada ernannt.
Der neue Job brachte zunächst ein hohes Arbeitspensum mit sich. Ein Jahr lang lebte Dubé überwiegend in Hotels, erst 2022 bezog er eine feste Wohnung in Toronto. „Das war eine intensive Zeit“, sagt er.
Neben seiner beruflichen Laufbahn engagiert sich Dubé seit vielen Jahren im Handball, zunächst beim TV Friesenheim. Während eines Aufenthalts in den USA lernte er eine lose organisierte Spielgemeinschaft kennen, die ihn beeindruckte. In Toronto gründete er daraufhin einen eigenen Verein.
In Toronto baute er einen Handball-Verein auf
Heute zählt der Club rund 70 Mitglieder aus verschiedenen Nationen. Neben sportlichen Erfolgen steht vor allem der soziale Aspekt im Mittelpunkt: „Viele kommen neu ins Land und suchen Anschluss“, erklärt Dubé.
Der Verein sei für viele zu einem wichtigen Treffpunkt geworden. Auch für ihn selbst hat der Handball eine besondere Bedeutung. Über den Sport entstanden Freundschaften, die ihn bis heute begleiten. „Das ist ein großer Teil meines Lebens geworden“, so Dubé.
Rückblickend sieht Dubé seinen Weg vor allem durch Begegnungen geprägt. „Ich hatte das Glück, immer wieder Menschen zu treffen, die mich unterstützt haben.“ Seine Botschaft an junge Leute: Chancen nutzen und offen bleiben. „Das Leben bietet mehr Möglichkeiten, als man denkt.“
Heute fühlt er sich in Toronto angekommen. Die Stadt biete Vielfalt, Dynamik und internationale Kontakte – „genau das, was ich suche“. Seine Wurzeln in der Ortenau hat er dennoch nicht vergessen und kehrt gerne zurück.
Wirtschaftsingenieurwesen
Das Wirtschaftsingenieurwesen verbindet technische und wirtschaftswissenschaftliche Disziplinen, um als Schnittstelle zwischen Management und Technik zu agieren, heißt es auf der Homepage der Hochschule Offenburg. Das interdisziplinäre Studium umfasst Fächer wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Recht. Absolventen sind in Industrie, Beratung und Logistik sehr gefragt